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Aus: Ausgabe vom 26.07.2022, Seite 8 / Ansichten

Träumer des Tages: Friedrich Merz

Von Jan Greve
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Bleibt nicht auf dem Teppich: CDU-Chef Friedrich Merz bei der Landung auf Sylt (8.7.2022)

Da sieht man wieder einmal den Unterschied: Es gibt die einen, die in Sonntagsreden die Verkehrswende predigen – und die anderen, die sie ganz praktisch leben und in Zeiten der Krise Vorbild sind. Friedrich Merz ist einer von dieser Sorte Macher. Während Grünen-Regierungsmitglieder von Verzicht schwadronieren, geht der CDU-Chef voran und spart Energie ein. Im ZDF-»Sommerinterview« rechnete der Blackrock-Millionär am Sonntag vor, warum er mit seinem Privatflugzeug zur Hochzeit von Finanzminister Christian Lindner nach Sylt geflogen ist: »Um es mal auf den Punkt zu bringen: Ich verbrauche mit diesem kleinen Flugzeug weniger Sprit als jeder Dienstwagen eines Mitgliedes der Bundesregierung.«

Der Vertreter der »gehobenen Mittelschicht« hebt also nicht der Bequemlichkeit wegen ab, er tut es für uns, für das Land, für den deutschen Wald. Wie kein zweiter verbindet er diesen Pragmatismus mit einer Prise Romantik, wenn er von der grenzenlosen Freiheit über den Wolken schwärmt: »Ich stehe dazu, und es ist, wenn Sie so wollen, ein alter Traum von mir. Immer schon gewesen.«

Fridays for Future frohlockt, die »Letzte Generation« löst ihre Hände vom Asphalt zum Applaus: Hier wendet einer die Verkehrspolitik so grundsätzlich, dass sich weitere Fragen stellen. Wie viele Privatjets brauchen wir, um das Klima zu retten? Wann kommt das Neun-Euro-Ticket für den Öffentlichen Personenflugverkehr? Und hatte der einstige Bundesminister für Bruchlandungen und Mautmisere, Andreas Scheuer, mit seinem Werben für Flugtaxis doch den richtigen Riecher?

Wie dem auch sei: Wenn Merz diesen Traum wahr werden lassen konnte, könnte noch einiges auf uns zukommen. Spätestens 2025, wenn Olaf Scholz aus dem Kanzleramt fliegt und der Vorzeigelobbyist des Finanzkapitals zur Landung ansetzt, dürfte keiner von uns mehr gut schlafen.

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