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Aus: Ausgabe vom 27.07.2022, Seite 12 / Thema
Literaturgeschichte

»Ach, alles darf die Revolution, nur nicht danebengehen«

Die Lyrik- und Poetenbewegung der DDR. 75 Jahre junge Welt. Ein Blick zurück (Teil 4.1 von 6)
Von Burga Kalinowski
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Heute undenkbar – für das Poetenseminar in Schwerin wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von ihren Betrieben freigestellt (Aufnahme vom Sommer 1974)

Die Zeitung von gestern – Schnee von gestern, sagen Presseleute. Eine Zeitung von vor 75 Jahren dagegen ist eine zeitgeschichtliche Fundgrube: Krieg und Leben danach. Menschen in Not, Menschen mit Hoffnung wie am 30. Mai 1946, als im Prater in der Berliner Kastanienallee die »Volksbühne des Hebbeltheaters« eröffnet wird. Ernst Busch singt, auch das Solidaritätslied – »Vorwärts und nicht vergessen« –, die Schlusszeile: »Wessen Welt ist die Welt?« Um die Antwort gehen die Kämpfe in allen Zeiten. Heute wieder. Die Frage führt nach dem heißen Krieg damals auch zum Kalten Krieg. Kampf der Systeme und Kampf um die Köpfe. Aus dem besiegten Deutschland werden Zonen, dann zwei Länder – geteilt wie die Welt. Im Archiv der jungen Welt gehe ich Band für Band durch die Jahre: 1947, 1950, die 60er und 70er, 1989. Blättern quer durch vier Jahrzehnte: »JW im Rückspiegel der Zeit«.

Es war im vergangenen Jahrhundert. Jeden Freitag druckte die Junge Welt Gedichte von jungen Leuten, diskutierte über Lyrik, stiftete jahrelang ganze Generationen zum Schreiben an. Bot Gespräche, Förderung und Rat. Und sie schrieben wie verrückt: die Begabten und auch die anderen. Über sich, die Liebe, das Leben. Über die flüchtige Konstante Zeit, die verrinnt und dabei Geschichte formt. Sie beschrieben, was junge Leute umtreibt, Angst macht und Mut, wenn sie die sichere Küste der Kindheit verlassen und sich aufs offene Meer begeben – wollen, sollen, müssen. Ein Moment für lyrische Versuche. Aus Lesern wurden Schreiber und die Junge Welt ein Ansprechpartner.

Am 22. September 1967 erscheint die erste »Poetensprechstunde«, Modeseite, linke Spalte – von da an bis zur letzten Ausgabe 1990 geleitet, betreut, geliebt von Hannes Würtz, geschätzt von den Lesern. Keine Rubrik außer Sport und »Unter vier Augen« wurde bekannter als die »Poetensprechstunde«. Klingt nach Spitzweg und Pestalozzi, wurde zu einem Markenzeichen. Jahre später zog die Rubrik vom Freitag weiter in die Sonnabendausgabe. In den bis 1990 erschienenen Ausgaben stehen Namen, die später Buchdeckel zierten, darunter Steffen Mensching, Kerstin Hensel, Johannes Jansen, Heidrun Jänchen, Hans Brinkmann, Gabriele Eckart, Reiner Bonack, Kathrin Schmidt, Richard Pietraß, Thomas Rosenlöcher (gest. 2022), Uta Mauersberger, Kurt Drawert, Ralph Grüneberger …

