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Aus: Ausgabe vom 30.07.2022, Seite 6 / Ansichten

Nichtssagerin des Tages: Andrea Nahles

Von Oliver Rast
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Sprachvermögen und Redetalent wirken bei der neuen BA-Chefin eher bescheiden

»Öde, fade«, resümiert Kollege Jan Greve aus dem Innenressort am Freitag mittag. Bloß nicht dieses interviewähnliche Gequatsche mit Andrea Nahles, das seit den frühen Morgenstunden bei Spiegel online hinter der Paywall gammelt. Keine Porträtkandidatin. Ausrufezeichen. Nichts als Weisheiten, die Binsen sind; nichts als Plätze, die allgemein sind. Das gibt er mir kollegial auf den Weg, als er sich auf seinen Sattel schwingt und kräftig in die Pedale tritt – ab ins Wochenende. Der Glückliche.

Nur, ich verspüre einen dumpfen Impuls, hole mir den Interviewausdruck von Greves Tisch. Und stimmt, er hat augenfällig recht. Nahles, eine Virtuosin sprechender Blasen, seiiiitenlang. Passt irgendwie, denke ich. Eine Exbundesarbeitsministerin kriegt den Chefposten der Bundesagentur für Arbeit. Und am kommenden Montag geht’s für Nahles schon los. Was soll daran groß porträtierbar sein, ein ausrangiertes Kabinettsmitglied wird behördlich anschlussverwendet. Sie ist ja erst 52. Was soll sonst nur werden.

Aber, Moment mal. »Nahles, Nahles«, da war was? Auch tief Verschüttetes suppt – richtig getriggert – an die Oberfläche. Dann packt mich die Scham. Scheißgefühl. Nahles und ich, 1988. Eintritt in diese SPD, in der die Neo-BA-Bossin bereits seit 33 Jahren als »weibliche Netzwerkerin« ihr Unwesen treibt. Duplizität einer Irrung, in der Rückschau unverzeihlich. Ich weiß. Einzige Spontanrechtfertigung (für mich): Die Jusos machten anno tuck viel Soli für die FSLN, für das sandinistische Nicaragua. War mein Ding. Nahles’ vielleicht auch.

Zurück zur Spiegel-Plauderei, genauer zu den szenischen Schnipseln vor dem Frage-Antwort-Spiel: Nahles neues Büro ist »noch kahl«, nur ein kleines Kreuz aus einer Abtei baumelt über der Tür. Gläubig ist sie, die Katholikin. Was an Gerede folgt, egal. »Öde, fade.«

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Erich Rainer K. aus Potsdam (30. Juli 2022 um 18:58 Uhr)
    Die Pippi Langstrumpf der SPD, die mal als Löwe gesprungen und als Bettvorleger gelandet ist, darf nun weiter auf Kosten der Steuerzahler Geld verdienen. Wenn man erst mal im System des kapitalistischen Selbstbedienungsladens registriert ist, wird man versorgt. Leider trifft das nur auf die Nomenklaturkader der heutigen Zeit zu. Während der Normalo bestenfalls als Wahlvieh gern gesehen ist und den kommenden Zeiten der grassierenden Inflation und der von ideologischen Eiferern selbst erzeugten Energieknappheit angstvoll entgegensehen, scheffeln die Nahles und Co. ordentlich Euronen und brauchen sich über Körperpflege in Zeiten des verordneten Energiesparens keine Sorgen zu machen.

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