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Aus: Ausgabe vom 14.09.2022, Seite 7 / Ausland
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Orden für Kriegsprofiteure

Ukraine: Bayraktar von Selenskij gewürdigt. Kiew will Drohnen produzieren lassen
Von Matthias Monroy
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Modell einer »Bayraktar TB2«-Drohne auf einer Waffenausstellung in Kielce, Polen (5.9.2022)

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij hat dem Vorstandsvorsitzenden des türkischen Rüstungskonzerns Baykar Makina am Freitag den »Verdienstorden erster Klasse« verliehen. Die Auszeichnung ging an Haluk Bayraktar, den Bruder des türkischen Geschäftsmannes Selcuk Bayraktar. Die Firma der beiden produziert seit 2014 die gleichnamige Kampfdrohne »TB2«, die von immer mehr Staaten weltweit bestellt wird. Auch die Ukraine erhielt im vergangenen Jahr eine erste Lieferung, die Systeme wurden anschließend gegen den russischen Einmarsch eingesetzt. Dort haben sie zu Beginn des Krieges für Erfolge gesorgt, darunter etwa die Wiedereroberung der von Russland besetzten Schlangeninsel.

In der Ukraine hat die »Bayraktar TB2« Kultstatus, Nationalisten widmeten der Drohne sogar ein eigenes Lied. Darin werden die russischen Angreifer als »Orks« und Staatschef Wladimir Putin als »Unhold« bezeichnet. In Litauen, Norwegen, Polen und Kanada sowie in der Ukraine selbst haben Unterstützer schließlich Spendenkampagnen gestartet, um weitere »TB2« zu finanzieren. Baykar Makina entschloss sich daraufhin, eine zusätzliche Kampfdrohne gratis zu liefern.

Bei der Verleihung haben Selenskij und Bayraktar weitere Kooperationen besprochen. Baykar will ein Werk in der Ukraine eröffnen, um dort die »TB2« zu montieren. Nach eigenen Angaben hat der Rüstungskonzern nunmehr Verträge zur Lieferung der Kampfdrohne mit 24 Ländern geschlossen, darunter Katar, Kirgistan, Turkmenistan, Pakistan, Somalia, Marokko und zuletzt Serbien. Als erster NATO-Staat hat Polen die Drohne bestellt, in Rumänien muss die geplante Beschaffung noch vom Parlament genehmigt werden.

Nur wenige Staaten haben die Drohnen schon erhalten, denn mit 20 Stück pro Monat ist die Produktionskapazität von Baykar begrenzt. Einige Regierungen setzen sie aber auch schon ein, belegt ist dies etwa neben der Ukraine etwa für Aserbaidschan und zuletzt Äthiopien, wo die »TB2« im Inland Angriffe gegen die Separatisten in Tigray fliegt. Angesichts der hohen Nachfrage will Baykar die Produktion im kommenden Jahr verdoppeln.

Mit der »TB2« hat sich die Türkei auch im Bereich unbemannter Systeme als Rüstungs- und Militärmacht etabliert. Baykar will noch höher hinaus und hat unter dem Namen »Akinci« (»Räuber«) eine Langstreckendrohne mit zwei leistungsstarken Triebwerken entwickelt, die fast eine Tonne Munition transportieren kann. Ursprünglich sollten die Motoren für die »Akinci« in der Ukraine hergestellt werden, der Krieg hat diese Pläne durchkreuzt.

Unter dem Namen »Kizilelma« (»roter Apfel«) arbeitet Baykar außerdem mit staatlicher Unterstützung an einem unbemannten Kampfflugzeug, das 2023 seinen Erstflug absolvieren soll. Es ist tarnkappenfähig und soll eine Vielzahl von Militäraktionen durchführen können. Nach gegenwärtigen Plänen soll der »Kizilelma« auf dem Flugzeugträger »TCG Anadolu« stationiert werden. Der Drohnenflieger würde damit das US-Kampfflugzeug »F35« ersetzen, das eigentlich für die Luftwaffe beschafft werden sollte. Die Türkei wurde jedoch vor drei Jahren von der Regierung in Washington aus dem Programm ausgeschlossen, nachdem Präsident Recep Tayyip Erdogan den Kauf von Flugabwehrraketen aus Russland angekündigt hatte.

Neben mehreren »Kizilelma« will die Marine auch bis zu 50 Drohnen auf dem Flugzeugträger stationieren. Hierzu entwickelt Baykar Makina die Version »TB3« mit klappbaren Flügeln, damit sie platzsparend auf der »Anadolu« geparkt werden kann. So wird die Türkei nicht nur zur vierten Seemacht im Mittelmeer. Sie wäre auch das weltweit erste Land, das einen Flugzeugträger mit Kampfdrohnen bestückt.

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