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Aus: Ausgabe vom 06.08.2022, Seite 6 / Ansichten

Ex-ARD-Chefin des Tages: Patricia Schlesinger

Von Klaus Fischer
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RBB-Intendantin Patricia Schlesinger

Seit Wochen zeichnen ARD und Rundfunk Berlin Brandenburg (RBB) für das Sommertheater 2022 verantwortlich. Allerdings unfreiwillig. Thema: Hat RBB-Chefin Patricia Schlesinger ihre Ämter als ARD-Vorsitzende und RBB-Intendantin ein wenig zu feudalistisch interpretiert oder nicht? Je nach Standpunkt der Gebühren zahlenden Konsumenten dürfte die Bewertung unterschiedlich ausfallen. Inzwischen zeichnet sich in der Blase des Mainstreamjournalismus jedoch eine Art Konsens ab: Die Dame kann weg.

Am Donnerstag abend quälte sich der RBB eine Mitteilung ab. Inhalt: Schlesinger ziehe sich vom ARD-Vorsitz zurück. Hey, aber Intendantin des RBB wolle sie bleiben. Den Versuch war es wohl wert. Aber inzwischen hat sich die »Kolleg(inn)en«-Meute zur Jagd entschlossen. Und Schlesingers Absicht, im Amt zu verbleiben, dürfte als Wunschdenken in Erinnerung bleiben.

Ausgelöst hatte den Fall das Onlinemedium Business Insider Ende Juni, als es das Geschäftsgebaren der Intendantin untersuchte – sicherlich nicht ohne »Insider«-Hilfe. Freihändig vergebene Beraterverträge im Zusammenhang mit einem neuen Protzbau des RBB spielten da ebenso eine Rolle wie private Essen mit Geschäftspartnern – die Rechnung ging an den Sender. Auch von Kungelei mit dem RBB-Chefkontrolleur war die Rede – der gleichzeitig Chef der landeseigenen Berliner Messe GmbH ist und ihr zu einem erklecklichen Gehalt von 303.000 Euro p. A. verholfen hatte. Während sich Schlesinger also ein 16prozentiges Gehaltsplus genehmigen ließ, wurde bei den freien Mitarbeitern kräftig gekürzt.

Jetzt wird alles noch »untersucht«, natürlich von einer »unabhängigen« Institution – hier eine Anwaltskanzlei. Aber das sind Rückzugsgefechte. Für ARD und RBB ist der Schaden bereits eingetreten: Ein weiteres Stück Vertrauensverlust bei den braven und gewöhnlich folgsamen Gebührenzahlern.

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