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Aus: Ausgabe vom 30.09.2022, Seite 1 / Titel
Nord Stream 1 und 2

Suche nach heißer Spur

Anschläge auf Pipelines: Ostsee bestens überwacht, aber bisher kein Täter gefunden. Westen und Russland verdächtigen sich gegenseitig
Von Jörg Kronauer
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Der Druck ist raus: Absperrventil an der Anlandestation für die Nord-Stream-2-Pipeline in Lubmin

Nach der EU hat auch die NATO eine »entschlossene Reaktion« auf die Anschläge auf die Pipelines Nord Stream 1 und 2 angekündigt. »Jeden vorsätzlichen Angriff« auf die kritische Infrastruktur der Mitgliedstaaten werde man »geeint« beantworten, hieß es am Donnerstag in einer Stellungnahme des Nordatlantikrats. Mehrere Politiker gingen dazu über, nicht mehr nur Russland ohne Beleg zu beschuldigen, sondern auch die Latte für eine etwaige Reaktion höher zu hängen. Litauens Außenminister Gabrielius Landsbergis etwa sprach von einem »Terrorakt«. Der Grünen-Europaabgeordnete Reinhard Bütikofer sah explizit »Staatsterrorismus« am Werk.

Die Anschläge sind offenbar noch breiter angelegt worden als bisher bekannt. Wie die schwedische Küstenwache am Donnerstag mitteilte, hat sie mittlerweile ein viertes Leck identifizieren können; es soll an Nord ­Stream 2 entstanden sein. Noch unklar war zunächst, welchen Strang der Pipeline es betrifft. Bei Nord Stream 1 sind beide Stränge schwer beschädigt worden. Weiter spekuliert wurde am Donnerstag über die Frage, wer die Anschläge zu verantworten hat. Das russische Onlineportal lenta.ru berichtete, laut den Daten des Fachdienstes »Flightradar 24« sei ein US-Mehrzweck-Helikopter »MH-60R Strike Hawk« in der Nacht von Sonntag auf Montag relativ nahe bei Bornholm über der Ostsee gekreist. Der Hubschrauber besitze die Fähigkeit, Unterwasserziele anzugreifen. Experten wiesen freilich darauf hin, dass derartige Anschläge leicht mit Unterwasserdrohnen zu realisieren sind. Diese wiederum können auch von völlig unauffälligen zivilen Schiffen abgesetzt werden.

In Russland hat unterdessen die Generalstaatsanwaltschaft ein Verfahren wegen internationalen Terrorismus eingeleitet. Dies wurde mit dem »erheblichen wirtschaftlichen Schaden« begründet, den die Zerstörung der Pipelines für Russland mit sich bringt. Moskau warf zudem die Frage auf, wieso weder die Streitkräfte noch die Geheimdienste der Ostseeanrainer oder anderer NATO-Staaten Erkenntnisse über die Anschläge zu haben scheinen. Die Ostsee gilt als eines der am intensivsten überwachten Gewässer weltweit, erst recht seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs. Die Anschlagsorte wiederum befinden sich nur knapp außerhalb der Zwölfmeilenzone – der unmittelbaren Hoheitsgewässer Dänemarks. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums Maria Sacharowa äußerte am Donnerstag, über das dortige Geschehen müssten die US-Geheimdienste, da sie eng mit Dänemark und Schweden kooperierten, eigentlich im Bilde sein. Ausgedehnte Aufklärung in der Ostsee ist darüber hinaus ein Tätigkeitsfeld der Bundeswehr, die dabei im NATO-Rahmen laut Angaben von Militärs sogar »eine gewisse Führungsrolle« innehat.

Unterdessen rücken die mittel- bis langfristigen Klimaschäden der Anschläge stärker in den Blick. Hatten Experten zunächst erklärt, kurzfristige Umweltschäden seien nicht zu erwarten, so verweisen Fachleute nun darauf, dass das aus den Leitungen entweichende Methan erheblich schädlichere Auswirkungen auf das Klima hat als Kohlendioxid. So besitzt es, auf 20 Jahre berechnet, das 80fache Treibhauspotential, auf 100 Jahre berechnet immer noch das 30fache. Die langfristigen Folgen sind damit wohl gravierender als zunächst vermutet.

