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Aus: Ausgabe vom 15.08.2022, Seite 15 / Politisches Buch
Forschungen zur Arbeiterbewegung

Mitunter bizarr

Zwiespältiger Lektüreeindruck: Neues Heft der Zeitschrift Arbeit – Bewegung – Geschichte
Von Cristina Fischer
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Pfingsttreffen des Roten Frontkämpferbundes in Berlin (ohne Datum)

Die Zeitschrift Arbeit – Bewegung – Geschichte widmet ihr aktuelles Heft dem Thema Antifaschismus. Als Anlass für die Wahl des Schwerpunktes (laut Editorial »Der ursprüngliche Antifaschismus bis 1945«) bezeichnet die Redaktion die Gründung der Antifaschistischen Aktion vor 90 Jahren, im Mai 1932. Als erste bekannte explizit antifaschistische Organisation gelten die im Jahr 1921 entstandenen »Arditi del Popolo« in Italien, die sich gegen den Straßenterror der faschistischen Schwarzhemden wehrten. Vergleichsweise unbekannte frühe Antifaschisten stellt der Beitrag über die »Veteranenbewegung in Griechenland 1922–1926« von Giorgos Chraniotis (Universität Thessaloniki) vor.

Sara Ann Sewell von der Universität Virginia (USA) behandelt in ihrem Beitrag die kommunistische Trauerkultur in Deutschland 1931/1932. Ihr Fazit klingt bizarr: »Kommunistisch-antifaschistische Beerdigungen waren politische Spektakel, bei denen AktivistInnen Straßen und Friedhöfe eroberten, um die Gefallenen zu ehren und die Trauernden politisch zu aktivieren. (…) Die Beerdigungen der Getöteten boten die perfekte Bühne, um Hingabe, Treue und Solidarität zu erzeugen.« Dabei setzt die Autorin nach den Vorgaben der Totalitarismusdoktrin die primäre Gewalt der Nazis mit den Aufrufen zur antifaschistischen Gegenwehr gleich.

Marion Keller (Frankfurt am Main) konzentriert sich in ihrem interessanten Beitrag über Rote Studentengruppen an deutschen Universitäten 1930 bis 1933 (als Volltext online) auf die Gruppe in Frankfurt am Main, die zuletzt von der späteren Fotografin Gisèle Freund geleitet wurde. Keller hebt besonders den Anteil der jungen Frauen hervor.

Inhaltlich schließt sich daran ein Bericht über die Tagung der Stiftung Bauhaus Dessau vom 10./11. Februar 2022 an, bei der es hauptsächlich um die Zeitschrift der Kommunistischen Studentenfraktion (Kostufra) am Bauhaus Dessau und Berlin 1930 bis 1932 ging.

Phillip Becher und Katrin Becker (Siegen) stellen den britischen Politiker Richard Acland (1906–1990) vor, der sich in den 30er Jahren vom privilegierten Gutsbesitzer und Liberalen zum radikalen Antifaschisten und religiösen Sozialisten wandelte. Der Gründer der Common Wealth Party, später Mitglied der Labour Party, betrachtete das Privateigentum als wesentliche Ursache für die faschistische Entwicklung in verschiedenen europäischen Ländern und propagierte in seinen Schriften die Schaffung von Gemeineigentum durch Verstaatlichung.

In der Rubrik »Geschichtskultur« informieren Thomas Altmeyer über den Studienkreis Deutscher Widerstand 1933–1945 (»55 Jahre Forschen, Erinnern, Vermitteln«) und Bernd Hüttner über die Ausstellung »Karl Marx und der Kapitalismus« im Deutschen Historischen Museum Berlin (noch bis 21. August). Auf über 40 Seiten sind außerdem zahlreiche Rezensionen zu Büchern, die sich zumeist mit der Zeit zwischen 1918 und 1945 befassen, abgedruckt.

Insgesamt bleibt ein zwiespältiger Lektüreeindruck zurück. Das zweite Heft zum Thema Antifaschismus, diesmal für die Zeit nach 1945, ist für September geplant.

Arbeit – Bewegung – Geschichte. Zeitschrift für historische Studien. Metropol, Berlin 2022 (Nr. 2/2022), 245 Seiten, 14 Euro

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