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Aus: Ausgabe vom 04.08.2022, Seite 8 / Ansichten

Reputationsschaden des Tages: Radioaktives Kühlwasser

Von Ina Sembdner
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Die Tanks werden knapp, also ab damit ins Meer: Radioaktives Kühlwasser aus der Reaktorruine Fukushima I (27.2.2021)

Im Kapitalismus kommen Mensch und Natur zuletzt. Dass diese Grundlage allen Übels eigentlich versteckt, manipuliert oder rundherum abgestritten gehört, um die Geschäfte nicht zu versauen, sollte jedem Verwalter dieses Systems klar sein. Der Gouverneur der Präfektur Fukushima muss da noch lernen: Masao Uchibori forderte die japanische Zentralregierung am Mittwoch auf, Maßnahmen wegen der geplanten Verklappung riesiger Mengen radioaktiven Kühlwassers aus dem 2011 havarierten Kernkraftwerk Fukushima I zu ergreifen. Begründung: Angst vor »Reputationsschäden für Meeresprodukte«.

Eben, dem Seeigel ist doch egal, ob er elendig verreckt, – Hauptsache, niemand spricht schlecht über ihn oder gar über seine privaten Gesundheitsprobleme. Denn der Rubel – oh Verzeihung, politisch korrekt natürlich die Griwna – muss weiter rollen. Und was sind schon 1,25 Millionen Kubikmeter des natürlich verdünnten und gefilterten – faszinierend, was die Technik heute alles (nicht) kann – atomar verseuchten Wassers. Ein Tropfen im Ozean, um ein wenig Poesie beizusteuern. Genauso viel Sprit verpufft jedes Jahr in deutschen Staus, wie eine Studie des Londoner Centre for Economics and Business Research 2014 ergab. Aber da ist es ähnlich: Nix zu sehen, nix zu befürchten. Und die 13.000 Menschen, die dadurch jährlich früher das Zeitliche segnen, interessieren auch niemanden. Darüber hinaus kann die Regierung in Tokio ja auch »versichern«, dass Tritium (das, was dann leider doch noch im Wasser bleibt) in geringer Menge unschädlich für den Menschen sei. Also Messgerät ans Schlüsselbund und schon auf der sicheren Seite.

Ah ja, und der Mensch, was sagt der eigentlich dazu? Uchibori muss einräumen: Der Plan zur Einleitung des radioaktiven Wassers ins Meer habe in der Bevölkerung nicht ausreichend Verständnis gefunden.

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