Aufruf zur Veränderung

Der allererste Anfang lief 1962/63 im Kulturressort, eine Lyrik- und Gesellschaftskolumne. Selbstverständlich reagierte die Redaktion damit auch auf das Jugendkommuniqué der SED vom Herbst 1963, das Bürokratie und Dogmatismus im Umgang mit Jugendlichen scharf kritisierte: Sie werden »immer noch in der Schule und auf Versammlungen, vielfach mit Oberflächlichkeit, unbewiesenen Behauptungen und überflüssigen Phrasen traktiert, anstatt sie zum selbständigen, wissenschaftlichen Denken anzuregen und zu befähigen«. Im Soundvergleich zu anderen Verlautbarungen aus der politischen Führungsebene war dieses Dokument geradezu ein leidenschaftlicher Aufruf zu Veränderungen in der Gesellschaft und erzeugte Aufbruchstimmung – wie schon das vom VI. SED-Parteitag im Januar 1963 angestoßene Neue Ökonomische System der Planung und Leitung (NÖSPL). Es führte spürbar zu Verbesserungen im Lebensalltag, beispielsweise mit der Einführung der Fünftagewoche oder der Erhöhung des Mindesturlaubs. Mehr Freizeit, mehr Kultur, mehr Lust am Machen. Vom 11. (auch Kahlschlag-)Plenum im Dezember 1965, das künstlerische Initiativen und Freiheit einfror, war noch nichts zu ahnen. Don Quichotte hatte im Lande – vorerst – nicht viel zu tun. In Abwandlung eines berühmt gewordenen Satzes aus einer Soschtschenko-Geschichte konnte man sagen: Genossen, auch das Schreibwesen entwickelt sich. So war es. Die Lyrik kam unter die Leute. Und blieb dort. Literaturwissenschaftler sprechen von einer Renaissance.

Körbeweise lieferte die Post Gedichte und Geschichten in die JW-Redaktion. Zwischenbilanz nach acht Jahren »Poetensprechstunde«: 10.000 Briefe und 17.000 Gedichte! Hannes Würtz hat alle Briefe durchgesehen! Las alle Einsendungen! Filterte und sortierte, freute sich über Begabungen, nahm alle Schreiber ernst. Am 30. Januar 1969 zum Beispiel brachte Junge Welt eine ganze Seite zum Thema. Gäste waren damals Schüler und Lehrlinge: Regina Scheer – Schriftstellerin, Hinnerk Einhorn – Schriftsteller/Altenpfleger, Christa Schuenke – literarische Übersetzerin, Günter Winkler – unbekannt, Gerhard Gröschke – Theaterwissenschaftler/Schriftsteller (†), Wolfgang Grahl – Journalist (†), Dieter Schnappauf – unbekannt, Reiner Bonack – Fräser/Schriftsteller. Mehrere Stunden dauerte das Gespräch über Lyrik, über starre Lehrpläne und bornierte Lehrer, über Schwierigkeiten beim Schreiben und darüber, wie den noch sehr jungen Autoren auf die Sprünge geholfen werden könnte. Sollte man – wie in der Überschrift gefragt – »Verse in Tanzpausen?« vortragen, um sie zu verbreiten, wie es Christa Schuenke im Selbstversuch praktizierte und ausgepfiffen wurde – oder lieber die besten Gedichte regelmäßig veröffentlichen? Reiner Bonack, ein 18jähriger Arbeiter aus dem VEB Lokomotivbau Henningsdorf, kam zur Sache. Er wünschte sich, »dass wir regelmäßig von erfahrenen Lyrikern betreut werden«. Es war der Wunsch vieler. Im Fazit zu der Runde schreibt Hannes Würtz: »Niemand wird von einem Jugendlichen schon große Kunst erwarten (…). Aber Eigenes und Durchdachtes, poetisch in Ansätzen geformt, hebt sich rasch ab von denjenigen Versuchen, die lediglich Nachrichten aneinanderreihen. Wir sollten uns intensiver um ihre Entwicklung kümmern.« Wer weiß, vielleicht war das ein erster Schritt zum Poetenseminar. Jedenfalls blieb der Ruf an die Schriftsteller nicht ungehört. Tatsächlich dachten noch einige Leute mehr nach und »erfanden« das Poetenseminar. Ausgerichtet von FDJ und Schriftstellerverband der DDR, fand es zum ersten Mal 1970 in Schwerin statt.

