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Aus: Ausgabe vom 18.08.2022, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Obsolete Obsoleszenz

Zu jW vom 15.8.: »Reparatur statt Neukauf«

Dieser Artikel ist sehr gut recherchiert! Ich bin gelernter Radio- und Fernsehtechniker und habe in der DDR Industrieelektronik studiert, was heute als Automatisierungselektronik bezeichnet wird. Seit vielen Jahren bin ich im Ausbildungsbereich tätig. Mittlerweile wird unserem fachtechnischen Nachwuchs nur noch fragmentarisch das physikalisch-elektrotechnische Grundwissen vermittelt, welches als Voraussetzung für erfolgreiche Reparaturen unentbehrlich ist. Ein Berufsleben als »Teilewechsler« ist damit vorprogrammiert! Ein klassisches Beispiel ist der Beruf des Mechatronikers. Bei selbigem soll das komplexe Themenfeld der Elektronik in der Hälfte der Zeit vermittelt werden. Jedem Fachmann ist klar, dass das zu einer Verflachung des Wissensschatzes führt. Die im Artikel angeführte geplante Obsoleszenz geht noch viel weiter! Man könnte durch kleine elektronische Veränderungen in den Leuchtmitteln deren Lebensdauer auf nahezu »unendlich« heraufsetzen. Bei vielen Geschirrspülern befindet sich die Steuerungselektronik in Bereichen, welche vom warmen Dampf umgeben sind. Die sogenannten Steuerungseinheiten in Waschmaschinen müssen höchst selten komplett ausgetauscht werden. Mitunter liegen die Kosten des defekten Bauteils im Cent-Bereich! Natürlich passt all das zur beabsichtigten Profitsteigerung. Der Kunde wird durch die Werbestrategen in einen Zustand versetzt, in welchem er gar nicht mehr willens ist, seine elektrotechnischen Geräte reparieren zu lassen. Ich verfüge über ein kleines »Nostalgiezimmer«, in dem sich funktionsfähige Geräte mit Baujahr 1990 und früher befinden. Unser erster Waschvollautomat wurde meinerseits solange repariert, bis er »rostbedingt« auseinanderfiel. Der Beitrag liefert ein sehr schönes Anschauungsbeispiel, wie konträr sich wirtschaftliche Interessen und technischer Fortschritt gegenüberstehen. Elektroschrott kann schließlich kostengünstig in Afrika entsorgt und dann noch als Entwicklungshilfe deklariert werden!

Detlev Schulz, Gaggenau

Statt Maschinenpistolen besser Stühle

Zu jW vom 10.8.: »Getötet mit fünf Schuss«

Mir fiel die Meldung vom Juni vorigen Jahres aus Würzburgs Innenstadt wieder ein. Ein Mann, der tatsächlich gefährlich war (anders als der 16jährige Mouhamed Dramè) und mutmaßlich drei Menschen erstochen hatte, wurde nicht von der Polizei unschädlich gemacht. Das Auf-ihn-Einreden half nicht mehr. Vielmehr ergriffen Passanten Stühle, warfen diese auf den mit dem Messer drohenden Mann, hielten die Stühle wie Schilde und bedrängten ihn, um ihn schließlich zu überwältigen. Mehrere Passanten mit sog. Migrationshintergrund übergaben den Messerstecher der Polizei. Ministerpräsident Söder dankte denen, die weiteres Unglück verhinderten. Das Opfer von Dortmund war offenbar weit weniger gefährlich – und musste sterben. Vielleicht sollten Polizeiautos statt MPs hölzerne Stühle mit sich führen? Und ausländerfeindliche Polizisten sollten sich ein Beispiel an migrantischen Mitbürgern nehmen. Ja, es waren Mitbürger mit sog. migrantischem Hintergrund. Und es war ein deutscher Innenminister namens Herbert Reul (CDU), der angeordnet hat, dass alle nordrhein-westfälischen Polizeiwagen MPs mit sich führen.

