Jetzt drei Wochen gratis lesen.
Gegründet 1947 Donnerstag, 29. September 2022, Nr. 227
Die junge Welt wird von 2651 GenossInnen herausgegeben
Jetzt drei Wochen gratis lesen. Jetzt drei Wochen gratis lesen.
Jetzt drei Wochen gratis lesen.
Aus: Ausgabe vom 08.08.2022, Seite 8 / Ansichten

Friedensfreund des Tages: Wacken-Besucher

Von Peter Merg
imago0164131408h.jpg
Profitip Löschanlage: Wacken Wasteland Warriors gegen Militarismus

Was machen mit Altmetall? Keine Frage für Metalheads: zerknüppeln natürlich! Das dachte sich wohl auch ein unbekannter Besucher des diesjährigen Wacken Open Airs beim Anblick eines Panzers. Der sollte beim mythenumrankten Heavy-Metal-Festival im Kreis Steinburg in Schleswig-Holstein für die Bundeswehr werben. Mit einem »Karrieretreff« versuchte die Truppe, dort volltrunkene Kuttenträger für den Dienst an der Waffe zu begeistern. Da durfte man sich nicht nur von uniformierten Menschenfängern gegen die Hitze abspritzen lassen oder in Olivgrün tischkickern, sondern auch schon einmal im Transportpanzer probesitzen. Eine gute Gelegenheit für praktischen Antimilitarismus, erkannte ein Anonymus, der, kaum Platz genommen, nicht den Schmiedehammer auspackte, sondern – weit eleganter – die Halon­löschanlage des stählernen Ungetüms auslöste. Eine schöne Sauerei, die Chemiekeule soll im Normalfall Bränden durch Panzerbrechendes beikommen. Kostenpunkt: 15.000 Euro.

Die überrumpelten Werber konnten sich des in aller Seelenruhe getürmten Friedensfreunds nur grob entsinnen: 1,85 Meter habe er wohl gemessen, ein europäisches Aussehen aufgewiesen (was auch immer das heißen mag) und neben einem schwarzen Wacken-Shirt noch kurze Shorts und eine verspiegelte Sonnenbrille getragen. Der verdächtige Personenkreis dürfte sich damit auf überschaubare 60.000 der 83.400 Besucher beschränken. Ob die Polizei umgehend damit begann, bei den Festivalbesuchern nach Brandspuren im Bart zu suchen, ist nicht bekannt. Auch dass die Cap des Mannes das Logo der Band Motörhead zeigte, dürfte kaum weiterhelfen. Vielleicht ging es dem Namenlosen auch nur schlicht um Rock ’n’ Roll – but we like it, like it, yes, we do!

Drei Wochen kostenlos lesen

Die Tageszeitung junge Welt stört die Herrschenden bei der Verbreitung ihrer Propaganda. Sie bezieht eine aufklärerische Position ohne Besserwisserei und wirkt durch Argumente, Qualität, Unterhaltsamkeit und Biss.

Überprüfen Sie es jetzt und testen die junge Welt drei Wochen lang (im europäischen Ausland zwei Wochen) kostenlos. Danach ist Schluss, das Probeabo endet automatisch.

Mehr aus: Ansichten