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Aus: Ausgabe vom 06.10.2022, Seite 8 / Ansichten

Suppenspucker des Tages: Jeffrey Sachs

Von Michael Merz
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US-Ökonom Jeffrey Sachs

Russland pumpt nach einem kurzen Lieferstopp wieder Erdgas nach Italien, wurde am Mittwoch über die Nachrichtenticker gemeldet. Der italienische Konzern Eni ist zufrieden, es habe »absolut keine geopolitischen Gründe« für den Lieferstopp gegeben. Nach Deutschland strömt weiterhin kein russisches Gas. Das wird fürs erste so bleiben. Wer es angesichts der dürftigen Berichterstattung über ein noch nie dagewesenen Ereignis schon vergessen haben sollte: In die Pipelines von Nord Stream 1 und 2 wurden nahe Bornholm mittels einer riesigen Menge explosiven Materials vier Löcher gesprengt. Eine Katastrophe für Wirtschaft wie Klima, die sich erst vor anderthalb Wochen ereignete. Der Fortgang der Ermittlungen, mögliche Indizien, alles bleibt ziemlich neblig. Nur der Tatverdächtige steht fest: Der Russe muss es gewesen sein. Das Motiv ist ziemlich dünn – Moskau wolle den Energiemarkt der EU verunsichern, heißt es. Ein ziemlich teurer Spaß, der da so unauffällig neben dem Ukraine-Krieg vollführt worden sein soll.

Jeffrey Sachs hat sich am Wochenende bei Bloomberg TV zu Nord Stream geäußert. Der Professor hat den Niedergang der sowjetischen Wirtschaft aktiv begleitet, lehrt heute an der Columbia University. Für Bloomberg ist er also satisfaktionsfähig. »Ich würde wetten, dass dies eine Aktion der USA war – vielleicht der USA und Polens«, so Sachs. Moderator Tom Keene unterbrach ihn mit einem erbosten »Stop!« und forderte Beweise. Sachs nannte die US-Hubschrauber, die zur Tatzeit über Stunden in der Nähe kreisten und brachte erneut die Motivlage und Äußerungen führender US-Politiker ins Spiel. Und: »Ich weiß, dass dies unserem Narrativ zuwiderläuft und dass es im Westen nicht erlaubt ist, solche Dinge zu sagen.« Erwartungsgemäß berichteten keine deutschen Leitmedien mit Ausnahme der Berliner Zeitung über das Interview.

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