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Aus: Ausgabe vom 29.09.2022, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Arbeitskampf

Ausstand in Felixstowe

Arbeiter im größten britischen Containerhafen treten in Streik. Gewerkschaften rufen zu landesweiten Großdemonstrationen auf
Von Dieter Reinisch, Galway
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Kampfbereit: Streikposten am Eingang des Hafens von Felixstowe am Dienstag abend

Die englischen Hafenarbeiter weiten ihren Arbeitskampf aus. Nachdem sich die Liverpooler Hafenarbeiter bereits seit dem 19. September im Streik befinden, traten am Dienstag abend auch die Arbeiter im größten britischen Containerhafen Felixstowe in den Streik.

Die Hafenarbeiter von Felixstowe legten ihre Arbeit nieder, nachdem die Mitglieder der Gewerkschaft Unite das Lohnangebot mit 82 Prozent bei 78 Prozent Wahlbeteiligung abgelehnt hatten. »Der Eigentümer CK Hutchison ist ein enorm wohlhabendes Unternehmen, das es sich leisten kann, seinen Angestellten eine faire Gehaltserhöhung zu zahlen – es hat sich aber dagegen entschieden«, so die Gewerkschaft in ihrer Stellungnahme.

Gegen Reallohnkürzungen

Neben den mehr als 560 Hafenarbeitern in Liverpool sind nun auch rund 1.900 Arbeiter im Hafen von Felixstowe zumindest bis 5. Oktober im Streik. Zusammen werden an beiden Häfen 60 Prozent des britischen Containerverkehrs abgefertigt. Es werden enorme Verzögerungen in den Lieferketten erwartet. Manche Beobachter erwarten, dass die Verzögerungen bis zum Beginn des Weihnachtsgeschäfts spürbar sein werden. Felixstowe liegt an der Küste nordöstlich von London nahe Ipswich. Es ist der größte Containerhafen des Vereinigten Königreichs.

Bereits im August hatten die Arbeiter in Felixstowe für acht Tage die Arbeit niedergelegt. Die Streiks werden nun wieder aufgenommen, nachdem sich das Unternehmen geweigert hatte, zu den Verhandlungen zurückzukehren. Statt dessen bot das Unternehmen sieben Prozent mehr Lohn an, so Unite in einer Aussendung: »Dies käme einer Reallohnkürzung gleich, da die Inflationsrate derzeit bei 12,3 Prozent liegt.« Die Gewerkschaft fordert mindestens zehn Prozent mehr Gehalt.

Der nationale Unite-Organisator, Bobby Morton, erklärte: »Diese jüngste Streikrunde wird unweigerlich zu großen Problemen in Felixstowe führen und Schockwellen durch die britische Lieferkette schicken, aber er ist vollständig vom Unternehmen selbst verursacht. Ihm wurde jede Gelegenheit gegeben, ein Abkommen auszuhandeln, aber es hat sich geweigert, dies zu tun.«

Am Rande des in Liverpool stattgefundenen Labour-Parteitags nahmen am Montag mehrere Hundert Aktivisten an einer Solidaritätskundgebung für die Hafenarbeiter teil. Angus ­Satow von Momentum, einer linken Labour-Plattform, meinte im Gespräch mit dem Liverpool Echo: »Wir sind hier draußen und unterstützen die Hafenarbeiter in ihrem Kampf. Wir haben Solidarität mit allen, die gegen die Krise der Lebenshaltungskosten kämpfen. Wir sind auch hier, um zu sagen, dass die Labour-Führung den Hafenarbeitern zur Seite stehen soll.« Bei der Kundgebung zeigte sich aber niemand der aktuellen Labour-Führung um Keir Starmer. Dieser hatte in seiner Parteitagsrede erklärt, »Labour wieder zu einer Partei der Mitte machen zu wollen«.

Statt dessen schlossen sich der ehemalige Parteivorsitzende Jeremy Corbyn und andere Abgeordnete wie Ian Byrne, Zarah Sultana und John McDonnell, die alle dem Corbyn-Flügel zuzurechnen sind, an. An der Kundgebung nahm auch der Generalsekretär der Eisenbahnergewerkschaft RMT, Mick Lynch, teil.

Seit fünf Monaten im Kampf

Die britischen Eisenbahner befinden sich seit fünf Monaten im Arbeitskampf. Am Sonnabend ist der erste von mehreren Streiktagen geplant. Dann sollen 90 Prozent der Zugverbindungen in Großbritannien ausfallen. Für Sonnabend hat auch der Gewerkschaftsverband TUC zu mehreren Großdemonstrationen aufgerufen.

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