Jetzt drei Wochen gratis lesen.
Gegründet 1947 Donnerstag, 29. September 2022, Nr. 227
Die junge Welt wird von 2651 GenossInnen herausgegeben
Jetzt drei Wochen gratis lesen. Jetzt drei Wochen gratis lesen.
Jetzt drei Wochen gratis lesen.
Aus: Ausgabe vom 11.08.2022, Seite 8 / Ansichten

Kühles Pretoria

US-Außenminister in Afrika
Von Arnold Schölzel
RTRMADP_3_USA-SAFRICA.JPG
Antoinette Sithole besucht mit US-Außenminister Antony Blinken das Denkmal für ihren als Schüler ermordeten Bruder Hector Pieterson (Soweto, 7.8.2022)

Der Westen hat es schwer, z. B. in Südafrika. Das enthielt sich zusammen mit 16 weiteren Staaten des Kontinents bei der Verurteilung Russlands am 3. März in der UN-Vollversammlung der Stimme und lässt sich davon nicht abbringen. Auch nicht von der Überzeugung, dass der westliche Wirtschaftskrieg an hohen Getreidepreisen und globaler Ernährungskrise schuld ist, nicht Moskau. Olaf Scholz erfuhr bei seiner Afrika-Reise im Mai: Die denken wie die deutsche Bevölkerung.

Da muss dringend nacherzogen werden. Nun ist US-Außenminister Antony Blinken unterwegs in Südafrika, der Demokratischen Republik Kongo und Ruanda. Am Montag flötete er zum Auftakt in Pretoria: »Unsere Strategie beruht auf der Erkenntnis, dass Subsahara-Afrika eine wichtige geopolitische Kraft ist – eine Kraft, die unsere Vergangenheit geprägt hat, die unsere Gegenwart prägt und die unsere Zukunft prägen wird.« Nun ja. Was die Vergangenheit angeht, ist in Südafrika unvergessen, wer unter Führung der USA das Apartheidregime jahrzehntelang stützte und die mit Israel entwickelte Atombombe tolerierte. Was die Zukunft angeht, herrscht dort Selbstbewusstsein. Zwar schütteln Armut, Arbeitslosigkeit und Stromsperren das Land, aber mit seinen jetzt gut bezahlten Rohstoffexporten sprudeln die Steuern, wurde aus dem Leistungsbilanzdefizit ein satter Überschuss.

Kein Wunder, dass die ohnehin coole südafrikanische Außenministerin Naledi Pandor Blinken mit einem frostigen Artikel in der Onlinetageszeitung Daily Maverick empfing. Sie nannte dort das vom US-Kongress am 27. April verabschiedete Gesetz H. R. 7311 zur »Bekämpfung des bösartigen Einflusses und der Aktivitäten der Russischen Föderation und ihrer Stellvertreter in Afrika« eine »beispiellose Aktion« und exemplarisch »für ein erstaunliches ›Was kommt jetzt?‹«. Im Klartext: von wegen regelbasiert. Mit der Aktion, so Pandor weiter, sollten »Länder in Afrika bestraft werden, die sich im Krieg zwischen Russland und der Ukraine nicht an die Linie gehalten haben.« Pandor nannte Beispiele dafür, was dem passiert, der sich auf den Westen verlässt, etwa das Verweigern von Impfstoffen in der Coronapandemie. Die EU breche ihre Handelsregeln sofort, wenn es z. B. um Zitrusfruchtimporte aus Südafrika geht. Hinzu kämen »große Anstrengungen, um die Entwicklungsländer zu spalten«. Und schließlich: »Genauso wie das ukrainische Volk sein Territorium und seine Freiheit verdient, verdient auch das palästinensische Volk sein Territorium und seine Freiheit.« Das Herangehen sei aber anders.

Vor allem letzteres wiederholte sie bei der gemeinsamen Pressekonferenz in Pretoria. Und fügte hinzu: Insbesondere von den Partnern in Europa komme »bevormundende Schikane – ›Entweder – oder‹«. Meinte sie Scholz und Co.? Die Kriegsbesoffenen müssen jedenfalls wieder von außen zur Räson gebracht werden. Kühle in Afrika ist da sehr hilfreich.

Drei Wochen kostenlos lesen

Die Tageszeitung junge Welt stört die Herrschenden bei der Verbreitung ihrer Propaganda. Sie bezieht eine aufklärerische Position ohne Besserwisserei und wirkt durch Argumente, Qualität, Unterhaltsamkeit und Biss.

Überprüfen Sie es jetzt und testen die junge Welt drei Wochen lang (im europäischen Ausland zwei Wochen) kostenlos. Danach ist Schluss, das Probeabo endet automatisch.

Ähnliche:

  • Würde Ländern am liebsten ihre Außenpolitik diktieren: Kanzler S...
    27.05.2022

    Absage an Scholz

    Bundeskanzler buhlt in Südafrika vergeblich um Unterstützung gegen Russland. Berlin will mehr Kohle importieren
  • Bundeskanzler Olaf Scholz mit Südafrikas Staatschef Cyril Ramaph...
    25.05.2022

    »Zeitenwende« in Afrika

    Scholz in Südafrika: Ramaphosa kritisiert Sanktionen gegen Russland. Engere wirtschaftliche Zusammenarbeit vereinbart

Mehr aus: Ansichten