Es wird eine Weile dauern, bis Reiner ­Bonack am Poetenseminar teilnimmt, dort seine Arbeiten im Lyrikseminar vorträgt, Kritik einsteckt, am guten Beispiel lernt – und am schlechten ebenfalls. Mit Metrik und Metaphern jongliert. Wie alle dort. Genau das wollte er. Dafür hatte ihn sein Betrieb freigestellt. »Es ging nicht darum, zu loben oder auszuteilen (…), ich wollte aufnehmen, was dort an Können und Wissen herumschwirrte: untereinander und die Seminarleiter dazu! Schriftsteller, Dichter, Germanisten, Dramatiker, Journalisten (…), alles sehr offen und freundschaftlich.«

Zwischen seinen ersten Gedichtveröffentlichungen in der Jungen Welt und den Tagen in Schwerin liegt das Meer der Zeitgeschichte und das ganz normale Leben von Reiner Bonack. Schreiben gehört immer dazu. Anfänge mit 14 Jahren. Nachdichtungen aus dem Russischen im Zirkel schreibender Arbeiter in Henningsdorf: »Zog unterm Flügelschlag der Roten Fahne, / durch Steppen, Städte, fremdes Land. / In Stein, wo der zerschlagne Reichstag stand / schrieb mit dem Bajonett ich meinen Namen« – für den Soldaten der Roten Armee Leonid Kusubow, der 1945 in Berlin gefallen war. Erinnerung an die Lausitz: Braunkohlerevier, Landschaft seiner Kindheit mit Wäldern und aufgebaggerter Haut. Er schreibt »Spür wie ich die Erde sprechen« und sieht »Senftenberger Schwäne« mit grubenbraunem Gefieder. Mit der Aufforderung »Lass Gedanken Wurzeln sein« kommt er 1975 zum Poetenseminar. Es klingt nach Glücksfall und nach Arbeit. Für die Teilnehmer ist es ein Geschenk aus Zeit und Zuversicht.

Verordnete Poetenbewegung? Wohl kaum. Als Nachwuchsförderung und Ermunterung erschien bereits 1949 in der Deutschen Verlagsanstalt das Heftchen »Aufforderung zum Zuhören« mit Gedichten damaliger junger Autoren. Das hörte auch nicht auf. Beispielsweise brachte der FDJ-Verlag Neues Leben von 1963 bis 1988 die Reihe »Auswahl Neue Lyrik – Neue Namen« mit Gedichten von 251 Autoren heraus.

In Unterwellenborn sorgte Deutschlehrer Edwin Kratschmer dafür, dass ein Bändchen Schülergedichte mit dem Titel »Und Mut gehört zum Wort« erschien, gefördert über den Lyrikzirkel im Kulturpalast der Maxhütte Unterwellenborn. »Unsere Jugend hat das dringende Bedürfnis nach echter Auseinandersetzung, und sie hat Fragen, Fragen, Fragen«, äußert Kratschmer seine Meinung im Vorwort und liegt damit durchaus im Trend der führenden Partei. Folgerichtig erscheint weitere Lyrik von Schülern und jungen Leuten: 1967 »Offene Fenster«, neun Bände bis 1990, ab dem vierten Band in enger Zusammenarbeit von Hannes Würtz und Edwin Kratschmer. Die Nachfrage ist riesig.

Unschlagbarer Preis

Gleichzeitig bringt Neues Leben noch das »Poesiealbum« heraus, eine von dem Dichter Bernd Jentzsch – profunder Kenner der Weltlyrik – gegründete Reihe (siehe Kasten). In Auflagenhöhen von 8.000 bis 12.000 erscheint das Heft monatlich, in vier Jahren, Stand 1971, insgesamt 50 Hefte mit 625.000 Exemplaren. Populär werden Sonderausgaben mit den besten Arbeiten der Teilnehmer am Poetenseminar Schwerin in den Jahren 1971, 1972, dann wieder ab 1979. Für viele der jungen Autoren ist es die erste Veröffentlichung. Dazu kamen einige Sonderhefte aus besonderen politischen Anlässen wie die 45.000er Auflage 1967 zu Ehren des griechischen Widerstandskämpfers Mikis Theodorakis, der gegen die Militärdiktatur (1967–1974) in seinem Land kämpfte, die »Gedichte für Vietnam« oder »Gedichte von Lenin«. Kein Sonderheft, aber schon ein besonderes, war 1983 die Bob-Dylan-Ausgabe. Es war ja nun nicht so, dass die Jugend der DDR unentwegt Eichendorff oder Brecht schmökerte: Dylan war ein Renner. »Da hätten wir eine Million drucken können – und es hätte nicht gereicht«, erzählt Dorothea Oehme, damals Herausgeberin der Reihe. Wirklich besonders war der Preis – »eigentlich unschlagbar«, sagt sie. Jedes Heft durchweg für 90 Pfennige, als Abo per Post erhältlich, sonst am Zeitungskiosk und im Buchhandel.