Am Freitag wird sich der UN-Sicherheitsrat in einer Sondersitzung mit den Anschlägen befassen. Gefordert hat dies Russland.

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  • Leserbrief von edelfisch aus MV. ( 3. Oktober 2022 um 09:41 Uhr)
    Etwas zu Nord Stream 1 und 2 kann vielleicht die US-amerikanische Marinezeitschrift Seapower beitragen, in einem Artikel vom 10.06.22 wird beschrieben, was und wo bei der NATO-übung »Baltop 22« geprobt wurde. Vor allem geht es um »neueste Fortschritte in der Minenjagdtechnologie für unbemannte Unterwasserfahrzeuge in der Ostsee …« Die Experimente wurden vor der Küste von Bornholm durchgeführt. Es ist ein längerer Artikel. Schaut man auf deutsche Seiten zu »Baltop 22« findet man nicht so genaue Angaben. Solche Artikel machen schon nachdenklich.
  • Leserbrief von Horst Matzkuhn aus Rostock (30. September 2022 um 14:30 Uhr)
    Putin ist schuld? Hat er das persönlich gemacht? Da äußern sich im Fernsehen Leute, die keine Ahnung von der Problematik in der Ostsee haben wie Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Die kennen nur Leopard und vielleicht noch Königstiger gegen Russland/SU. Die wissen gar nicht was hier in der Ostsee von Stoltenbergs NATO getrieben wird. Nun zu Fakten: vorgestern am 27.09. gegen 17:10 Uhr habe ich im Fernsehen ein Interview von Biden gesehen, da hat er folgendes geantwortet: »Nord Stream 2 haben wir mit Sanktionen gestoppt und warten sie mal ein paar Tage ab, dann gibt es kein Gas mehr.«
    Auf Nachfrage der Reporterin nur ein Lächeln und dann Abgang und nun schlug die Zensur zu. Das Interview war nach circa zehn Minuten wieder aus dem Netz, verschwunden. Eindeutiger kann die Antwort nicht sein. Wochenlang hat sich ein US-amerikanischer Schiffsverband, mit dem Schiff Kearsarge, in der östlichen Ostsee aufgehalten und dort Anlandetraining vor allem um das Kaliningrader Gebiet zu erobern durchgeführt, wenn es losgeht, das hatte man schon vorher geübt mit dem Mavöver »Annaconda« und dann wurden noch »Freundschaftsbesuche« durchgeführt.
    Dieses Schiff ist personell und materiell so ausgestattet, dass man alle Varianten der Seelandung beherrscht, auch die Beseitigung von Unterwasserhindernissen durch Sprengungen. Dann bekam der Kommandeur dieser Formation den Auftrag, bei der Rückfahrt aus der Ostsee mal kurz die Leitungen zu zerstören. Das ist für die Marines eine Nebentätigkeit, unsere Diplomaten in den USA sollten mal aufpassen, wenn der Präsident der USA ein paar Marines für eine Heldentat auszeichnet. Und nun sucht man den Übeltäter, ach nein, man hat ihn ja schon. Fragen Sie mal die Deutsche Marine, aber die wissen ja auch nichts und die müssen ja ihren Koalitionspartner schützen.
    Vor einiger Zeit hatte ich einmal eine Nachfrage zur Umweltverschmutzung durch einen US-Zerstörer in der westlichen Ostsee und in der Antwort hat man mich belogen. Den Beweis habe ich noch. Die Deutsche Marine übt ja in der Ostsee Krieg, das ist kein Spiel, das ist Vorbereitung auf einen Krieg und die Flottendienstboote spionieren vor der Russischen Küste. Man müsste mal den NATO-Partner Dänemark befragen, aber die haben sich schon entschieden. Ist bloß eigenartig, dass Dänemark den Saboteur in seinen Gewässern (okay. Zone) nicht stellen konnte, dann hätten sie ja Putin, den Ausweis haben Sie ja schon.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum (30. September 2022 um 11:39 Uhr)
