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Bayreuther Festspiele

Weltflucht Bayreuth

Erst Ende 2021 gab Katharina Wagner dem Regisseur Roland Schwab den Auftrag für einen neuen »Tristan« – aus Angst, Corona könnte andere Aufführungen platzen lassen. Nicht nur die Coronapandemie machte den Festspielen in diesem Jahr zu schaffen, zuletzt überschatteten auch noch Sexismusvorwürfe den Festivalauftakt. Der Nordbayerische Kurier berichtete von Frauen, die Opfer von Übergriffen und Anzüglichkeiten geworden waren. Auch Festspielleiterin Katharina Wagner bestätigte, dass sie selbst davon betroffen war. Bei der Premiere am Montag abend gab es dann minutenlangen Applaus für die neue Bayreuther Version von »Tristan und Isolde«. Schwab ließ Tristan und Isolde dank LED-Technik wahlweise in den romantischen Sternenhimmel schauen oder in ein Meer, das sich wie nach einer Haiattacke blutrot färbt.

»Für mich ist ›Tristan und Isolde‹ das berühmteste Weltfluchtopus der ganzen Musikgeschichte. Und wenn eine Zeit das Bedürfnis kennt, der Welt zu entfliehen, dann ist das unsere«, hatte Regisseur Schwab vor der Premiere gesagt und sich damit vor allem auf den Krieg in der Ukraine bezogen. »Sich verlieren im Universum, in einer universalen Liebe. Diese Sehnsucht möchte ich zulassen. Gerade in unserem aktuellen Zeitkontext ist mir das ganz, ganz wichtig.« (dpa/jW)

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Erschienen in der Ausgabe vom 27.07.2022, Seite 11, Feuilleton

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