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Aus: Ausgabe vom 27.07.2022, Seite 10 / Feuilleton

Veldre, Waligura, Tschörtner

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Von Jegor Jublimov
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Ärztin unseres Vertrauens: Kathrin Waligura

Obwohl er sich bereits vor rund einem Vierteljahrhundert aus der Öffentlichkeit zurückzog, ist Erik Veldre nicht vergessen. Der Schauspieler, der diesen Mittwoch 90 Jahre alt wird, ist noch immer in Wiederholungen auf dem Bildschirm präsent (derzeit beim MDR in »Barfuß ins Bett«, wo er einen Lehrer spielt). In Riga geboren, verschlug es Veldre nach Altenburg, wo Intendant Kurt Jung-Alsen auf den Komparsen aufmerksam wurde und ihn an die Weimarer Theaterschule empfahl. Nach Theaterjahren in Leipzig, Karl-Marx-Stadt und Berlin war er als freier Schauspieler vor allem im Fernsehen beschäftigt, nicht selten als Polizist (oft im »Polizeiruf 110«) oder als Staatsanwalt. Hauptrollen in Defa-Filmen spielte er ab 1960 bei Regisseuren wie Heiner Carow, Frank Beyer und Walter Beck. In Juri Oserows internationaler Produktion »Schlacht um Moskau« (1986) spielte Veldre eindrucksvoll den Nazibefehlshaber Guderian.

Ein Kriegsfilm war das Debüt von Kathrin Waligura. In Rainer Simons im Ersten Weltkrieg angesiedelter Romanadaption »Die Frau und der Fremde« nach Leonhard Frank spielte sie eine Frau zwischen zwei Männern. Auch ihr war es zu verdanken, dass der Film 1985 den »Goldenen Bären« gewann. Weitere Hauptrollen bei der Defa folgten. Die langlebige RTL-Arztserie »Für alle Fälle Stefanie« versammelte ab 1995 glücklicherweise zahlreiche ehemalige Autoren, Regisseure und Schauspieler aus der DDR, Waligura stand als Krankenschwester ein paar Jahre im Mittelpunkt, kehrte 2004 sogar als Ärztin zurück. 1998/99 war sie beim ZDF Fernsehärztin in »Am liebsten Marlene«. Wie man hört, hat sie inzwischen eine Zusatzausbildung im medizinischen Bereich absolviert. Aber wenn ihr noch einmal eine so tolle Rolle wie bei Rainer Simon angeboten würde, stünde die stolze Mutter des Schwedter Schauspielers Conrad Waligura sicherlich auch nach ihrem 60. Geburtstag am Freitag wieder gern vor der Kamera.

Als Kind wollte die Dokumentarfilmerin Petra Tschörtner Löwendompteurin werden. Als Regisseurin Chefin zahlreicher Männer zu sein, dürfte sich mitunter ähnlich angefühlt haben. »Man muss in seinem Fach einfach gut sein, um akzeptiert zu werden«, sagte sie selbstbewusst in einem Interview. Tschörtner wurde 1958 als Tochter des Herausgebers und Gerhart-Hauptmann-Forschers Karl Heinz Tschörtner (der am Monatsbeginn seinen 90. Geburtstag begehen konnte) im Berliner Umland geboren. Es zog sie zum Film, und an der Babelsberger Filmhochschule fiel ihre besondere Handschrift auf. Ihr Beitrag »Hinter den Fenstern« (1984) gewann den Hauptpreis in Oberhausen, war aber im Land wegen zu großer Offenheit nicht bei allen Funktionären gern gesehen. Sie drehte Berufsporträts für den »Abendgruß«, Filme über Musikgruppen und sogar einen über den Zirkus. Besonders ihre Filme, die die Menschen der Jahre vor und nach 1990 zeigten, zeugen von der Kraft der vor zehn Jahren am 25. Juli gestorbenen Regisseurin.

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