    Sabine L. hat recht: Es steht die Frage im Vordergrund, wem der Anschlag nützt – bzw. sie sollte im Vordergrund stehen. Im Kontext des Ukraine-Krieges gehen viele Themen unter. Z. B., dass die USA wieder »greate« gemacht werden sollen. Dass dies (auch) auf Kosten der deutschen Wirtschaft geschehen soll, traut sich nur keiner zu sagen. »Unter dem Slogan ›Made in America‹ agiert die Biden-Administration in für die EU problematischer und letztlich protektionistischer Weise« (Quelle: https://www.iwkoeln.de/studien/juergen-matthes-das-glas-ist-mehr-als-halb-voll.html, 29.9.2022). Die Wirkungen der Buy-American-Vorschriften wurden in der jW schon beiläufig erwähnt, z. B. dass der Bau der Batteriefertigung in der Gigafactory auf Eis gelegt ist. Durch den – wahrscheinlich finalen – Wegfall der Gaslieferungen über Nord Stream nach Deutschland verschlechtert sich die Wettbewerbsfähigkeit des Exportweltmeisters dauerhaft und drastisch. Aus dieser Prognose kann der amtierende US-Präsident und seine Clique bei den Zwischenwahlen Nutzen ziehen. Am Rande sei das auch noch erwähnt. Angesichts dieses Anschlags sollte allerdings jedem Fortschritts- und Technikgläubigen der Arsch auf Grundeis gehen. Er zeigt nämlich, dass mit ziemlich trivialen Mitteln zivile Infrastruktur praktisch unwiederbringlich zerstört werden kann. Der Wirtschaftskrieg hat eine neue Eskalationsstufe erreicht.
  • Leserbrief von Istvan Hidy aus Stuttgart (30. September 2022 um 11:21 Uhr)
    Totgeboren heißt es im Volksmund, wenn jemand oder auch etwas vor der Geburt schon nicht mehr lebt. Die Nord-Stream-2-Pipeline war so ein Projekt. Im Jahr 2011 begann den Bau der Leitungen und stieß auf enormen Widerstand von außerhalb Deutschlands, von der Ukraine, von Polen und den USA, sowie innerhalb vom Bündnis 90/Die Grünen. Nach mehreren erfolglosen Sanktionen tilgte schließlich Joe Biden in diesem Jahr die Inbetriebnahme der Röhre öffentlich mit einem Machtwort, beim Besuch von Bundeskanzler Scholz in Washington. Jetzt, wo in es Europa einen Gasmangel gibt und die Proteste immer und überall lauter werden um Nord Stream 2 zu öffnen, erfolgte plötzlich an mehreren Stellen eine Sprengung der Leitungen. Damit ist die Parole von Demonstranten »öffnet Nord Stream 2« mindestens weg vom Fenster. Ratschläge bei der Spurensuche: Die Platzierung der Sprengkörper muss wohl bei der BALTOPS 2022 genannten US- und NATO-Großübung in der Ostsee – als verdeckte Operation – als eine Art der Absicherung, erfolgt worden sein! Die Sprengsätze konnten zeitlich verzögert und aus der Ferne gezündet werden. Bereits am 22. Februar 2022 hatte es der unter dubiosen Umständen inaugurierte US-Präsident Joseph Biden angekündigt. (…) Eins ist jedoch sicher, Bündnis 90/Die Grünen waren es nicht, denn ihre Regierungsarbeit beweist, sie wären nicht fähig und qualifiziert dazu.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Stephan K. aus Neumarkt i.d.OPf. (30. September 2022 um 11:12 Uhr)
    (…) Die einzig mögliche mittel- bis langfristige und bezahlbare Gaspreisbremse und Energiepreisbremse ist die schnellstmögliche Inbetriebnahme der Nord-Stream-Pipelines. Daran hat sich nichts geändert. Die einzige Alternative dazu ist Deindustrialisierung und Verarmung. Umwelt- und Klimaschutz, eine Energiewende sind ohne ergänzendes »billiges« Erdgas – für ein bis zwei Jahrzehnte – weder politisch noch materiell machbar. Das Erdgas aus Russland blockiert nicht die Energiewende, es ist eine notwendige Voraussetzung. Die Ölpipeline Druschba (PCK-Schwedt) muss mindestens so lange in Betrieb bleiben bis wieder Gas durch Nord Stream fließt. Das ist nach dem Terrorakt in der Ostsee eine Frage des ökonomischen und sozialen Überlebens und der nationalen Sicherheit. Es ist auch ein Signal an die Zerstörer der Pipeline, dass es noch an den nationalen Interessen unseres Landes orientierte eigenständige Entscheidungen gibt. Zur Absicherung der Nord-Stream-Pipelines und ihrer Instandsetzung sowie des Friedens und der Wahrung der Sicherheit internationaler Seewege und ziviler Rechtsstandards in der Ostsee sollten UNO-Blauhelme mit Schiffen und Flugzeugen eingesetzt werden. Infrage kommen nur Militäreinheiten aus neutralen Staaten: Brasilien, Mexiko, Indien, Südafrika …
