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Aus: Ausgabe vom 18.08.2022, Seite 16 / Sport
Radsport

Noch einmal mit Methusalem

Transferirrsinn und hohe Berge: So wird die 77. Vuelta a España
Von Janusz Berthold
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Natürlich im Mittelpunkt: Alejandro Valverde zieht zum Abschied alle Blicke auf sich

Die letzte Grand Tour des Rennjahres 2022 steht an: Die 77. Austragung der Vuelta a España startet am morgigen Freitag in Utrecht. Nachdem dieses Jahr bereits der Giro d’Italia in Ungarn und die Tour de France in Dänemark gestartet waren, treibt es die Spanienrundfahrt anno 2022 in die Niederlande. Über die Sinnhaftigkeit, eine Landesrundfahrt durch fremde Gefilde zu führen, lässt sich trefflich streiten. Dabei ist es durchaus begrüßenswert, wenn sich die renommierten Rennen öffnen. Gerne grenznah. Wird doch so einem noch breiteren Publikum dieser wundervolle und spannende Radsport nähergebracht. Wenn jedoch, wie aktuell bei den drei großen Landesrundfahrten, wegen des Auslandsabstechers ein Transfer über 1.300 Kilometer und mehr nötig ist, ist das kaum vertretbar.

Die Vuelta beginnt mit einem Mannschaftszeitfahren über 23,3 Kilometer in Utrecht. Damit wird eine Tradition aus den frühen 2000ern wiederbelebt. Das letzte Mannschaftszeitfahren sahen wir 2019 an den Salinas (Salzseen) von Torrevieja. Mit der Disziplin werden Teams mit überwiegend guten Zeitfahrern bevorzugt. Dazu gehören in der Regel vor allem die Anwärter auf den Gesamtsieg. Für das Mannschaftszeitfahren dürfte sich also das Team Jumbo-Visma, die Mannschaft von Titelverteidiger Primoz Roglic, bereits in Position bringen. Denn der Slowene will nach seinem vorzeitigen Ausstieg aus der Tour de France unbedingt wieder das Rote Trikot der Spanienrundfahrt nach Madrid tragen. Er kann mit vier Gesamtsiegen den Rekord des Spaniers Roberto Heras einstellen. Ob der ehemalige Skispringer Roglic überhaupt antreten würde, war lange unklar. Nach seinem kapitalen Sturz auf der Kopfsteinpflasteretappe der Tour de France quälte sich der 32jährige noch zehn weitere Tage durch das Rennen und musste dann doch schmerzgeplagt aufgeben. Wie schwer Roglics Verletzungen wirklich waren, klärte sein Team nie auf. Gerüchten zufolge soll er mit zwei gebrochenen Wirbeln unterwegs gewesen sein.

Insgesamt führt die diesjährige Vuelta über 3.280 Kilometer und acht Bergankünfte. Nach dem Mannschaftszeitfahren und zwei Flachetappen in den Niederlanden folgt der absurde Megatransfer des gesamten Rundfahrttrosses. Am kommenden Montag, dem ersten Ruhetag, geht es per Flugzeug ins knapp 1.300 Kilometer entfernte Baskenland. Auf den drei Etappen durch die autonome Region, mit Bilbo (Bilbao) als Zielort der fünften Etappe, werden umgehend die Kletterfähigkeiten der Protagonisten getestet. Die erste harte Prüfung wartet am Anstieg zum Pico Jano während der 6. Etappe kommenden Donnerstag. Nur zwei Tage später geht es zum Colláu Fancuaya. Die beiden Anstiege in Kantabrien und Asturien stehen zum ersten Mal auf dem Vuelta-Etappenplan. Nach dem zweiten Ruhetag wird das einzige Einzelzeitfahren ausgetragen, über flache 30,9 Kilometer nach Alicante. Um aber den Startort im valencianischen Elx (Elche) zu erreichen, ist ein erneuter 1.000-Kilometer-Transfer vorgesehen. Irrsinn, das alles. Übrigens wird im Zuge der gesamten Vuelta das Peloton faktisch nach jeder Etappe herumgekarrt, einzig das baskische Bilbo ist in guter Tradition Ziel- und am nächsten Tag auch Startort.

Die Entscheidung über den Gesamtsieg fällt, wie gewöhnlich, in den Bergen. Nach dem individuellen Kampf gegen die Uhr geht es in der zweiten Rennwoche Schlag auf Schlag. Die Steigerungsfahrt auf den ­immer anspruchsvoller werdenden Etappen kulminiert am Sonntag vor dem zweiten Ruhetag mit dem 2.512 Meter hohen Alto de la Hoya in der Sierra Nevada.

Mit dem Ausgang der 77. Vuelta a España wird der Spanier Alejandro Valverde, Vuelta-Sieger von 2009, vermutlich nichts zu tun haben. Der 42jährige wird bei der Spanienrundfahrt sein letztes großes Etappenrennen bestreiten. Der Methusalem des Profiradsports steht auf seiner Abschiedstour in der Heimat unweigerlich im Mittelpunkt. Im letzten Jahr musste er nach einem spektakulären Sturz einen Abhang hinab das Rennen unter Tränen vorzeitig aufgeben. So tritt ein Altmeister nicht ab.

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