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Aus: Ausgabe vom 19.08.2022, Seite 3 / Schwerpunkt
Westen provoziert Volksrepublik

China im Visier

Militärmanöver in Australien richten sich trotz scheinheiliger Beteuerungen gegen Beijing
Von Jörg Kronauer
AUSTRALIA-DEFENCE.JPG
Ein australischer Soldat während der größten maritimen Übung des Landes »Exercise Kakadu« im Norden Australiens

Gegen wen richten sich Manöver, bei denen führende NATO-Mächte gemeinsam mit ihren formellen Verbündeten in der Asien-Pazifik-Region – Japan, Südkorea, Australien, Neuseeland – das Eindringen in feindlich kontrollierte Lufträume und die Seekriegführung am oberen Ende des Eskalationsspektrums proben? Dumme Frage: natürlich nicht gegen Piraten in der Straße von Malakka oder gegen Aufständische in der indonesischen Provinz Papua, die weder Lufträume beherrschen noch ausgewachsene Seekriege führen können, sondern gegen das Land, gegen das es laut allerlei scheinheiligen Beteuerungen aus der Bundeswehr ganz gewiss nicht gehen soll – gegen China. Die von Australien organisierten Manöver »Pitch Black« und »Kakadu« stärken die westliche Militärpräsenz in der Asien-Pazifik-Region. Sie verbessern zudem die Fähigkeit der NATO sowie deren regionaler Verbündeter zu gemeinsamer Kriegführung – die sogenannte Interoperabilität.

Wie verhält es sich dabei mit denjenigen Staaten, die zwar an einem oder beiden Manövern teilnehmen, aber nicht zum formellen Bündnissystem der NATO gehören? Die Absicht der westlichen Mächte liegt auf der Hand: Es geht darum, sie möglichst eng in eine gemeinsame Front gegen China einzubinden. Dass derlei beileibe kein Selbstläufer ist, diese Erfahrung macht der Westen seit dem 24. Februar in anderem Kontext: Trotz härtesten Drucks beteiligt sich außerhalb des direkten westlichen Bündnissystems nur Singapur am Sanktionskrieg gegen Russland. Das Interesse des Stadtstaates, sich ernsthaft mit der Volksrepublik anzulegen – der dominanten Macht in der Region –, ist gelinde gesagt beschränkt. Kein Zufall also, dass die deutsche Luftwaffe auf dem Weg nach Australien in Singapur zwischengelandet ist, dass drei »Eurofighter« nach dem Abschluss ihrer Manöver in Australien mit Singapurs Luftstreitkräften Übungen abhalten wollen, dass einer der deutschen »Eurofighter«, der »Air Ambassador«, mit den Flaggen Australiens, Japans, Südkoreas und eben Singapurs verziert ist: Es handelt sich um den Versuch, die strategisch hochbedeutende Metropole fest einzubinden.

Und die anderen Manöverteilnehmer? Indien ist in Australien dabei. Es kooperiert im »Quad«-Pakt ohnehin eng mit den USA, Japan und Australien. Neu-Delhi weigert sich allerdings im Konflikt um Taiwan bisher, sich mit einseitiger Kritik an China auf die Seite des Westens zu schlagen. Laut Berichten aus Beijing werden indische Soldaten zudem vom 30. August bis zum 5. September – parallel zu »Pitch Black« – an Russlands Manöver »Wostok« teilnehmen, gemeinsam mit Militärs aus Belarus, der Mongolei, Tadschikistan und China. Indonesien wiederum hielt in der ersten Augusthälfte gemeinsam mit den US-Streitkräften und Soldaten aus elf weiteren Staaten das jährliche Großmanöver »Garuda Shield« ab. Allerdings führte es vor dem Ukraine-Krieg zuletzt auch gemeinsame Kriegsübungen mit Russland durch, und Thailand, das an »Pitch Black« ebenfalls beteiligt ist, hält aktuell ein zwölftägiges Luftwaffenmanöver mit China ab (»Falcon Strike 2022«). Selbst Singapur hat im Juni angekündigt, gemeinsame Manöver mit der Volksrepublik wieder aufnehmen zu wollen. Der Kampf um die Bündnisbildung in der Region ist noch längst nicht ausgekämpft.

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