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Aus: Ausgabe vom 06.08.2022, Seite 4 / Inland
Explosive Altlasten

Panzer zu Löschfahrzeugen

Berlin: Großbrand im Grunewald bis auf Sperrkreis um Sprengplatz unter Kontrolle. Feuerwehr und Polizei rücken mit Spezialmaschinen vor
Von Marc Bebenroth
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Amtshilfe der Armee: Spezialfahrzeuge der Bundeswehr am Freitag in Berlin nahe der Brandstelle

Angesichts extremer werdender Dürreperioden rächt es sich für das Land Berlin nun, am Standort für die Kampfmittelbeseitigung festgehalten zu haben. Mit Panzern und Kettenfahrzeugen haben sich die Einsatzkräfte dem Brandherd im Grunewald genähert. Die meisten Flammen des in der Nacht zum Donnerstag ausgelösten Großbrandes waren am Freitag gelöscht. Doch der in einem Radius von einem Kilometer abgesperrte Sprengplatz der Berliner Polizei war auch mehr als 24 Stunden nach Beginn des Feuers zu gefährlich.

Am Vormittag sammelte ein Sprengmeister der Polizei mit einem Bundeswehr-Bergepanzer erste Eindrücke auf dem Gebiet, wie Feuerwehrsprecher Thomas Kirstein laut Nachrichtenagentur dpa sagte. Erst nach der Auswertung und einer Lageeinschätzung werde entschieden, ob Brandbekämpfer den Sperrkreis betreten dürfen. Die Feuerwehr betonte, für die Einsatzkräfte sei dieser Brand der herausforderndste und gefährlichste in der Nachkriegsgeschichte.

Auf dem Gelände des Sprengplatzes lagerten laut Polizei rund 30 Tonnen Kampfmittel und Munition aus dem Zweiten Weltkrieg sowie mehrere Hundert Kilogramm beschlagnahmter Feuerwerkskörper. Die Polizei wollte erneut ihren Hubschrauber über das Gebiet fliegen lassen. Tankwagen der Feuerwehr und Wasserwerfer der Polizei brachten Wasser. Zwei der zur Aufstandsbekämpfung angeschafften Wasserkanonen des Typs WAWE 10 steuerte die Polizei in Mecklenburg-Vorpommern bei, wie der NDR am Freitag berichtete.

Löschhubschrauber der Bundeswehr kamen auch am Freitag nicht zum Einsatz. Über wie viele die Truppe verfügt und wie einsatzbereit sie sind, darüber mache man »aus Gründen der militärischen Sicherheit keine Angaben«, erklärte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums auf jW-Anfrage. Fünf Maschinen waren am Freitag demnach für Löscharbeiten in der Sächsischen Schweiz eingesetzt, »ein CH-53 der Luftwaffe sowie fünf NH-90 des Heeres«.

Im Grunewald bleibt die Frage nach dem Auslöser für das insgesamt auf eine Fläche von knapp 50 Hektar ausgedehnte Feuer vorerst unbeantwortet. Die Brandbekämpfung habe Vorrang vor den Ermittlungen zur Brandursache, sagte Polizeipräsidentin Barbara Slowik am Freitag dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB). Der Sprengplatz sei gut gesichert, behauptete sie. Es gebe Zäune, Überwachungstechnik und rund um die Uhr einen Objektschutz mit Personal vor Ort. »Das Gelände ist mit Brandmeldeanlagen ausgestattet, verfügt über eine mehrere Meter breite Brandschutzschneise und sieht eine Dauerberegnung der gelagerten Kampfmittel vor«, hatte die Polizei am Donnerstag mitgeteilt.

Der Sprengplatz ist seit 1950 in Betrieb. Aktuell sei es »die einzige genehmigungsfähige Anlage auf Berliner Grund«, sagte Slowik dem RBB. In Brandenburg seien laut Polizei Flächen geprüft worden, »diese konnten jedoch keine vergleichbaren Lagerkapazitäten bieten«, behauptete die Behörde am Donnerstag. Zu dieser Prüfung liegen dem Innenministerium in Potsdam keine Informationen vor, erklärte ein Sprecher am Freitag auf jW-Anfrage. »Gespräche über eine mögliche Zusammenarbeit bei der Kampfmittelbeseitigung zwischen Brandenburg und Berlin hat es Anfang der 2000er Jahre gegeben.« Doch Berlin habe sich für eine eigenständige Beseitigung entschieden. Beide Länder stünden »im fortlaufendem Austausch« insbesondere im Zusammenhang mit Aus- und Fortbildungsmaßnahmen, die auch Maßnahmen auf den Sprengplätzen beinhalten. »Nun wird es neue Gespräche geben, wir werden sehen, was sie bringen«, meinte Berlins Polizeichefin im RBB.

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