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Aus: Ausgabe vom 06.08.2022, Seite 7 / Kapital & Arbeit
Fremdwährungen

Schlag gegen Schwarzmarkt

Kuba führt neue Wechselkurse ein und erhofft sich höhere Deviseneinnahmen. Spekulanten haben das Nachsehen
Von Volker Hermsdorf
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Wichtiger geldpolitischer Schritt: Stärkung der heimischen Währung Peso (Havanna, 21.10.2013)

Seit Donnerstag gibt es in Kuba wieder einen staatlichen Devisenmarkt. Der ermöglicht es kubanischen Bürgern und Besuchern, Fremdwährungen zu einem attraktiven Wechselkurs gegen Peso (CUP) zu tauschen. Nach Mitteilung der kubanischen Zentralbank (BCC) zahlen Banken und staatliche Wechselstuben (Cadeca) jetzt 122 CUP für einen Euro, für Schweizer Franken gibt es 125 CUP. Der offizielle Kurs zum US-Dollar wurde von bislang 24 auf 120 zu eins festgelegt. Die Gebühren betragen einheitlich zwei, beim Verkauf von US-Dollar allerdings acht Prozent. Zunächst können zu diesen Konditionen nur ausländische Währungen in kubanische Pesos gewechselt werden. Später sei auch der seit 2020 eingestellte Verkauf von Devisen an die Bevölkerung wieder vorgesehen, erklärte Wirtschaftsminister Alejandro Gil Fernández.

Bar- und Buchgeld

Das Ziel der Maßnahme bestehe unter anderem darin, einen Anreiz für Besucher und Einheimische, die ausländisches Bar- oder Buchgeld erhalten, zu schaffen, dieses bei staatlichen Stellen in die nationale Währung zu tauschen. »Heute kommen Devisen (der Begriff ist weiter gefasst und beinhaltet z. B. auch Guthaben auf Banken im Ausland; jW) ins Land, die nicht vom nationalen Finanzsystem erfasst werden, sondern auf anderen informellen Märkten zu einem höheren Wechselkurs gehandelt werden. Deshalb müssen wir Entscheidungen treffen, um diese Devisen (im wesentlichen umfasst das ausländisches Bargeld) einzufangen und sie im Sinne der Nachhaltigkeit der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung Kubas zu investieren«, zitierte die KP-Zeitung Granma den Minister am Mittwoch.

Die Logik besage, dass der Staat »mehr Devisen kaufen sollte, als er verkauft, und dass dieses positive Ergebnis in die Wirtschaft investiert wird und das Angebot an Waren und Dienstleistungen verbessert wird, die in CUP gehandelt werden, so dass ein weiterer Anreiz zum Umtausch besteht«, erklärte Minister Gil Fernández. Er wies darauf hin, dass die neuen Wechselkurse nur für Privatpersonen gelten, während es für Betriebe und Unternehmen beim Kurs von eins zu 24 bleibe. Wie die Präsidentin der Zentralbank BCC, Marta Sabina Wilson González, ergänzend erklärte, gelten die günstigeren Umtauschbedingungen auch für alle natürlichen Personen, die in Kuba Konten in frei konvertierbarer Währung (MLC) oder entsprechende MLC-Karten besitzen. Überweisungen aus dem Ausland würden von der Bank ebenfalls zum besseren Kurs in Landeswährung ausbezahlt. Vorerst sind derartige Transaktionen nur direkt an den Schaltern der Bankfilialen möglich. Es werde aber bereits daran gearbeitet, auch die Geldautomaten und elektronischen Plattformen umzustellen, kündigte die Zentralbankchefin an.

Tricksereien beim Umtausch

Für Kubaner und Touristen ist die Ankündigung eine gute Nachricht. Gäste, die im Hotel zum Kurs von eins zu 24 gewechselt hatten, waren frustriert, wenn ihnen auf dem informellen Markt bessere Konditionen angeboten wurden. Betrügern und Spekulanten, die sich in der Vergangenheit an ahnungslosen Besuchern bereichert hatten – und dem Staat somit die dringend benötigten Devisen vorenthielten –, wird nun aber eine äußerst lukrative Einnahmequelle genommen. Illegale Straßenhändler, die in der vergangenen Woche zwischen 100 und 110 CUP für einen Dollar oder Euro gezahlt hatten, hoben ihre »Tarife« am Freitag bereits auf den offiziellen BCC-Kurs an. Da in den vergangenen Monaten oft über Tricksereien beim illegalen Umtausch und Falschgeld berichtet wurde, werden viele ausländische Gäste – aber auch Kubaner – ihre Devisen künftig lieber bei Banken und den Cadecas einwechseln. »Kuba führt Krieg gegen den Schwarzmarkt«, kommentierte die spanische Nachrichtenagentur Efe die neuen Maßnahmen.

Auch einige aus dem Ausland finanzierte Contra-Publikationen, die bisher als einzige »Referenz« für die aktuellen Schwarzmarktkurse galten, verlieren an Einfluss. Dazu gehören unter anderem die aus den USA verwaltete Facebook-Seite »La Hora de Cuba«, die in der Dominikanischen Republik betreute Seite »Avenida Cuba Divisas« und das mit Hilfe der holländischen Regierung aufgebaute, seit 2017 von einer polnischen NGO betriebene Internetportal »El Toque«. Zusammen mit anderen Akteuren hätten diese Medien die Inflation durch »willkürlich manipulierte« Wechselkursangaben und »falsche Informationen« künstlich angeheizt, kritisierte Granma schon am 26. Januar. Damit ist nun Schluss. Interessierte können sich seit Donnerstag an den in kubanischen Medien veröffentlichten BCC-Wechselkursen orientieren, statt an Angaben dubioser ausländischer Quellen.

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