In einer einheitsdeutschen Arbeit über »Lyrik und Politik in der DDR« (2009) heißt es: »Eine gesteigerte Aufmerksamkeit für Lyrik jenseits ökonomischer Erwägungen ist damit festzustellen; jedenfalls hinsichtlich der materiellen Förderung.« Nanu, der Autor ist verwundert: Fragte denn damals keiner, wer das bezahlt? Nein, jedenfalls nicht wirklich. Bücher mussten erschwinglich sein wie Butter und Brot und Mieten. Der Albumpreis, von zentraler Stelle festgelegt, sollte nicht über dem für ein Mischbrot liegen, das landesweit 78 oder 93 Pfennige kostete, in Berlin eine Mark und fünf Pfennige. Gedichte – ein »Grundnahrungsmittel«? Keine fixe Idee. Dahinter steckte vom Anfang bis zum Untergang der DDR ein humaner Grundanspruch – ein sozialistischer Wertekanon, der nie in Frage gestellt wurde. Übrigens auch vom damaligen Otto Normalverbraucher nicht.

Das hatte – vor allem von heute her gesehen – ökonomisch etwas total Verrücktes. Da sind 90 Pfennig für Gedichte noch wortwörtlich Kleingeld. Buchpreise habe ich vergessen. Auf jeden Fall auch lachhaft. Ich gucke doch mal nach. Zufallsprinzip im Regal: »Der Meister und Margarita«, Bulgakow, Volk und Welt 1975, 9,40 Mark; Hemingways »Die grünen Hügel Afrikas«, Aufbau-Verlag 1977, 9,90 Mark. Und »Fredmans Episteln an diese und jene, aber hauptsächlich an Ulla Windblad«, Bellman, Reclam Leipzig 1973, ein bibliophiler Band für 23 DDR-Mark. Ein Pfund Kaffee, Sorte Rondo, war teurer, aber nicht so schön und nachhaltig.

Klar, das war Absicht: Der »Weg zur gebildeten Nation«, der auch mal über Bitterfeld führte, sollte den Leuten was bringen, sie verlocken – nicht abzocken. So stand es in der Verfassung. Und so kam es, dass Schüler, Lehrlinge, junge Arbeiter sehr selbstverständlich mit Gedrucktem umgingen. Oder es lernten. Nicht alle, aber über die Jahre doch viele. Schließlich gab es ja noch Literaturunterricht in der Schule, auch kostenfreie Bibliotheken. Mit dem »Poesiealbum« hatte, wer wollte, auf dem Nachttisch oder in der Jackentasche die Dichter der Welt um sich herum: Ovid, Walther von der Vogelweide, Petrarca, Shakespeare, Martin Luther, Andreas Gryphius, Hölderlin, Goethe natürlich, Eichendorff, Heine, Herwegh, Weerth, Puschkin oder Whitman oder Neruda, Zwetajewa, Majakowski, Jewtuschenko, Wyssotzki, Pasolini, Ritsos, Morgenstern, Rilke, Toller, Tucholsky, Celan. Bellman, Baudelaire, Becher, Brecht, Bobrowski, Braun. Und ehe jemand fragt: Ja, diese Liste muss sein. Weltlyrik. Große Beispiele. Unerreichbare Vorbilder.

Nicht dabei die damals von Jentzsch vorgesehenen Alben u. a. mit Ingeborg Bachmann, T. S. Eliot, Peter Huchel – wegen politischer Konflikte, aus Ignoranz, und war das ewig knappe Papierkontingent nicht auch ein Grund? Nach Biermanns Ausbürgerung 1976 wurde nicht lange gefackelt: Wer dagegen protestiert hatte, musste sehen, wo er gedruckt wurde. Schlimm genug, änderte jedoch nichts an Konzeption und Qualität dieser Reihe, nichts an den großen Leistungen anderer Verlage im Land. Der Glanz der Worte war schon immer verführerisch, und die Liebe zur Poesie stirbt nie.

