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Aus: Ausgabe vom 23.09.2022, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Finanzpolitik

Der Dollar-Hebel

US-Leitzins erhöht. Ärmeren Ländern droht Schuldenkrise
Von Alexander Reich
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»Einen schmerzfreien Weg gibt es nicht« – Fed-Chef Jerome Powell am Mittwoch abend

Die US-Notenbank Federal Reserve hat den Leitzins am Mittwoch abend zum dritten Mal in Folge um 0,75 Prozentpunkte erhöht. Die neue Spanne liegt bei drei bis 3,25 Prozent. Ein Ende der Entwicklung ist für die Zentralbank nicht in Sicht. Zum Jahreswechsel wird der Zins ihrer Prognose nach bei 4,4 Prozent liegen, im kommenden Jahr dann auf 4,6 Prozent steigen. Mit der Verteuerung der Kredite soll die Inflation bekämpft werden, die im August bei 8,3 Prozent im Jahresvergleich lag. Die Wirtschaft wird dabei mit ausgebremst. Das BIP der USA wird laut Fed 2022 nur noch um 0,2 Prozent wachsen. Im Juni hatte sie noch mit 1,7 Prozent gerechnet. Einen »schmerzlosen Weg« zur Preisstabilität gebe es leider nicht, sagte Fed-Chef Jerome Powell.

Im internationalen Währungshandel erstarkte nach dem Auftritt des Notenbankers der Dollar. Gegenüber Euro und Yen hat er ein 20-Jahres-Hoch erreicht (der Euro fiel in der Nacht zum Donnerstag auf 0,9809 Dollar). Damit werden Importe für die USA billiger, zum Nachteil der Lieferanten. Die müssen auch für Waren aus den USA noch tiefer in die Tasche greifen. Am verheerendsten aber wirkt sich das Dollar-Hoch auf ärmere Länder aus, die hohe Kredite in US-Dollar aufgenommen haben, ohne selbst Dollars einzunehmen.

Die steigenden Zinssätze verschlimmern die Lage in Staaten Zentralasiens, Lateinamerikas und südlich der Sahara in Afrika. Auch dort herrscht Inflation. Dazu kommt, dass höhere Zinsen den US-Markt für Anleger attraktiver machen. Viele dürften ihr Geld aus Entwicklungs- und Schwellenländern abziehen. Überall drohen tiefe Schuldenkrisen. Der drohenden Folgen für »Volkswirtschaften auf der ganzen Welt« sei sich die Fed »sehr bewusst«, beteuerte Powell am Mittwoch abend. Aber er sitzt nun mal am längeren Hebel: »Wir befinden uns alle in sehr unterschiedlichen Situationen.«

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