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Aus: Ausgabe vom 11.08.2022, Seite 3 / Schwerpunkt
Enteignungspraxis

Gold- und Flugzeugklau: Wie der Westen mit Venezuelas Staatseigentum umspringt

Von Volker Hermsdorf
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»Gebt das Flugzeug zurück«: Demonstration in Caracas am 9. August 2022

Aus Sicht Venezuelas verhalten sich die USA und ihre Verbündeten trotz kleinerer Lockerungen der Sanktionen wie moderne Raubritter. So forderte das US-Justizministerium am 3. August die argentinische Regierung auf, eine Boeing 747 der venezolanischen Empresa de Transporte Aerocargo del Sur (Emtrasur) zu beschlagnahmen, die auf einem Flughafen in Buenos Aires abgestellt ist, weil angeblich gegen US-Ausfuhrkontrollgesetze verstoßen wurde. Fünf Tage zuvor hatte der Oberste Gerichtshof Großbritanniens der Regierung in Caracas den Zugriff auf 31 Tonnen der Goldreserven des Landes verweigert, die bei der Bank of England gelagert werden.

»Sie wollen unser Flugzeug stehlen, so wie sie vorhaben, unser Gold zu rauben«, warf Staatschef Nicolás Maduro den USA und Großbritannien vor. Die Flugzeugaffäre belastet mittlerweile auch die Beziehungen zwischen Caracas und Buenos Aires. »Wir sind sehr wütend über das, was in Argentinien passiert«, zitierte die Orinoco Tribune am Dienstag aus einer Fernsehansprache Maduros vom Vortag. »Sollte Argentinien eine US-Blockade durchsetzen?«, hatte die argentinische Tageszeitung Página 12 schon am Donnerstag vergangener Woche gefragt. Das Ersuchen des US-Justizministeriums bringe das Land »in ein ernsthaftes politisches Dilemma; nicht nur mit dem Iran, sondern vor allem mit Caracas«, warnte die Zeitung. Das Frachtflugzeug der staatlichen Gesellschaft Emtrasur hatte Anfang Juni nur einen Zwischenstopp auf dem internationalen Flughafen Ezeiza in Buenos Aires einlegen und die Hauptstadt noch am selben Tag wieder verlassen wollen. Doch die Besatzung des Jumbos wurde verhaftet. Der Flugkapitän war als ehemaliger Kommandeur des Korps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) identifiziert worden. Da Washington die IRGC als »terroristische Organisation« einstuft, verlangt das US-Justizministerium, dass die 36 Jahre alte Boeing 747 in die USA geflogen wird, um sie wegen Verstößen gegen die US-Ausfuhrkontrollgesetze zu konfiszieren. Die USA behaupten, dass der ursprünglich von Air France an den Iran verkaufte Jumbo beschlagnahmt werden müsse, weil er ohne Genehmigung Washingtons von Mahan Air an Emtrasur übergeben worden war. Das verstoße gegen US-Gesetze.

Für Venezuela ein Affront. »Wir haben keine Angst vor Sanktionen und Aggression des US-Imperialismus, welches Gesicht er auch zeigen mag«, schimpfte Maduro am Montag. Von der Regierung in London verlangte er den Zugriff auf das venezolanische Gold, das für Ausgaben im Gesundheitswesen und soziale Projekte eingeplant sei. Caracas will den Erlös aus dem Verkauf an das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) überweisen, das damit den Erwerb von Medikamenten und Hilfsgütern zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie organisieren soll. Das britische Gericht hatte jedoch der Forderung des von Washington unterstützten Oppositionellen Juan Guaidó nachgegeben, der sich Anfang 2019 selbst zum Interimspräsidenten erklärt hatte und Anspruch auf die bei der Zentralbank in London deponierten Goldreserven erhebt.

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