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Aus: Ausgabe vom 08.10.2022, Seite 2 / Ausland
Krieg in der Ukraine

Moskau warnt vor Folgen

Ukraine: Selenskij fordert »Präventivschlag«. Kiew relativiert Aussage
Von Ina Sembdner
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Eigene Einschätzung der Lage: US-Präsident Biden am Dienstag in Washington

Die Äußerung des ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskij über einen »Präventivschlag gegen Russland« bestätigt nach Sicht des russischen Außenministers die Notwendigkeit der »militärischen Sonderoperation« in der Ukraine. Dies erklärte Sergej Lawrow laut TASS am Freitag in Moskau und lachte demnach über die Versuche Kiews, den Kommentar Selenskijs herunterzuspielen. »Wir erinnern uns alle daran, wie er im Januar über das Streben der Ukraine nach Atomwaffen gesprochen hat. Es hat sich herausgestellt, dass diese Idee fest in seinem Kopf verankert ist«, betonte Lawrow.

Selenskij hatte am Donnerstag während eines Videoauftritts vor dem australischen Lowy Institut gefordert, dass die NATO »den Einsatz von Atomwaffen durch Russland unmöglich machen« solle. Wichtig sei aber, »dass es Präventivschläge sind, damit sie wissen, was ihnen blüht, wenn sie sie anwenden«. Sein Einschub, dass er sich an die Weltgemeinschaft wende, »wie vor dem 24.« Februar wurde dann in der Nacht zu Freitag so umgedeutet, dass Selenskij gemeint habe, dass es vor dem russischen Einmarsch notwendig gewesen wäre, »präventive Maßnahmen zu ergreifen, um es Russland nicht zu erlauben, den Krieg zu entfachen«.

Der Sprecher des russischen Präsidialamtes, Dmitri Peskow, warnte daraufhin, dass die Erklärungen Selenskijs nichts anderes seien »als ein Aufruf zum Beginn des dritten Weltkriegs mit unvorhersehbaren schrecklichen Folgen«. Der Vorsitzende des auswärtigen Ausschusses der russischen Staatsduma, Leonid Sluzki, warf dem ukrainischen Präsidenten vor, dass er die westlichen Länder in eine nukleare Rhetorik hineinziehe und die ganze Welt an den Rand einer Apokalypse treibe.

Washington sieht die Gefahr jedoch von Russland ausgehend. US-Präsident Joseph Biden erklärte am Donnerstag, die Welt stehe vor der Aussicht auf ein »Armageddon«. In New York sprach er davon, dass man es zum ersten Mal seit der Kubakrise »mit einer direkten Drohung mit dem Einsatz von Atomwaffen« zu tun hätte, wenn sich die Situation so weiterentwickele wie bisher. Zuvor hatte das US-Präsidialamt wiederholt erklärt, es gebe trotz eines »nuklearen Säbelrasselns« keine Anzeichen dafür, dass sich Russland auf einen Einsatz von Atomwaffen vorbereite.

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