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Aus: Ausgabe vom 03.08.2022, Seite 8 / Ansichten

Heimlicher Abgang des Tages: »Y721«

Von David Maiwald
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»Ich möchte mich bei jedem Amazon-Mitarbeiter und jedem Amazon-Kunden bedanken, denn ihr habt das alles bezahlt« (Jeffrey Bezos, 20.7.2021)

Während die Yachten russischer Milliardäre in Häfen festgesetzt, vertaut und trockengelegt werden, bringen andere ihren schwimmenden Besitz heimlich in Sicherheit. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion wurde die 127-Meter-Superyacht »Y721« von Amazon-Oligarch Jeffrey Bezos in Rotterdam in eine andere Werft transportiert – offenbar in Windeseile –, um störenden Blicken der Öffentlichkeit und der Wut der Einheimischen zu entgehen.

Der bescheidene Kutter hätte für seine ursprünglich geplante Jungfernfahrt in die Nordsee die Hubbrücke »De Hef« passieren müssen, die selbst auf Maximalhöhe mit 40 Metern für die Mastlänge von Phallusraketen-Bezos nicht hoch genug gewesen wäre. Also weg mit dem störenden Teil, abbauen, dachten sich die Planer. Was ist schon eine abgebaute Brücke im Plan, wenn Weltraumtourist Bezos zu den Kunden gehört? Die Rotterdamerinnen und Rotterdamer hatten da weniger Böcke zu. Hohn und Spott waren nicht nur im Internet groß, einige Einheimische riefen sogar auf, das Spaßbötchen des Oligarchen mit Eier- und Tomatenwürfen auf die erste Fahrt zu schicken. Gar keine Lust, dachte man sich beim Schiffsbauer Oceano und entschied sich gegen einen Abbau.

Ein peinliches Zusammentreffen mit der Brücke wurde beim nächtlichen Verlegen von »Y721« nun tunlichst vermieden. Wie der Yachtenenthusiast Hanco Bol, der die nächtliche Aktion mit der Kamera verfolgte, dem Spiegel erzählte, sei für den Transport sogar eine beinahe doppelt so lange Strecke gewählt worden. Ihn selbst habe man mit Scheinwerfern vom Fotografieren abhalten wollen. Es konnte zudem offenbar nicht flink genug gehen: »Wir haben noch nie einen Transport gesehen, der so schnell fährt«, steht in der Beschreibung von Bols Youtube-Video. In nur drei Stunden sei der Transport in die Greenport-Werft erfolgt, wo Bezos’ Liebling nun auf die Mastmontage wartet.

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