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Aus: Ausgabe vom 08.10.2022, Seite 8 / Abgeschrieben

Friedensnobelpreis missbraucht

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Die Antikriegsorganisation »World Beyond War« hat am Freitag die Vergabe des Friedensnobelpreises kommentiert:

Das Nobelpreiskomitee hat wieder einmal einen Friedenspreis verliehen, der den Willen Alfred Nobels und den Zweck, für den der Preis ins Leben gerufen wurde, missachtet, indem es Empfänger ausgewählt hat, die ganz offensichtlich nicht »die Person sind, die am meisten oder am besten zur Förderung der Völkerfreundschaft, zur Abschaffung oder Verkleinerung stehender Heere und zur Einrichtung und Förderung von Friedenskongressen beigetragen hat«.

Mit Blick auf die Nachrichtenlage stand außer Frage, dass das Komitee einen Weg finden würde, sich auf die Ukraine zu konzentrieren. Aber es machte einen großen Bogen um alle, die versuchen, das Risiko einer nuklearen Apokalypse durch diesen bisher relativ kleinen Krieg zu verringern. Es ließ all diejenigen links liegen, die sich gegen beide Seiten in diesem Krieg stellen oder für einen Waffenstillstand, Verhandlungen oder Abrüstung eintreten. Es wählte noch nicht einmal – was durchaus hätte erwartet werden können – einen Gegner der russischen Kriegstreiberei in Russland und einen Gegner der ukrainischen Kriegstreiberei in der Ukraine aus.

Statt dessen hat sich das Nobelkomitee für Menschenrechts- und Demokratieaktivisten in Belarus, Russland und der Ukraine entschieden. Allerdings wird die Gruppe in der Ukraine dafür ausgezeichnet, dass sie »sich für die Ermittlung und Dokumentation russischer Kriegsverbrechen gegen die ukrainische Zivilbevölkerung eingesetzt hat«, ohne dass Krieg als solcher als Verbrechen oder die Möglichkeit erwähnt wird, dass auch die ukrainische Seite in dem Krieg Greueltaten begangen hat. Vielleicht hat das Nobelpreiskomitee aus der Erfahrung von Amnesty International gelernt, die wegen der Dokumentation von Kriegsverbrechen der ukrainischen Seite weithin verurteilt wurde.

Die Tatsache, dass alle Seiten in allen Kriegen immer versagt haben und immer versagen werden, wenn es um humanitäre Einsätze geht, ist wohl der Grund, warum Alfred Nobel einen Preis gestiftet hat, der zur Abschaffung von Kriegen beitragen soll. Es ist sehr schade, dass dieser Preis so missbraucht wird. Wegen dieses Missbrauchs hat World Beyond War an seiner Statt die War Abolisher Awards ins Leben gerufen.

Das »Ostdeutsche Kuratorium von Verbänden« veröffentlichte anlässlich des Gründungstags der DDR den Artikel »Völkerfrieden«:

Wenn man feststellen will, wie es heute um den Frieden in der Welt bestellt ist, muss man erst einmal den Blick geraderücken. Das fällt nicht leicht, denn Tag für Tag werden wir mit Nachrichten bombardiert, die die russische Militäroperation in der Ukraine zum schlimmsten Krieg der Weltgeschichte erklären und Sympathie für das ukrainische Regime aufdrängen wollen, während gleichzeitig der Krieg gegen die besitzlosen Klassen und sogar einen Teil der Besitzenden im Inneren im Auftrag der USA erbarmungslos geführt wird. (…)

(…) Es hat sich tatsächlich nicht die Ukraine europäisiert, Europa wurde ukrainisch. Die herrschende Klasse zögert nicht, zur schärfsten Unterdrückung zu greifen, und das Mindeste, was man feststellen muss, ist, dass längst schon wieder Faschisten in der Regierung sitzen. (…)

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