Ulrich Sander, Dortmund

Profite mit der Gesundheit

Zu jW vom 13./14.8.: »Unter Druck«

Die Situation bei Vivantes (wie im deutschen Gesundheitswesen überhaupt) beweist nachdrücklich: Das Profitmotiv kann organisieren, aber auch desorganisieren. Kapital kann in hoher Geschwindigkeit aufbauen, es kann aber auch in höchstem Tempo zerstörend wirken. Es wird nicht reichen, dem mit der zahnlosen Forderung begegnen zu wollen, die Politik möge das Gesundheitswesen aus dem Bereich der Kapitalverwertung herausnehmen. Das Kapital, in dessen Interesse die Politik zu handeln hat, wird diesen Bereich nie wieder hergeben. Denn die Profite, die sich aus Krankheit, Not und Leid herausschlagen lassen, sind viel zu hoch, um künftig freiwillig auf sie zu verzichten.

Joachim Seider, Berlin

Vorbereitungen

Zu jW vom 13./14.8.: »Die nackten Knochen«

Olaf Scholz spricht: Ach, in Herbst und Winter, da wird es keine Demonstrationen oder Volksaufstände geben. Ähnlich sprach er vor dem G20-Gipfel in Hamburg, als er ankündigte, das Treffen der G20 werde kaum ein Hamburger merken, das werde wie der Hafengeburtstag. Das spricht doch für einen unterirdischen Kenntnisstand. In Hamburg war dieser Tage das Camp »System Change«: Bei einer Fahrt durch die riesigen Hafenanlagen konnte man beobachten, dass an allen systemrelevanten Punkten, an Brücken (z. B. der Köhlbrandbrücke) und auf weiteren Straßen Polizeiposten eingerichtet wurden. Ich denke, sie üben schon mal.

Joachim Rauh, Hamburg

Ein schlechter Witz

Zu jW vom 13./14.8.: »Kiew probt den Super-GAU«

»Selenskij warnt Europa vor nuklearer Gefahr«, heißt es auf tagesschau.de am 14. August 2022. Nicht nur, dass Selenskij erneut die Russen beschuldigt, gleichzeitig gibt er zu, dass die ukrainische Armee das Atomkraftwerk Saporischschja beschießt: »Jeder russische Soldat, der das AKW beschieße oder sich dort verschanze, werde zum Ziel ukrainischer Geheimagenten und der Armee, so Selenskij.« Vor dem Hintergrund, dass die ukrainische Armee täglich das Gelände des größten Kernkraftwerks Europas beschießt, wahrlich ein schlechter Witz. (…) Mit dem Beschuss des Atomkraftwerks und der Warnung vor einer nuklearen Katastrophe will Selenskij offensichtlich weitere Unterstützung von Europa erpressen. (…) Wegen solch drittklassiger Selbstdarsteller sterben in der Ukraine täglich Hunderte Menschen, und Tausende werden verletzt. Das Ganze wird von Regierungen in Europa und den USA auch noch tatkräftig unterstützt.

Lothar Böling, Düren

Das Kapital wird das Gesundheitswesen nie wieder hergeben. Denn die Profite, die sich aus Krankheit, Not und Leid herausschlagen lassen, sind viel zu hoch, um künftig freiwillig auf sie zu verzichten.

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Bernd R. aus Rostock (20. August 2022 um 23:53 Uhr)
    Ein russischer Insider erklärt umfangreich, wie der Krieg in der Ukraine für Russland verläuft. Unterm Strich sieht es nicht sehr gut aus. Die Stärke der ukrainischen Armee wurde unterschätzt. Die massiven Waffenlieferungen durch den Westen an die Ukraine zeigen durchaus Wirkung. In Russland gibt es Probleme in der Waffenproduktion. Die Zahl der gefallenen Soldaten ist hoch. Eigentlich könnte die NATO jetzt sagen, okay wir brauchen nicht mehr aufrüsten. Russland ist nicht so stark wie angenommen. Aber da ist ja noch China mit seiner riesigen Armee. Also wird es immer so weitergehen.