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Aus: Ausgabe vom 15.08.2022, Seite 8 / Ansichten

Sprachgenie des Tages: Stephan von Dassel

Von Klaus Fischer
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Lokalpolitik gilt als langweilig. Geht da einmal etwas schief, ist die Aufregung zwar auch groß, betrifft aber weniger Leute, als wenn beispielsweise im Bund wieder mal suboptimal regiert wurde. Gemeinsam ist beiden Skandalvarianten, dass die Verursacher bei der Bereinigung der »Vorgänge« meist deutlich kreativer sind als in ihrem Job. Ein gutes Beispiel liefert aktuell Stephan von Dassel (Bündnis 90/Die Grünen).

Der Gute ist Bezirksbürgermeister in Berlin und hatte offenbar den dringenden Wunsch, einen Parteifreund aus seinem Wahlkampfteam als leitenden Mitarbeiter im Bezirksamt zu installieren, wie der Tagesspiegel herausfand. Dumm nur, dass es einen zweiten Bewerber für die Stelle »Leiter des Steuerungsdienstes« gab. Und der klagte – was bei Herrn Dassel anscheinend eine gewisse Unrast zur Folge hatte. Es galt ja schließlich, einen Hauptstadtbezirk – oder besser den Hauptstadtbezirk Berlin-Mitte – angemessen zu verwalten. Eine juristische Auseinandersetzung kann da durchaus stören.

Also prüfte der Bezirkschef (Berlin-Mitte hat rund 386.000 Einwohner und beherbergt die wichtigsten Regierungsinstitutionen des Bundes), wie er den stockenden Vorgang beschleunigen – oder klären – könnte. Leider musste von Dassel seine erste Idee, den unerwünschten Konkurrenten mit einer Art monetärer Abfindung aus Steuergeldern zur Zurücknahme seiner Klage zu bewegen, aufgeben. Er nannte das laut Bericht eine »vom Bezirksamt initiierte außergerichtliche« Einigung.

Also versuchte es von Dassel mit Privatgeld. Dem Vernehmen nach ging es um 16.000 Euro, die er dem Mitbewerber im Rahmen einer »privatrechtliche Einigung zwischen uns« zukommen lassen wollte. Warum der Deal platze, ist nicht ganz klar. Klar allerdings ist, dass »eine privatrechtliche Einigung« deutlich besser klingt, als »Schmiergeld«.

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