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Aus: Ausgabe vom 20.08.2022, Seite 11 / Feuilleton
Tagebuch – In dieser großen Zeit

Die Kapelle spielt den Apocalypso

Von Pierre Deason-Tomory
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»Alexa! Mach mir mal bitte die sieben Plagen! Zeitgemäß« (Waldbrand im Harz)

Sonntag, 14. August

Nach dem Skandal um die zurückgetretene Medici-Fürstin Patricia Schlesinger werden in den ARD-Sendern die Dienstwagen gezählt. Interimsintendant Tom Buhrow hat eingeräumt, dass auch seine Limousine Massagesitze hat, aber die habe er nie benutzt. Er nimmt lieber den Helikopter. Beim Bayerischen Rundfunk wurden bei der Technikchefin gleich zwei Dienstwagen und zwei Chauffeure gefunden. Lässt darauf schließen, dass die CSU-Rundfunkfürsten nicht genug Helikopter und Piloten haben.

Finanzminister Lindner hat im ZDF-Sommerinterview erklärt, warum er Großverdienern mehr Steuern erlassen muss als Kleinverdienern. Seine Logik: Das Leben als Millionär ist sylthaft teuer, also braucht so einer mehr Geld. Die Armen sind im Vorteil, weil ihnen Reichtum erspart bleibt. Außerdem sind Reiche solidarisch. Der Merz zum Beispiel nimmt den Lindner manchmal in seinem Flieger mit, das machen seine Hausangestellten nie.

Montag, 15. August

Die Regierung hat eine Gasumlage verordnet, die kein Schwein bezahlen kann. Anstatt die Versorger zu übernehmen und die Versorgung sicherzustellen, sichert die Regierung deren Profite. Linke-Chef Martin Jerewan rief zu Demonstrationen auf und ließ im Vorstand nachfragen, ob jemand einen kennt, der weiß, wo steht, wie man so etwas früher organisiert hat.

Donnerstag, 18. August

Zu Corona, Krieg und Inflation gesellen sich Wetterzeichen. Wälder brennen, Flüsse trocknen aus, Megafluten drohen Küsten und Täler zu rasieren. Ist das Gottes Strafe für Gier, Ausbeutung und Dummheit?

Freitag, 19. August

(Neulich auf Wolke sechs, Block vier, dritter Aufgang)

Josef: Jesus! Was machst du gerade?

Jesus: Hausaufgaben. Ich übe, Blinde zu heilen.

Josef: Und? Klappt’s?

Jesus: Nein, der eine wurde davon taub und der andere lahm.

Josef: Hör zu, mein Sohn: Gott hat ausrichten lassen, wir sollen die Menschheit bestrafen. Kannst du schon das mit den sieben Plagen?

Jesus: Klar.

Josef: Gut, dann mach du das für mich. Schlag sie mit den sieben Stück à la Johannes, aber bitte zeitgemäß. Ich muss zum Stammtisch toter schwuler Tischler.

Jesus: Okay, tschüs, Dad. – Alexa! Mach mir mal bitte die sieben Plagen! Zeitgemäß.

Alexa: Sehr gerne. Bei Nummer eins steht: »Schlimme Geschwüre«. Sollen die Menschen Tätowierungen, Piercings oder Corona kriegen?

Jesus: Alles.

Alexa: So sei es. (Zonk.) Nummer zwei ist »Meerwasser wird zu Blut und Tod«, wir könnten das verstrahlte Wasser vom AKW Fukushima ablassen. (Zonk.) Drei: »Flüsse und Quellen werden zu Blut.« Da vergiften wir die Oder, oder? (Zonk.) Vier: »Sonne versengt Menschen«, hier ein paar Waldbrände, dort Ernteausfälle … (Zonkzonk.) Fünf: »Das Reich des Tieres wird verfinstert …«

Jesus: Mach in Deutschland das Licht aus. Und stell die Heizung ab.

Alexa: (Zonk.) Sechs: »Austrocknung des Stromes Euphrat …«

Jesus: Schon wieder was mit alten Flüssen?

Alexa: Steht da so drin. Nehmen wir doch einfach das Wasser aus dem Rhein raus. (Zonk.) Und als Schlusspunkt: »Erdbeben, Inseln vernichten, Hagel«. Ich schlage vor: Kriege überall, wir lassen die Südseeinseln absaufen und schicken Tornados und Atomraketen. (Megazonk, bums.)

Jesus: Vielen Dank, Alexa, wenn ich dich nicht hätte! Mein Vater Josef sagt, du kannst und weißt alles, weil du alle abhörst. Stimmt das?

Alexa: Josef ist nicht dein Vater.

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