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Gegründet 1947 Donnerstag, 8. Dezember 2022, Nr. 286
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Aus: Ausgabe vom 01.10.2022, Seite 8 (Beilage) / Wochenendbeilage

Øllebrød – dänische Brotsuppe

»Ich versteh’ nicht, wieso die Dänen nichts gemerkt haben. Sind das nicht dänische Hoheitsgewässer bei Bornholm, wo die Amis die Gaspipelines angebohrt haben?« Roswitha wühlt in ihrer Handtasche. Wir stehen um drei Uhr nachts vor unserem Haus, es ist eisekalt, und Rossi findet den Schlüssel nicht. »Überall stellen sie Kameras auf, um uns zu überwachen, aber die kostbaren Rohstoffe in der Ostsee, da kann jeder ran … Sag mal, war deine Schwester nicht mal mit einem Einbrecher liiert?« Was soll das denn jetzt? »Rossi!?« antworte ich streng. »Hast du etwa den Schlüssel verbummelt?«

Mir schwant Übles. Wahrscheinlich erwartet sie von mir, dass ich mitten in der Nacht meine Schwester anrufe, damit die ihre alten Kontakte reaktiviert und uns einen Tresorknacker vorbeischickt, der uns für lau die Bude aufbricht. Unser Dackel Molotov hat uns längst gewittert, sein Gebell hört man bis auf die Straße. Peinlich, diese hysterische Vorfreude von Hunden über ihre zweibeinigen Rudelführer. Wenn die wüssten, wie schlecht die Menschen in Wahrheit sind, sie würden uns fressen und aussch… Na ja. Morgen heißt es wieder im Mietertratsch, die Punks aus dem vierten haben die ganze Nacht Radau gemacht mit ihrem Köter. »Ich versuch’s mal mit einem Fußtritt«, sage ich entschlossen, aber Rossi hält mich zurück. »Nein, warte. … Huhu! Hallo, Herr Wachtmeister!«

Sie rennt winkend auf die Straße – eine Streife. Aufgeregt gestikulierend bequatscht sie den Fahrer. »Na, dann wollen wir die nächtliche Ruhestörung mal zeitnah beenden.« Der beleibte Beamte entsteigt seinem Fahrzeug und schreitet zur Haustür. »Könnten die Damen sich ausweisen.« Nach dem Abgleich unserer Namen im Pass mit denen auf dem Klingelschild fordert er uns auf, hinter ihn zu treten, fingert etwas aus seiner Hosentasche und klack – die schwere Eichentür öffnet sich. »In welcher Etage befindet sich denn das hilflose Tier?« – »Vierte, leider!« Geräuschvoll prustend stiefelt der Polizeihauptmeister unter Molotovs anschwellendem Getöse die Treppe hoch. Sein rosiges Gesicht kommt mir irgendwie bekannt vor. Mit einer Handbewegung bedeutet er uns wieder wegzugucken. Und klack – auch die Wohnungstür ist offen. Wie hat er das bloß gemacht? »Sagen Sie, kennen Sie zufällig Susi Wunder? Meine Schwester?« frage ich den Staatsdiener, während Rossi den Hund beruhigt. Der Beamte wird blass. »Ich, ähm, nein. Ja. Also, früher, nein …« Also doch! »Na, da gratulier’ ich zum Karrieresprung!« sage ich lachend. Unsere Danksagungen müssen wir ihm hinterherrufen, denn er hat es jetzt eilig. Ja, die Welt ist klein, doch groß ist Dänemark!

Øllebrød – dänische Brotsuppe:

500 g altes Graubrot und 125 g altes Weißbrot in Würfel schneiden und mit einem halben Liter hellem Bier und zwei Tassen Wasser zwölf Stunden lang einweichen. Die Brotmasse durch ein Sieb drücken oder mit dem Mixer pürieren. In einer Kasserolle einen weiteren halben Liter Bier und drei bis fünf Tassen Wasser zusammen mit dem Brotpüree erhitzen. Die sämige Suppe mit einer Biozitronenspirale, vier EL Zucker, gebrühten Sultaninen und einer Messerspitze Cayennepfeffer würzen.

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