Dein Abo für den heißen Herbst!
Gegründet 1947 Friday, 7. October 2022, Nr. 233
Die junge Welt wird von 2651 GenossInnen herausgegeben
Dein Abo für den heißen Herbst! Dein Abo für den heißen Herbst!
Dein Abo für den heißen Herbst!
Aus: Ausgabe vom 05.08.2022, Seite 5 / Inland
Agrarpolitik

Staubtrocken und wasserarm

Bayern: Bauernverband legt Positionspapier zu Hitze- und Dürreperiode vor – und fordert finanzielle Soforthilfen. Landespolitiker aus der Opposition reagieren
Von Oliver Rast
Niedrigwasser_in_der_74573644.jpg
Schwer gezeichnet: Sandbank an der Donau bei Niedrigwasser (Mariaposching, 20.7.2022)

Die Lage ist akut, die Forderungen sind klar. Der Bayerische Bauernverband (BBV) erwartet finanzielle Soforthilfen seitens des Freistaats für schwer von Trockenheit und Hitze betroffene Betriebe. Eigens dafür legte der BBV am Mittwoch ein Positionspapier vor. Demnach sei die Landwirtschaft in Bayern, speziell in Franken, stark gezeichnet durch die wochenlange Dürreperiode – »trotz weiterentwickelter, ressourceneffizienter Anbaumethoden und veränderter Fruchtfolgen«. Die Schäden auf Äckern, Wiesen und Weiden seien für die Höfe teils immens.

Allein, Soforthilfen reichen dem BBV nicht, können nur die aktuellen Folgen von Niederschlagsmangel und hohen Temperaturen mildern. Es bedürfe zudem einer »langfristigen und wirksamen Trockenheitsstrategie, denn der Trend der Jahresdurchschnittstemperaturen in den letzten zwei Jahrzehnten ist besorgniserregend«. Dazu gehörten laut Bauernverband unter anderem: Züchtung trockenheitsresilienter Pflanzen, beschleunigte Zulassungsverfahren für robuste Sorten, umweltverträgliche Bewässerungssysteme und nachhaltiges Wassermanagement für die hiesige Nahrungsmittelerzeugung. Und nicht zuletzt müsse für die ab 2023 in Bayern geplante, staatlich unterstützte Mehrgefahrenversicherung für Äcker, Grünland und Sonderkulturen (Hopfen, Obst- und Weinanbau) »das Trockenheitsrisiko verbindlicher Bestandteil sein«. Kombiniert mit einer »steuerfreien Risikorücklage« im Steuerrecht.

Forderungen mit Wirkung, erste Landespolitiker schalten sich ein. Soforthilfen bei Extremwitterung seien für Landwirte eine Lösung, »um Ernteausfälle zumindest monetär auszugleichen oder Futterzukauf zu ermöglichen«, sagte Ruth Müller (SPD) am Donnerstag zu jW. Das ändere indes nichts daran, dass bei Ertragseinbußen der »Grad der Eigenversorgung« in Bayern sinke, ergänzte die landwirtschaftspolitische Sprecherin ihrer Landtagsfraktion. Bei Obst und Gemüse liege die Selbstversorgerquote bereits bei unter 50 Prozent. Tendenz weiter fallend. Eine Trendumkehr, wie kann die gelingen? Müller: »Wir müssen für mehr Vielfalt beim Anbau und der Erzeugung von Lebensmitteln sorgen, um unabhängiger zu werden.«

Als »dramatisch« bezeichnete ferner die Sprecherin für Landwirtschaft und Ernährung von Bündnis 90/Die Grünen im Bayerischen Landtag, Gisela Sengl, die Agrarsituation in vielen Regionen der sieben Regierungsbezirke Bayerns. Hinzu kommt: Die Gefahr von Ernteausfällen durch Dürre werde »mit jedem Jahr steigen«, wenn es bei »reiner Symptombekämpfung« bleibe, sagte sie gleichentags im jW-Gespräch.

Nur, was tun? Notwendig sei mehr Wasserrückhalt in den Fluren und Feldern – etwa durch »einen zügigen Waldumbau«, so die Sozialdemokratin Müller. Für die Umsetzung brauche es aber genügend forstwirtschaftliche Stellen. Hecken als Windschutz, Moore als Feuchtgebiete, alles nötig, um Bodenerosion zu verhindern und das örtliche »Kleinklima« zu stabilisieren. Und die grüne Ressortkollegin Sengl weiß, dass humusreiche Böden bestens gegen Dürreschäden geeignet sind, »weil sie deutlich mehr Wasser speichern können«. Zusammengefasst: Methoden des ökologischen Landbaus könnten hierfür »ein Vorbild sein«.

Die Befunde liegen vor, die Handlungsweisen sind aufgezeigt. Nun, so der BBV, seien – neben der parlamentarischen Opposition – die Koalitionäre der Bayerischen Staatsregierung aus CSU und Freien Wählern am Zug, »sie sind gefordert«.

Dein Abo für den heißen Herbst!

in Zeiten der sozialen Verwerfungen braucht es ein Korrektiv, das die Propaganda der Herrschenden in Wirtschaft und Politik aufzeigt. Deshalb: jetzt das jW-Abo abschließen!

Ähnliche:

  • Auf einmal ganz grün: Bayerns Minsterpräsident Markus Söder (CSU...
    21.09.2019

    CSU gegen Dürre

    Wetterextreme in der Landwirtschaft: Staatliche Subventionen und Senkung der Versicherungssteuer

Regio: