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Aus: Ausgabe vom 16.08.2022, Seite 8 / Ansichten

Buddy des Tages: Peter Tschentscher

Von Michael Merz
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Peter Tschentscher

In der politischen Landschaft gibt es wohl kaum ein Gewächs, das noch farbloser ist als Olaf Scholz. Es sei denn, es handelt sich um Hamburgs Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher – ein Aufreger ist höchstens die Aussprache seines Nachnamens. Und hat man diese erst mal zungenbrecherisch bewältigt, ist er auch schon wieder vergessen. Alles Strategie: Nur nicht auffallen, bloß nicht konkret werden, immer schön camouflierend unterwegs sein. Das macht den Unterschied zur beispielsweise österreichischen Spezlwirtschaft, in der ständig auf die Kacke gehauen wird. Im reichen Hamburg geht das viel unauffälliger vonstatten, Understatement nennen sie’s.

Klar, dass bei so viel Grau das Erinnerungsvermögen schwer getrübt wird. In dieser Woche noch soll der jetzige Bundeskanzler erneut vor dem Hamburger Untersuchungsausschuss zur Cum-Ex-Steueraffäre aussagen. Es geht um die jüngere Vergangenheit in den Jahren 2016 und 2017: seine Treffen mit den Warburg-Bank-Gesellschaftern Christian Olearius und Max Warburg, eine Spende der Bank an den SPD-Kreisverband Hamburg-Mitte und unrechtmäßige Steuererstattungen in Höhe von 47 Millionen Euro. In vorauseilendem Gehorsam sprang Peter Tschentscher bereits am Montag seinem alten Kumpel bei und machte gleich mal klar, was da von den Scholz-Aussagen am Freitag zu erwarten ist: Ein Gedächtnis, das ein Kopf wie ein Sieb nun mal hat. Es sei schließlich Jahre her, »da kann man sich nicht an alle Einzelheiten von Gesprächen erinnern«, sagte Tschentscher Bild gegenüber. Nun braucht Scholz im Zeugenstand eigentlich gar nicht mehr anzutreten. Alles ist gesagt. Ein Detail interessiert dann doch noch bezüglich der ominösen Treffen mit den Bankern. War sein damals getragenes Sakko nun mausgrau, staubgrau oder asphaltgrau? Scholz wird’s sicher ganz genau wissen.

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