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Aus: Ausgabe vom 13.08.2022, Seite 1 / Titel
Krieg in der Ukraine

Kiew probt den Super-GAU

AKW in Saporischschja: Russland begrüßt mögliche IAEA-Inspektion, Ukraine lehnt ab. Warnungen vor Katastrophe
Von Knut Mellenthin
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Russland will die Entmilitarisierung des größten AKW-Komplexes in Europa unterstützen (4.8.2022)

Moskau lehnt die Übergabe des AKW-Komplexes Saporischschja an die ukrainischen Behörden ab. Die Anlage war am vorigen Wochenende und am Donnerstag mit Artillerie und Raketen beschossen worden. Beide Seiten machen sich gegenseitig für die Angriffe verantwortlich. Eine unabhängige Untersuchung der Vorfälle hat bisher nicht stattgefunden und wird anscheinend von den westlichen Verbündeten der Regierung in Kiew auch gar nicht gewünscht.

Indessen ist offensichtlich, dass Russland keinen logischen Grund hat, das Atomkraftwerk anzugreifen, das seit März von seinen Soldaten kontrolliert wird. Auf der anderen Seite entsprechen Provokationen dem Stil der ukrainischen Nationalisten. Sie wollen nicht nur den Waffenstrom aus den NATO-Staaten in ununterbrochenem Fluss halten, sondern stehen auch unter Zeitdruck. Der Bürochef von Präsident Wolodimir Selenskij, Andrij Jermak, sprach am Donnerstag von dem Zwang, »maximale Maßnahmen zu ergreifen, um den aktiven Teil des Krieges bis Ende Herbst zu beenden«, vor Beginn der kalten Jahreszeit. Außerdem werde die angestrebte Rückeroberung der mehrheitlich von einer russischsprachigen Bevölkerung bewohnten Gebiete immer schwieriger, je länger sich bewaffnete Ortskräfte und militärische Einheiten aus Russland dort aufhalten.

Die Lage in Saporischschja, dem größten AKW-Komplex in Europa, ist brisant. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) verlangt seit Monaten, dort gemäß dem Vertrag über die Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen eine Inspektion vornehmen zu können. Während Russland dieser Forderung nicht nur zugestimmt hat, sondern geradezu auf den baldigen Besuch einer IAEA-Delegation in Saporischschja drängt – am liebsten noch vor Ende August –, lehnen alle zuständigen ukrainischen Stellen bis hinauf zur Regierung in Kiew kategorisch ab. Eine Inspektion zum jetzigen Zeitpunkt und unter den gegenwärtigen Voraussetzungen würde, so lautet ihre Begründung, den Aufenthalt russischer Truppen in der Anlage und ihrer Umgebung legitimieren. Nach russischer Darstellung war ein Kontrollbesuch der IAEA, dessen Leitung Generaldirektor Rafael Grossi selbst übernehmen wollte, im Juni schon einmal konkret vereinbart und verabredet, sei dann von der Sicherheitsabteilung des Sekretariats der Vereinten Nationen verhindert worden.

Vor diesem Hintergrund fand am Donnerstag (Ortszeit) eine von Russland geforderte Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats statt. Die Vertreterin der USA, Staatssekretärin Bonnie Denise Jenkins, verlangte den Abzug aller russischen Streitkräfte aus der gesamten Ukraine als Voraussetzung einer IAEA-Inspektion in Saporischschja und als Sofortmaßnahme die Schaffung einer »entmilitarisierten Zone« rund um den AKW-Komplex. Die Vertreter der anderen westlichen Staaten schlossen sich ihr an. Schon am Mittwoch hatten die Außenminister der G7-Staaten Russland aufgefordert, die Anlage »unverzüglich wieder der vollständigen Kontrolle der Ukraine zu unterstellen«.

Moskau hat indes verlautbart, einem Abzug seines Militärs aus dem Atomkraftwerk zuzustimmen, jedoch die Kontrolle behalten zu wollen. »Das ist eine vernünftige Forderung mit der Entmilitarisierung des AKW Saporischschja, ich denke, wir werden das unterstützen«, sagte der Vizechef des Außenausschusses im russischen Parlament, Wladimir Dschabarow, am Freitag der Agentur Interfax zufolge. Das russische Außenministerium warnte, dass eine Fortsetzung der ukrainischen Angriffe auf Saporischschja zu einer Katastrophe führen könne, die den Atomunfall von Tschernobyl 1986 bei weitem übertreffen würde.

