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Offene Türen

Von Pierre Deason-Tomory
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Wo sie auftauchen, drohen Tod und Verderben: Schönheitsschau für Hühnervögel

Vier freie Radios in Sachsen werden bald sieben Tage die Woche 24 Stunden täglich senden können. Radio Blau (Leipzig), Radio T (Chemnitz), Coloradio (Dresden) und Radio Zett (Zittau) haben sich zum Rundfunkkombinat Sachsen zusammengeschlossen, das ab Jahresende landesweit auf DAB+ zu empfangen sein wird (junge Welt berichtete). Mehr Programm verlangt neue Woman- und Manpower, also werden Menschen gesucht, die eigenständig oder mit anderen Sendungen und Beiträge produzieren wollen. »Man kann einfach mal so ein Programm zusammenstellen und Inhalte reinbringen, die einen interessieren«, lockt Ulrike Woschni von Coloradio im jW-Gespräch. Und soziale Akteure im ländlichen Raum hätten hier Gelegenheit, neue Kooperationsmöglichkeiten zu finden und Gegenöffentlichkeit herzustellen. Interessierte melden sich direkt bei einem der vier Sender oder beim Rundfunkkombinat Sachsen (www.rundfunkkombinat.de).

Damit zu den Vorschlägen für saisongemäß launige Stunden vor dem Empfangsgerät: »Wie Kinder sprechen lernen«, erfahren wir in »SWR 2-Wissen« Mittwoch früh von Katja Hanke, und vielleicht auch, was beim kleinen Robert damals schiefgegangen ist (SWR 2020, Mi., 8.30 Uhr). Zu »Neeme Järvis 85. Geburtstag« hat der Meister höchstselbst am 6. Mai in Tallinn zum Konzert mit seiner Stammkapelle geladen, dem Eesti Riiklik Sümfooniaorkester. Auf dem Zettel standen: Nocturne von Rudolf Tobias, Franz Schuberts 7. Sinfonie, Cavatina von Joachim Raff sowie die angebliche 21. Sinfonie von Nikolai Owsjanniko-Kulikowski respektive Michael Goldstein (Mi., 20 Uhr, auf den Kultursendern aller Anstalten). Jedes Jahr erleiden etwa 300.000 Deutsche einen Hörsturz, eine bislang wenig erforschte Krankheit. Den Stand der Erkenntnisse fasst die Sendung »Hörsturz und besondere Sinneswahrnehmung. Wenn das Ohr aus dem letzten Loch pfeift« zusammen (Fr., 9.05 Uhr, Bayern 2). Einen Umsturz erlebten vor 100 Jahren die Besucher der Salzburger Festspiele bei den Internationalen Kammermusikaufführungen im Mozarteum. Prominente Komponisten ließen im August 1922 ebendort Modernes hören und gründeten anschließend im Café Bazar die Internationale Gesellschaft Neuer Musik, die älteste ihrer Art. Eine »Lange Nacht der Neuen Musik« erinnert daran, unter anderem mit dem Streichquartett Quatuor Diotima und zwei Werken von Anton Webern und Béla Bartók (Fr., 23 Uhr, Ö 1). Kinderprogramm? Gustav mit der Hupe empfiehlt am Wochenende den ersten von vier Teilen von »Der Wind in den Weiden« nach dem Klassiker von Kenneth Grahame in der Übersetzung von Harry Rowohlt (WDR 2008, Sa., 19 Uhr und So., 7 Uhr, WDR 5). Zum Opernabend am Sonnabend übertragen die Kultursender aller neun deutschen Anstalten den Mitschnitt von Mozarts »Idomeneo« vom 11. Juli auf dem Festival d’Aix-en-Provence. Raphaël Pichon leitet das Ensemble Pygmalion (Sa., 20 Uhr). Ein Hörspielklassiker von Fritz Göhler am Sonntag nachmittag bei RBB Kultur: »Die Jugend des Königs Henri Quatre (1/6)« nach Heinrich Manns Roman (Rundfunk der DDR 1971, 14 Uhr). Und: Für den späten Sonntag abend ist auf DLF Kultur »Die pickende Katastrophe« angekündigt, ein Feature von Rolf Cantzen über das Huhn in der Weltliteratur. Er hat festgestellt, dass Verderben und Tod drohen, wenn bei Woolf, Proust, Bulgakow und Charms ein Hühnervogel des Weges kommt. 620 Millionen deutsche Masthühner im Jahr denken vermutlich ähnlich, wenn sie den Bauern kommen sehen (So., 22 Uhr).

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