Offene Atmosphäre

Ach ja, die Überschrift: Es sind die Schlusszeilen des Gedichts »Majakowski« von Hans Brinkmann. Ich versuche, Hans Brinkmann in Chemnitz zu erreichen, habe einen Termin mit Kerstin Hensel, besuche Rainer Bonack in Magdeburg. Sitze in Berlin-Pankow bei Peter Geist. Zwei Tage später ist das Gespräch mit Gerhard Wolf über Lyrik in der DDR (siehe Kasten).

Hans Brinkmann also. »Ach, alles darf die Revolution, nur nicht danebengehen« – es hat was von einem zeitgeschichtlichen Stoßgebet. Veröffentlicht wurde es im Sonderheft zum Poetenseminar 1979. »Diese Zeile verfolgt mich immer wieder, sogar nach 1989.« War das eine »Schreibaufgabe«? »Nee, Aufgaben gab es nicht – ich hatte Majakowski gelesen. In Schwerin war alles locker, Gespräche, Getränke, Leute kennenlernen. Lesungen.«

Fast alle, mit denen ich spreche, haben zeitig mit dem Schreiben begonnen. Auch Hans Brinkmann. »Als Schüler probiert und viel gelesen. Ich war Brecht-Fan – ›Baal‹, ›Trommeln in der Nacht‹, dann Expressionisten, den frühen ›DDR‹-Biermann finde ich stark.« Irgendwann bringt er einen ganzen Packen Schreibversuche zur Post und bekommt umgehend Antwort. Seine Gedichte werden in der »Poetensprechstunde« gedruckt. So war das. Ich frage nach aktuellen Arbeiten. Er schickt »Das verordnete Einmaleins – eine Fabel aus dem Kalten Krieg« – und zwei Gedichte. Im »Dresdner Aufmarsch« kommentiert er sarkastisch die Rechtsentwicklung in Sachsen. Dazu schreibt er: »Über den ›politischen Dichter‹ kann man lange streiten. Es ist aber so, dass immer gedacht wird: Propagandist, der sein Talent vermietet hat, um Partei- oder Staatsparolen aufzuhübschen. (…) Ich hoffe, was ich schreibe, hat eine unübersehbare politische Dimension, mehr aber auch nicht. Ich folge keinen Richtlinien, die sich andere ausgedacht haben, und mache meine Schnörkel drum. Nee, Kunst und Literatur sind Erfahrungs- und Reflexionsinstrumente – dabei bleibt es. Mit freundl. Grüßen, HB.«

Ja. Darum ging es vielleicht nicht bei jeder Zeile – aber es war eine der Erwartungen an die und in der Poetenbewegung. Oder wie Käthe Kollwitz gesagt hat: »Ich will wirken in dieser Zeit.«

Poesiealbum

1967: Bernd Jentzsch ist Initiator, Mitbegründer, Herausgeber der Reihe »Poesiealbum«, bis 1976, Heft 111.

1976: Jentzsch protestiert gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann, erhält daraufhin Strafandrohungen und kehrt von einem Studienaufenthalt in der Schweiz nicht mehr in die DDR zurück.

1977: Um die beliebte Reihe zu erhalten, übernimmt Richard Pietraß, Lyriklektor des Verlages Neues Leben, Dichter, Redakteur der Literaturzeitschrift Temperamente, die Weiterführung. Nach Ablösung der Temperamente-Redaktion und seinem erzwungenen Ausscheiden im Jahr 1979 arbeitet Pietraß als freier Schriftsteller.

1979: Dorothea Oehme, Literaturwissenschaflerin, führt die Reihe bis zum Ende der DDR, Hefte 149 bis 275.

2007: Unter Mitwirkung des Urherausgebers übernimmt Dr. Klaus-Peter Anders als Verleger die Fortsetzung der Reihe in seinem Märkischen Verlag Wilhelmshorst mit wechselnden Herausgebern, aktuell Heft 369 mit Axel Reithel.

Siehe auch das Gespräch mit Gerhard Wolf

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