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  • Leserbrief von Lothar Böling aus Düren (16. August 2022 um 11:30 Uhr)
    Bemerkenswert, was so alles verbreitet wird. »Selenskij warnt Europa vor nuklearer Gefahr«, heißt es bei tagesschau.de am 14.08.2022. (Siehe: https://www.tagesschau.de/ausland/ukraine-russland-krieg-atomkraftwerk-saporischja-selenskyj-sanktionen-101.html) Nicht nur, dass Selenskij erneut die Russen beschuldigt, gleichzeitig gibt er zu, dass die ukrainische Armee das Atomkraftwerk Saporischschja beschießt: »Jeder russische Soldat, der das AKW beschieße oder sich dort verschanze, werde zum Ziel ukrainischer Geheimagenten und der Armee, so Selenskij.« Wie aufschlussreich! Vor dem Hintergrund, dass die ukrainische Armee täglich das Gelände des größten Kernkraftwerks Europas beschießt, wahrlich ein schlechter Witz. Offenbar wurde mit der Ernennung Selenskijs zum Präsidenten in Kiew der Bock zum Gärtner gemacht. Will doch die US-Marionette Selenskij, mit dem Beschuss des Atomkraftwerks und der Warnung vor einer nuklearen Katastrophe, offensichtlich weitere Unterstützung von Europa erpressen. Wahrlich, was für ein toller »Menschenfreund« und »Diener des Volkes«, dieser Exkomiker Selenskij! Wegen solch drittklassiger Selbstdarsteller sterben in der Ukraine täglich Hunderte Menschen und Tausende werden verletzt. Und das Ganze wird von Regierungen in Europa und den USA auch noch tatkräftig unterstützt.
  • Leserbrief von René Osselmann aus Magdeburg (15. August 2022 um 12:37 Uhr)
    Keiner weiß, wer es in Saporischschia wirklich war, ob Russland oder Ukraine! Aber wer Atomkraftwerke beschießt, nimmt einen nuklearen Krieg auch in Kauf und eine verstrahlte Region über viele Jahrzehnte bis Jahrhunderte! Aber es klingt wirklich unlogisch, dass Russland ein Atomkraftwerk beschießt, was es selbst unter Kontrolle hat und hier sei dann zu fragen, ob der Westen wirklich gut beraten ist, der ukrainischen Regierung weiter das Wasser zu reichen? Wer Atomkraftwerke ins Visier nimmt, der würde auch einen Atomkrieg in Kauf nehmen, ohne Sinn und Verstand.
  • Leserbrief von Holger K. aus Hessen (12. August 2022 um 23:22 Uhr)
    Hitler ersann eine Selbstzerstörung seines Reiches, in dem er den Nerobefehl erließ. Vielleicht sinnt das Kiewer Regime Ähnliches, wenn es denn militärisch in die Niederlage getrieben wird.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum (12. August 2022 um 23:18 Uhr)
    Wenn man schon die Verfügungsgewalt über das Kraftwerk hat, könnte man es auch abschalten und so wenigstens einen GAU verhindern. Das strahlende Zeug bliebe natürlich gefährlich, könnte sich aber nicht mehr »selbstständig« machen.
    • Leserbrief von Reinhard Hopp aus Berlin (15. August 2022 um 16:50 Uhr)
      Die größte Gefahr geht von den europäischen NATO-Ländern aus, deren Regierungen in unfassbarer USA-Ergebenheit diese totale Existenzbedrohung ihrer Völker unmittelbar vor ihrer Haustüre einfach regungslos hinnehmen, statt diese faschistische USA-Marionette in Kiew samt seiner destruktiven »Asow«-Bande endlich unschädlich zu machen.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Erich Rainer K. aus Potsdam (12. August 2022 um 20:26 Uhr)
    Eigentlich eine sinnvolle und theoretisch einfach durchzuführende Maßnahme. Was spräche denn dagegen, wenn die IAEA auch ohne Zustimmung der ukrainischen Nationalisten ihre Kontrollen durchführen würden? Russland kontrolliert das AKW, insofern, wo ist das Problem? Das Problem ist, dass die IAEA eben kein unabhängiges Kontrollgremium mit eigener Entscheidungsbefugnis ist. Ein UN-Gremium, in dem die USA alles verhindern, was von ihren Marionetten in Kiew verlangt wird. Und wie »zuverlässig« diese Marionetten-Regierung ist, sieht man an dem unverantwortlichen Beschuss des Kraftwerkes durch die UA-Armee.

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