Jetzt drei Wochen gratis lesen.
Gegründet 1947 Freitag, 30. September 2022, Nr. 228
Die junge Welt wird von 2651 GenossInnen herausgegeben
Jetzt drei Wochen gratis lesen. Jetzt drei Wochen gratis lesen.
Jetzt drei Wochen gratis lesen.
Aus: Ausgabe vom 15.08.2022, Seite 7 / Ausland
Streit um Staudamm

Stausee füllt sich

Weitere Turbine in Wasserkraftwerk in Äthiopien in Betrieb genommen
Von Gerrit Hoekman
Grand_Ethiopian_Rena_55588809.jpg
Damals nur Baustelle: Der Staudamm in Äthiopien am 25. November 2017

Der Grand Ethiopian Renaissance Dam (GERD) am Blauen Nil sorgt immer wieder für Ärger im Sudan und in Ägypten, den Anrainern am Unterlauf des Flusses. Am Freitag teilte die Regierung in Addis Abeba mit, die dritte Phase des Auffüllens des Stausees sei abgeschlossen, meldete Reuters. Mit dem 3,9 Milliarden Euro teuren Staudammprojekt will Äthiopien der größte Stromexporteur auf dem Kontinent werden.

Der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed nahm am Donnerstag die zweite Turbine des größten Wasserkraftwerks in Afrika offiziell in Betrieb. »Im Vergleich zum vergangenen Jahr haben wir eine Höhe von 600 Metern erreicht, was 25 Meter höher ist als die vorherige Füllung«, sagte Ahmed laut dem arabischen TV-Sender Al-Dschasira. Er wird noch einige Male bei der Inbetriebnahme von Turbinen erscheinen dürfen – am Ende sollen es 13 sein. Im Moment erzeugt das Kraftwerk 750 Megawatt Strom. Wenn alle Turbinen laufen, werden es 6.500 Megawatt sein. Zum Vergleich: Das leistungsstärkste deutsche Wasserkraftwerk in Goldisthal in Thüringen erzeugt nur ein Sechstel dieser Menge.

»Wir haben den flussabwärts gelegenen Ländern, insbesondere Ägypten und Sudan, wiederholt gesagt, dass wir durch die Stromerzeugung unsere Wirtschaft entwickeln und unseren Bürgern, die im Dunkeln leben, Licht geben wollen«, zitierte die Nachrichtenagentur AFP aus Ahmeds Rede. »Es ist nicht unsere Absicht, diese Länder ins Abseits zu drängen und ihnen zu schaden.«

Der Sudan und Ägypten betrachten den 145 Meter hohen und 1,8 Kilometer langen Staudamm als eine ernste Gefahr für die eigene Wasser- und Stromversorgung. Ende Juli legte Ägypten beim UN-Sicherheitsrat erneut schriftlich Protest ein. In dem Schreiben betonte Außenminister Samih Schukri, Äthiopien verstoße klar gegen die 2015 von den drei Staaten unterzeichnete Grundsatzerklärung und die geltenden Regeln des Völkerrechts, berichtete die ägyptische Tageszeitung Al-Ahram in ihrer englischen Onlineausgabe. »Ägypten wird keine Beeinträchtigung seiner Rechte oder der Sicherheit der Wasserversorgung oder eine Bedrohung der Möglichkeiten des ägyptischen Volkes dulden, für das der Nil die einzige Lebensader darstellt«, so Schukri. Ägypten mit seinen mehr als 100 Millionen Menschen ist einer der wasserärmsten Staaten der Welt und vollständig vom Nil abhängig.

Der Sudan will die trilateralen Verhandlungen mit Ägypten und Äthiopien unter der Schirmherrschaft der Afrikanischen Union ebenfalls fortsetzen. Die Gespräche stocken jedoch seit April 2021. Äthiopien hat ohne Einigung das Befüllen des Stausees vor drei Jahren begonnen. Der Sudan beobachte die Auswirkungen auf seine kleinen Dämme am Nil sehr genau, sagte ein hochrangiger sudanesischer Beamter am Donnerstag gegenüber der Sudan Tribune.

Einer von ihnen ist der 1961 gebaute Roseires-Damm, der nur 15 Kilometer flussabwärts vom GERD entfernt liegt. »Khartum würde die notwendigen Maßnahmen ergreifen, wenn die Aktion (die Befüllung des Staudamms, jW) die Sicherheit des Roseires-Damms gefährden oder die Bewässerung landwirtschaftlicher Projekte, die Stromerzeugung aus Wasserkraft oder andere Nutzungen beeinträchtigen würde«, erklärte Mustafa Hussein, Leiter des sudanesischen, technischen Verhandlungsteams, dem Nachrichtenportal Sudan Tribune. Welche Maßnahmen das sein könnten, ließ er offen.

Äthiopien ist jedoch der Meinung, der Damm nutze den unteren Anrainern sogar. »Er ermöglicht uns, in Harmonie zu leben. Es ist bekannt, dass der Damm die Sedimentation verhindert und damit den Verlust von Wohlstand und Menschenleben in den flussabwärts gelegenen Ländern aufgrund von Überschwemmungen reduziert«, sagte Ahmed laut Ahram online am Freitag. Der GERD werde die drei Länder verbinden, so wie der Nil sie vier Jahrtausende verbunden habe.

Abbas Sharaky, Professor für Geologie und Wasserwirtschaft an der Universität von Kairo, nennt den Stausee bei Ahram online jedoch eine »Wasserbombe«, weil Äthiopien das ursprünglich geplante Fassungsvermögen von 11,1 Milliarden Kubikmeter Wasser auf 74 Milliarden erhöht hat. Die geologischen Bedingungen rund um den Damm seien instabil. Das gefährde vor allem das Leben von mehr als 20 Millionen Menschen im Sudan, die an den Ufern des Nils leben.

Drei Wochen kostenlos lesen

Die Tageszeitung junge Welt stört die Herrschenden bei der Verbreitung ihrer Propaganda. Sie bezieht eine aufklärerische Position ohne Besserwisserei und wirkt durch Argumente, Qualität, Unterhaltsamkeit und Biss.

Überprüfen Sie es jetzt und testen die junge Welt drei Wochen lang (im europäischen Ausland zwei Wochen) kostenlos. Danach ist Schluss, das Probeabo endet automatisch.

Ähnliche:

  • Quelle des Konflikts in Ostafrika: Die Grand-Ethiopian-Renaissan...
    08.07.2021

    Der Pegel steigt

    Äthiopien befüllt weiter den GERD-Staudamm. Sudan und Ägypten protestieren
  • Krieg in Gaza war das wichtigste Thema auf der Konferenz der Ara...
    17.06.2021

    Gipfel in Katar

    Situation in Gaza und Streit um Nil-Staudamm: Treffen der Außenminister der Arabischen Liga
  • Kostbares Nass, von dem Ägypten nach wie vor den Großteil für si...
    03.11.2020

    Petition gegen Trump

    Äthiopien gegen Kriegshetze und Parteinahme des US-Präsidenten für Ägypten

Mehr aus: Ausland