Dein Abo für den heißen Herbst!
Gegründet 1947 Sa. / So., 1. / 2. October 2022, Nr. 229
Die junge Welt wird von 2651 GenossInnen herausgegeben
Dein Abo für den heißen Herbst! Dein Abo für den heißen Herbst!
Dein Abo für den heißen Herbst!
Aus: Ausgabe vom 10.08.2022, Seite 8 / Ansichten

Diskriminierungsopfer des Tages: Thilo Sarrazin

Von Jan Greve
8_portrait.jpg
Das Gesicht zur deutschen Sozialdemokratie: Thilo Sarrazin

Was für ein unwürdiges Schauspiel: Seit geraumer Zeit müssen wir Sozialdemokraten dabei zusehen, wie sie um etwas ringen, das sie für Haltung halten. Wie konnte nur irgend jemand ernsthaft glauben, Frieden in Europa könne mit dem Russen gelingen? Nachdem die bürgerliche Journaille die Fotos der SPD-Westentaschendiplomaten rauf und runter präsentiert hatte, die es in den vergangenen Jahren gewagt hatten, Putin die Hand zu schütteln, sorgte Sozen-Scholz für den Befreiungsschlag: Seine Regierung richtet die Panzerrohre gen Osten und gelobt transatlantische Treue.

Happyend? Von wegen: »Genosse Gas-Gerd«, wie Springers Speerspitze mit den vier Buchstaben Exkanzler Schröder betitelt, schießt quer. Da war er doch wirklich neulich wieder in Moskau und behauptete danach, so etwas wie Frieden durch Verhandlung sei möglich. Logische Konsequenz: raus mit ihm aus der SPD! Nur geht das nicht so einfach. Die Schiedskommission im SPD-Unterbezirk Region Hannover vermochte es jedenfalls nicht. Fortsetzung droht.

Für die passende Begleitmusik sorgt nun einer, den man in dieser Gemengelage nicht auch noch gebraucht hätte: Thilo Sarrazin. Der 2020 nach einem unwürdigen Schauspiel (hat das in der SPD etwa System?) aus der Partei Geschmissene heulte sich am späten Montag gegenüber Bild darüber aus, dass Schröder noch Genosse ist: »Entweder die SPD ist vollständig moralfrei oder sie glaubt, dass ein islamkritisches Buch schlimmer zu bewerten ist als die Unterstützung für einen brutalen Diktator wie Putin.« Der Verfasser vollkommen unverfänglicher Rassismusfibeln hebt den Zeigefinger: Hier werde »mit zweierlei Maß gemessen«.

Meine Güte: Sollen sie alle in der SPD bleiben. Dort lässt sich doch Menschenverachtung vorbildlich mit Geschäftemacherei verbinden. Nur eine Bitte: Dabei bitte möglichst würdevoll auftreten. Danke.

Dein Abo für den heißen Herbst!

in Zeiten der sozialen Verwerfungen braucht es ein Korrektiv, das die Propaganda der Herrschenden in Wirtschaft und Politik aufzeigt. Deshalb: jetzt das jW-Abo abschließen!

  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Erich Rainer K. aus Potsdam (10. August 2022 um 17:20 Uhr)
    Geht es noch peinlicher und menschenverachtender? Nun wird sogar T. Sarrazin gegen Schröder in Stellung gebracht. Schlimm genug, dass dieser Typ einmal Mitglied der SPD sein durfte. Jetzt, nachdem Schröder es gewagt hatte, eine Verhandlungslösung zur Beendigung des Ukraine-Konflikts vorzuschlagen, sind sich die staatstragenden Medien nicht zu schade, den ausgewiesenen Rassisten und notorischen Verfechter rassenbiologischer Verschwörungstheorien zu Wort kommen zu lassen.
    • Leserbrief von Reinhard Hopp aus Berlin (11. August 2022 um 08:31 Uhr)
      Welche hehren Grundsätze soll denn die SPD aufgegeben haben? Hatte sie jemals welche? Und wenn ja, hat sie jemals danach gehandelt? Ihre Parteigeschichte seit dem 04. August 1914 bis in die »Ampel«-Gegenwart ist durchgehend eine einzige Serie aus Prinzipienlosigkeit, Opportunismus, Privilegiengeilheit und Verrat.

Mehr aus: Ansichten