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Aus: Ausgabe vom 12.09.2022, Seite 1 / Ausland
Krieg in der Ukraine

Ukraine auf Vormarsch

Kiew will schneller über schwere Waffen verfügen und hat große Gebiete zurückerobert
Von Ina Sembdner
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Aufgegebene russische Stellung in der Region Charkiw (11.9.2022)

Am Ortsausgang von Isjum hängt sie schon, die gelb-blaue ukrainische Flagge, auch im Stadtzentrum von Kupjansk. Die beiden Kleinstädte sind wie das zuvor von ukrainischen Truppen eroberte Balaklija wichtige strategische Orte im Osten der Ukraine. Innerhalb weniger Tage haben Kiewer Truppen riesige Gebietsabschnitte zurückerobert. Der ukrainische Generalstab sprach am Sonntag von mehr als 3.000 Quadratkilometern. Aus der ukrainischen Region Charkiw – Schauplatz der ukrainischen Gegenoffensive – sind nach russischen Angaben binnen 24 Stunden Tausende Menschen nach Russland geflohen. »Das war nicht die einfachste Nacht, das war nicht der einfachste Morgen«, sagte der Gouverneur der an die Ukraine grenzenden russischen Region Belgorod, Wjatscheslaw Gladkow, am Sonntag per Video im Onlinedienst Telegram.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow betonte am Sonntag erneut die Verhandlungsbereitschaft seiner Regierung. »Russland lehnt Verhandlungen mit der Ukraine nicht ab, doch je länger der Prozess hinausgezögert wird, desto schwerer wird es, sich zu einigen«, sagte er im Staatsfernsehen. Moskau macht Kiew für den seit Monaten andauernden Verhandlungsstopp verantwortlich.

Kiew fordert unterdessen nicht mehr nur »Waffen, Waffen, Waffen«, wie Außenminister Dmitro Kuleba am Sonnabend auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit seiner deutschen Amtskollegin Annalena Baerbock erklärte. Jetzt komme es auf die Frequenz der Lieferungen an. »Jeden Tag müssen in der Ukraine neue Waffensysteme mit Munition eintreffen. Das ist die Voraussetzung für den Sieg«, sagte Kuleba. Baerbock reagierte im Gegensatz zu anderen BRD-Politikern zurückhaltender. Sie erklärte zum Abschluss ihres Besuchs in Kiew: »So wie sich die Lage vor Ort verändert, so schauen wir auch immer wieder unsere Unterstützung an und werden weitere Schritte gemeinsam mit unseren Partnern besprechen.«

Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), plädierte am Sonntag erneut für die Lieferung von Kampf- und Schützenpanzern in die Ukraine.

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  • Leserbrief von Istvan Hidy aus Stuttgart (12. September 2022 um 12:32 Uhr)
    Die USA wollen nicht nur die Ukraine durch ihre propagandistisch verkündeten Gegenoffensive gegen Russland in eine starke diplomatische Verhandlungsposition bringen, sondern die Demokraten und Biden sich selbst! In den USA finden nämlich die äußert wichtigen Zwischenwahlen statt. Nicht umsonst war der US-Außenminister Blinken zu Besuch in Kiew, wo er persönlich in bester Hollywood-Manier eine Propaganda-Gegenoffensive einleitete. Die ganze Welt ist eine Bühne und wir alle sind nur die Darsteller. Putin der Sündenbock, Selenskij das Opferlamm. Auch wenn der ukrainische Präsident seine Rolle als neuer Erlöser der freien Welt spielt, sind aber Kreuzigung und Auferstehung im 21. Jh. selten der Fall ist. Trotzdem posaunen also alle Mainstreammedien, die wohl gar nicht wissen, dass die Ukraine eine Nachrichtensperre verhängte hat, über die großartigen Eroberungen als außenpolitische Scheinerfolge der US-Politik. Und das nennt man Journalismus. Es ist eine Märchenstunde!

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