  • Leserbrief von Lothar Böling aus Düren (30. September 2022 um 09:11 Uhr)
    Die westliche Vorgehensweise ist echt scheinheilig! »Schwierige Suche nach dem Täter« fabuliert man bei Tagesschau.de am 29. September 2022 (Siehe: https://www.tagesschau.de/inland/nord-stream-explosionen-ermittlungen-101.html). Nachdem man die Bundestagsabgeordneten in vertraulicher Sitzung informiert hatte, sucht man nun ganz offiziell, wie mit einer Lupe im Dunkeln, »akribisch« nach den Tätern. Wohl wissend, dass sämtliche Aufzeichnungen der Militärs über die Vorgänge um Bornholm bereits streng unter Verschluss sind. Eine Täterschaft durch »NATO- bzw. EU-Länder« schließen deutschen Sicherheitskreisen aus, heißt es lapidar. Statt Verdächtige zu benennen, beschuldigt man weiterhin Russland der Sabotage. Zum NATO-Manöver Baltops 2022, zu US-Kriegsschiffen am 21. September 2022 vor Bornholm, verdächtig kreisenden US-Hubschraubern am 25. September 2022 über Nord Stream vor Bornholm – kein Wort. Nun, es wäre wahrlich auch ziemlich blöd, wenn man die US-Regierung der Sabotage beschuldigen müsste. Lieber rätselt man scheinheilig über Taucher oder Kleinst-U-Boote. »Diese können zum Teil nicht geortet werden, heißt es in Sicherheitskreisen. Es sei denkbar, heißt es in Fraktionskreisen, dass es gar nicht gelingt, den Hergang zu rekonstruieren.« Wie man sieht, nur drei Tage nach dem Anschlag, will man den Fall schon zu den Akten legen. Das alles zeugt mehr von Desinteresse und Verschleierung, als von Aufklärung. Die Zerstörung von Nord Stream aber hat noch eine ganz andere Komponente. Sicherlich wird es noch etwas dauern, bis jeder das wahre Ausmaß der Zerstörung dieser wichtigen Versorgungsleitung begriffen hat. Spätestens dann, wenn man frieren muss, wird sie jeder hautnah spüren, die eisige Brutalität des US-Imperialismus. Der Anschlag auf Nord Stream vom 26. September 2022, war nicht nur ein Anschlag auf die Menschen die davon abhängig waren. Es war ein brutaler Anschlag auf die gesamte Zivilisation. Denn jeder konnte sehen, was man von den USA wirklich zu erwarten hat. Das wird man sich merken.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Sabine L. aus Halle (30. September 2022 um 08:38 Uhr)
    »Cui bono?« Die Spur ist doch so heiß, dass man sie nur dann nicht sehen kann, wenn man sie nicht sehen will. Der polnische Exaußenminister hat es treffend zusammengefasst mit seinem »Danke USA!« Für mich stellt sich höchstens noch die Frage, inwieweit NATO-Partner und sogar die deutsche Regierung in diese Anschläge eingeweiht waren. Ich traue diesen beiden Gremien alle Schlechtigkeiten der Welt zu und Nutznießer wären sie allemal. Denn das Wohl ihrer Bürger hat diese Regierung längst aus den Augen verloren (sofern es dort jemals gewesen sein sollte).
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Ulf G. aus Hannover (29. September 2022 um 22:20 Uhr)
