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Aus: Ausgabe vom 19.09.2022, Seite 5 / Inland
Gigafactory

Lockruf ins Zentrum

US-Autobauer Tesla stellt Pläne zu Batteriefertigung in Brandenburg zurück
Von David Maiwald
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Mit Verlagerung der Batterieproduktion in die USA könnte Tesla voraussichtlich ein Drittel der Produktionskosten einsparen

Mit großen Steuerversprechen ruft die US-Regierung heimische Techkonzerne zurück ins Mutterland. Tesla hat offenbar schon angebissen. Der US-Elektroautobauer scheint seine geplante Batteriefertigung vom brandenburgischen Grünheide in die USA verlagern zu wollen. Wie das Wall Street Journal am 14. September berichtete, werde Tesla bei der Verfolgung der Pläne für die Fertigung von Batteriezellen in Brandenburg »pausieren«, um mit einer Produktion in den USA von Steuererleichterungen der US-Regierung profitieren zu können. Diese hatte US-Präsident Joseph Biden im August im Rahmen des Gesetzes zur Bekämpfung der Inflation (»Inflation Reduction Act«) in Kraft gesetzt. Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen auf Fördergeld der EU für die geplante Batterieproduktion auf dem Gelände der brandenburgischen »Giga­factory« verzichtet.

Am vergangenen Freitag drangen erstmals konkretere Aussagen zu den Plänen an die Öffentlichkeit, auch wenn Tesla auf Anfragen weiterhin nicht reagierte. Ein Bericht der Deutschen Presseagentur (dpa) bestätigte aber im wesentlichen den des Wall Street Journals: Das Unternehmen habe gegenüber Partnern in der Region Grünheide am Freitag klargestellt, es müsse wegen der Aussicht auf Fördermittel der US-Regierung Prioritäten setzen, und zwar »zunächst auf die USA«. Weiterhin werde aber eine Batteriefertigung in der Bundesrepublik geplant, hieß es. Erst im März hatte Tesla in der Fertigungshalle auf dem Werksgelände mit der Produktion der ersten Elektrofahrzeuge begonnen.

»Wir wären überhaupt nicht traurig, sollte die Batteriefertigung aus Brandenburg abziehen«, erklärte Thomas Löb am Freitag im Gespräch mit junge Welt. Das Kernproblem sei damit aber ohnehin nicht gelöst: »Die «Gigafactory» bleibt ja stehen«, so der Landesvorsitzende der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP). Der für die Batteriefertigung vorgesehene Komplex auf dem Gelände sei in den Plänen für das riesige Werk vorher ohnehin nie als Werkshalle für die Batterieproduktion ausgezeichnet gewesen. Es sei aber nicht unwahrscheinlich, dass Tesla an seinen Plänen in Brandenburg weiter festhalte, so Löb. Der Autobauer könne nun einige Jahre von den Förderungen der US-Regierung profitieren »und die Pläne für die Batterieproduktion dann leider auch hier umsetzen«. Von der herrschenden Politik wurde das Projekt »Gigafactory« in der Vergangenheit bereits bevorzugt behandelt.

Dort ist man durch die Pläne des Autobauers aufgeschreckt. Das Brandenburger Wirtschaftsministerium forderte am Freitag eine Reaktion der EU, weil das US-Gesetz zur Bekämpfung der Inflation zu einem Wettbewerbsnachteil in Europa führe. Die EU müsse »beihilferechtlich reagieren, um wieder Augenhöhe herzustellen«, zitierte dpa. Es erscheine jedoch möglich, dass »der Standort Grünheide im Aufbau und mit seinen Arbeitsplätzen so erhalten bleibt«, sagte Amtssprecherin Irene Beringer der Nachrichtenagentur.

Das US-Inflationsgesetz sieht Steuergutschriften für in den USA hergestellte und verpackte Batterien vor. Tesla diskutiere bereits die Verschiffung von Anlagen zur Herstellung von Batteriezellen, hatte das Wall Street Journal berichtet. Demnach könne Tesla bei der Batterieproduktion rund ein Drittel seiner Kosten einsparen. Nach Inkrafttreten des Gesetzes hatte der Autobauer texanischen Behörden mitgeteilt, einen eigenen Standort zur Herstellung von Lithiumhydroxid im US-Bundesstaat zu prüfen. Demnach könne der Baubeginn für die Raffinerie des für die Herstellung von Batterien wichtigen Rohstoffs noch in diesem Jahr erfolgen.

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