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Aus: Ausgabe vom 04.08.2022, Seite 2 / Kapital & Arbeit
Gaskrise

Der fehlende Part

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Bundeskanzler Olaf Scholz war am Mittwoch zu Besuch bei Siemens Energy in Mülheim an der Ruhr. Er besichtigte die Gasturbine, die laut dem russischen Konzern Gasprom fehlt, um vollständige Lieferungen von Pipelinegas in die Bundesrepublik zu garantieren. Gasprom macht für den ausbleibenden Transport Sanktionen gegen Russland verantwortlich. Scholz sieht das anders. Die Reduzierung der Gaslieferungen habe »keinerlei technische Gründe«, sagte der Kanzler. Er nutzte die Kulisse und erklärte, die Regierung erwäge längere Laufzeiten für Atomkraftwerke. Klar, wer schuld hat. (AFP/jW)

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  • Leserbrief von Reinhard Hopp aus Berlin ( 4. August 2022 um 19:43 Uhr)
    Irgend so etwas wie eine allgemeine Peinlichkeitsobergrenze scheint es in diesem Lande – und ebenfalls auch im Hause Siemens(!) – ja ganz offensichtlich schon lange nicht mehr zu geben. Als nächster kommt dann ja wahrscheinlich die faschistische ukrainische US-Marionette, um im oliv-grünen Kampfkostüm und unrasiert vor der magischen Siemens-Turbine zu posen.
  • Leserbrief von Sven Harmgart aus Bernau ( 4. August 2022 um 18:45 Uhr)
    Siemens Energy ist als Vertragspartner von Gasprom in der Pflicht, die Turbine zurückzuführen. Woran es genau hapert, wird dem Bürger nun bereits seit Wochen verschwiegen. Man muss immer auf das achten, was nicht gesagt wird: Bezeichnenderweise spricht der Vorstandsvorsitzende von Siemens Energy nur von den Dokumenten, die sein Unternehmen bereitstellen muss, und der Bundeskanzler spricht nur von technischen Gründen. Erste Schlussfolgerung: Das eigentliche Problem liegt in administrativen Gründen. Diese administrativen Gründe müssen die gleichen sein, warum die kanadische Regierung die Turbine lediglich nach Deutschland und nicht nach Russland zurückschicken ließ. Die kanadische Regierung hat für die Rückführung der Turbine nach Deutschland lediglich eine Ausnahme ihrer eigenen Sanktionen erlassen. Gasprom wiederum erklärt, dass für eine Rücknahme der Turbine die Erklärung der Sanktionsfreiheit der Rückführung notwendig sei. Zweite Schlussfolgerung: Es müssen weitere Sanktionen im Raum stehen, die nicht offen benannt werden und in Kraft treten, wenn diese Turbine tatsächlich die russische Grenze überquert. Wer diese Sanktionen erlassen hat, kann man sich bei Erinnerung an das Prozedere zur Verhinderung von Nord Stream 2 denken.
  • Leserbrief von hto aus Gemeinschaftseigentum ( 4. August 2022 um 13:38 Uhr)
    Da nicht nur unsere Regierung keine Anstalten macht eine Kommunikation für eine neue Weltordnung ohne wettbewerbsbedingte Symptomatik in »Wer soll das bezahlen?« zu veranlassen, ja, Nord Stream 2 wäre logisch/rational, Herr Hidy, aber eben nicht konsequent vernünftig, denn wir könnten in sehr kurzer Zeit global eine dem Klimawandel entsprechend vernünftige Handhabung der nur in wettbewerbsbedingter Symptomatik teuren Technik für alle organisieren, wenn der Blöd-, Stumpf- und Wahnsinn endlich die einzig richtigen Worte ersatzweise suchen und finden würde - »Der fehlende Part«: Die Vorstellungskraft, ohne Steuern zahlen, ohne manipulativ-schwankende »Werte« usw. zusammen leben zu können!?
  • Leserbrief von Istvan Hidy aus Stuttgart ( 4. August 2022 um 11:17 Uhr)
    Es gäbe verschiedene Gründe, warum Deutschland mit Blick auf das uns bevorstehende »Wintermärchen« alle seine Energiereserven mobilisieren müsste. Wer Brennstoff aber für Kernkraftwerke beschaffen will, kommt an Russland nur kaum vorbei. Der staatliche Nuklearkonzern Rosatom ist der größte Urananreicherer der Welt. Russland verfügt über mehr als 40 Prozent der globalen Anreicherungskapazität. Darum wäre es unumgänglich, dass der zentrale Teil der globalen Nuklearindustrie, seine Dienstleistungen – einschließlich Kernbrennstoff – an bestehenden Kernreaktoren sollten von jeglichen Sanktionen ausgeschlossen werden, um das zu vermeiden, was zu einer globalen Energiekrise werden könnte, die Atomkraftwerke überhaupt in Europa weiter betreiben zu können. Damit ergibt sich die Frage, ob nicht eher besser wäre, die Gaspipeline Nord Stream 2 in Betrieb zu nehmen.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Gabriel T. aus Berlin ( 4. August 2022 um 08:38 Uhr)
    Es ist schon toll, was wir da für eine Regierung aus Fachleuten haben: nicht nur einen Wirtschaftsminister, der Gaskraftwerke abstellen will, ohne dass er bis heute versteht, worin der Unterschied zwischen Grundlast und Spitzenlast besteht, nein, nun auch noch einen Kanzler, der durch bloße Draufsicht beurteilen kann, dass eine Gasturbine voll funktionstüchtig ist. Ich bin fasziniert.
  • Leserbrief von hto ( 4. August 2022 um 08:14 Uhr)
    Der arrogante Mann, der Fragende wie lästige Fliegen mit scheinbar eloquent-kurzen Antworten abspeist, macht mit dieser blödsinnigen Aktion auf besonders schlau – Schröder, der diese Arroganz von gleichermaßen Unfähigkeit mit Pöbel und Prolligkeit eingeführt hat, wird mir immer sympathischer. »Der fehlende Part« – Schröder jetzt wieder zum Kanzler küren, vielleicht bekommen wir nun Kommunikation für ein globales Gemeinschaftseigentum ohne wettbewerbsbedingte Symptomatik!
  • Leserbrief von Reinhard Hopp aus Berlin ( 3. August 2022 um 22:00 Uhr)
    Ein Land wie die BRD, dass derzeit fast schon lustvoll kollektive Selbstzerstörung »bis zur Vergasung« betreibt – ein Ausdruck, der in meiner Jugend bei den »anständigen Wir-sind-wieder-wer-Bürgern« jener Zeit noch bis in die 1970er Jahre zum völlig unreflektierten gut deutschen Alltagssprachgebrauch gehörte (!) – sollte einen Kanzler haben, der natürlich auch über fundierte Kenntnisse von Gasturbinen verfügt. Zum Glück hat uns »die Vorsehung« (Joseph Goebbels) mal wieder ein solch seltenes Allroundgenie gesandt, das sich nicht nur in der abstrakten »Cum-Ex«-Welt, sondern auch in komplexesten Hightechsphären aalglatt zu bewegen weiß. Da sollte doch wohl mindestens ein künftiger Aufsichtsratsposten (à la Parteifreund Gerhard) drin sein – oder?

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