    Wenn der Anschlag auf die Pipelines Nord Stream 1 und 2 quasi von jedermann (der Zugriff auf Sprengstoff hat) mit Hilfe einer Unterwasserdrohne durchgeführt werden konnte, dann klingt es doch verdächtig, dass zunächst lauthals proklamiert wurde, nur ein staatlicher Akteur käme als Schuldiger in Frage und da natürlich vor allem der Lieblingsfeind des Westens, nämlich Russland, als ob Russland nicht aus zuvor propagierter Westsicht den klaren Beweis geliefert hätte, auch ohne Anschlag auf die Pipelines die Gaslieferungen einstellen zu können; verdächtig auch, dass sich vor dem Kippen des propagierten Narratives vom staatlichen Akteur flugs die NATO zu Wort meldet; will sie etwa den Bündnisfall verkünden? Wie blöd wäre das denn?! Schon nach dem Anschlag auf das WTC vom 11. September 2001 wurde blödsinnigerweise der Bündnisfall ausgerufen, obwohl kein staatlicher Terrorakteur identifiziert werden konnte; die USA hatten zu wildesten Militärschlägen gegen alle möglichen »Verdächtigen« ausgeholt, Beweise waren stets überflüssig. Vielmillionenfacher Tod war die Folge. Egal, ob die Anschläge auf die Pipelines von einem Privatmann ausgeübt wurden oder doch eher der Natur eines Gleiwitz- oder Golf-von-Tonkin-Zwischenfalls sind – es kann nur eine Forderung geben: Distanzierung von der NATO! Stopp aller Waffenlieferungen an die Ukraine! Schlimm genug, wenn die Ukraine seit Jahr und Tag ihr Minderheitenproblem am Völkerrecht vorbei unbedingt militärisch lösen will. Dafür gehört sie eigentlich bestraft und nicht unterstützt. Schlimm genug, wenn Ukrainer und Russen für die US-amerikanischen Weltherrschaftsgelüste ihren Kopf hinhalten müssen. Ich selber habe da jedenfalls keinerlei Lust zu. In Hannover gibt es einen Friedhof, auf dem der von Nazis hingerichteten Deserteure gedacht wird (http://netzwerk-erinnerungundzukunft.de/wehrmachtjustiz/). Deren Tugend muss leider heute dringendst erneut als vorbildlich hingestellt werden.
  • Leserbrief von Joán Ujházy (29. September 2022 um 20:01 Uhr)
    In der Ostsee kann man – ein wenig überspitzt formuliert – schließlich »keinen Furz lassen«, ohne dass dies von einer der zahlreichen militärischen und zivilen Mess- und Sensorstationen aufgezeichnet wird. Wenn also die Russen sich an die eigene Pipeline herangeschlichen hätten, um sie zu sprengen, hätten dies die NATO-Anrainerstaaten nicht nur sofort bemerkt, sondern Alarm geschlagen: Die bösen Russen vernichten ihr Hab und Gut, um uns, den »Wertewesten«, zu schaden. Da aber von den NATO-Anrainerstaaten kein Alarm geschlagen wurde, können es die Russen nicht gewesen sein. Es war der senile Biden, der Anfang Februar auf einer Pressekonferenz auf die Frage einer Journalistin antwortete, wie die zuvor geäußerten Andeutungen Bidens zu verstehen seien, »Nord Stream 2 ein Ende zu setzen«: »Wir werden – das verspreche ich ihnen – in der Lage sein, es zu tun.« Biden sagte weiter: »Es wird kein Nord Stream 2 mehr geben. Wir werden dem ein Ende setzen. Wir werden es ausschalten. Wir werden es in die Luft jagen.« Auch das laute Schweigen von »Ich kann mich nicht erinnern«-Scholz zeigt, dass er weiß, wer für diesen Anschlag verantwortlich ist. Hätte er Beweise, dass es die Russen gewesen sein sollen, hätte er sich plötzlich erinnert: Ja, da war was, äh, die Russen waren es; ich erinnere mich. Es ist allgemein bekannt, dass die USA von Anfang an gegen die Pipeline waren, ebenso die Nato-Anrainerstaaten. Und es ist kein Zufall, dass etwa zeitgleich zur Beschädigung der Nord-Stream-Trassen die »Baltic Pipe« eingeweiht wurde. Mit der Sprengung von Nord Stream 1 und 2 wurde ein lästiger Konkurrent ausgeschaltet. Ich würde mich nicht wundern, wenn irgendwann die Turkish-Pipeline dran ist. Als die Bild (= killt) meldete, die Russen hätten an der Pipeline Sprengsätze montieren lassen, gab es diese ironische Twittermeldung: Dänische Behörden hätten an der Sprengstelle Putins Ausweis gefunden: https://pbs.twimg.com/media/FdwrkaPXwAE_-76?format=jpg&name=small

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