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Aus: Ausgabe vom 19.07.2022, Seite 1 / Kapital & Arbeit
Folgen des Ukraine-Kriegs

Poker um Nord Stream 1

Gasprom kann Lieferverpflichtungen nicht nachkommen. BDI fordert Neuregelung der Versorgung
Von Raphaël Schmeller
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Noch wird ungefähr gleich viel Gas ein- und ausgespeichert (Gasspeicheranlage Reckrod bei Eiterfeld, 14.7.2022)

Neue Runde im Gaspoker: Die BRD will mit der Lieferung einer Gasturbine für die Pipeline Nord Stream 1 Russland einen »Vorwand« für einen Lieferstopp nehmen. Das behauptete eine Sprecherin von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen) am Montag in Berlin. Nach allem, was das Ministerium wisse und was auch Experten gesagt hätten, sei die Turbine bislang als »Vorwand« genutzt worden, um die Gaslieferungen nach Europa zu drosseln, sagte die Sprecherin. Weil »Sicherheitsfragen« berührt seien, könne sie keine Auskunft geben, wann sich die Turbine wo befinde. Sie verwies aber auf Aussagen von Siemens Energy, dass alles dafür getan werde, dass Transport und Einsatz der Turbine schnellstmöglich erfolgten.

Gasprom dagegen teilte mit, die zehntägigen Wartungsarbeiten an der Ostseepipeline Nord Stream 1 sollten zwar an diesem Donnerstag abgeschlossen sein. Die wichtige Turbine, die in Kanada gewartet und dort lange wegen der westlichen Sanktionen gegen Moskau zurückgehalten wurde, fehle aber weiterhin. Man erwarte nicht, dass sie bis zum letzten Wartungstag wieder eingebaut werden könne. Gasprom beklagte, es gebe vom deutschen Konzern Siemens Energy keine Dokumente, die eine Rückkehr der Gasturbine bestätigten.

Gasprom erklärte zudem, mindestens einem europäischen Großkunden kein Erdgas mehr liefern zu können, wie Reuters am Montag berichtete. Als Grund nannte das Unternehmen »höhere Gewalt«. Man könne seinen Lieferverpflichtungen aufgrund »außergewöhnlicher« Umstände, die außerhalb der eigenen Kontrolle liegen, nicht nachkommen. Dies gelte rückwirkend für die Lieferungen ab dem 14. Juni durch die Pipeline Nord Stream 1.

Die Folgen der Gaskrise werden immer spürbarer. Der angeschlagene Versorger Uniper greift deshalb nun auf einen zwei Milliarden Euro schweren Kredit der staatlichen Förderbank KfW zurück, wie der Konzern am Montag mitteilte. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) forderte derweil, die Versorgung mit Erdgas für den Fall eines Mangels neu zu regeln. Auch Privatverbraucher müssten in die Pflicht genommen werden.

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