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Aus: Ausgabe vom 13.07.2022, Seite 10 / Feuilleton

Rabenalt, Henneberg

Von Jegor Jublimov
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Ein Arbeitsleben für die Defa: Rudolf Jürschik (ehemaliger Chefdramaturg der Defa), Peter Rabenalt, Ralf Schenk, Regisseur Rainer Simon (v. l.)

Ein Mann, der lebenslang dafür sorgte, dass gute und noch bessere Filme entstehen, hat – soweit bekannt – nur einmal selbst im Film agiert: In »Fräulein Schmetterling« (nach Christa und Gerhard Wolf) trat Peter Rabenalt als Saxophonspieler auf. Es war sein erster und letzter Film – obwohl er an Dutzenden anderer mitarbeitete. Sein erster, weil er 1965/66 dafür seine erste Filmmusik schrieb, und sein letzter, weil der Film erst 2021 künstlerisch vollendet wurde. Rabenalt, der nicht nur Musiker, sondern auch Filmtheoretiker ist, gehörte zu dem Kollektiv, das die Arbeit des verstorbenen Regisseurs Kurt Barthel zu einem beachtlichen Abschluss brachte. Er wurde am 16. Juli vor 85 Jahren bei Rathenow geboren und hatte einen ungewöhnlichen Berufsweg. Erst studierte er an der Babelsberger Filmhochschule Produktion, lehrte dann dort von 1962 bis ins neue Jahrtausend hinein, war aber auch ein begeisterter Jazzmusiker und Kabarettist. Nachdem er einige Filmmusiken sowie Chansons fürs Kabarett geschrieben hatte, begann er 1970 noch ein Zusatzstudium in Komposition. Rabenalt schrieb bis 1992 etwa 30 Filmmusiken für Regisseure wie Rainer Simon und den kürzlich verstorbenen Ulrich Weiß. Mitunter auf ungewöhnliche Weise. Über beider Arbeit an »Miraculi« (1992) schrieb er: »Fast durchgehend erklingen die in den Filmbildern erkennbaren Wirklichkeitsausschnitte nicht, wie sie ›wirklich‹ klingen. Geräusche werden akustisch manipuliert, Musikstücke mit anderer Musik oder mit synthetischen Klängen ›übermalt‹, summende Fliegen mit dem Synthesizer erzeugt – klangliche ›Mirakel‹.«

So vielseitig wie Rabenalt beim Film war Gerd Michael Henneberg am Theater. Der aus unzähligen Nebenrollen bei Film und Fernsehen bekannte Künstler kam am 14. Juli vor 100 Jahren in Magdeburg als Enkel eines sozialdemokratischen Politikers zur Welt. Seine eigentliche Bühnenlaufbahn begann nach dem Zweiten Weltkrieg in Weimar, bevor er 1950 nach Berlin wechselte, wo er u. a. an der Volksbühne und bis in die 90er Jahre am Maxim-Gorki-Theater spielte. Doch Henneberg war auch Regisseur in Stralsund und Intendant am Friedrich-Wolf-Theater Neustrelitz, wo er etwa »My Fair Lady« mit Doris Abeßer zum Serienerfolg führte. Höhepunkt seiner Laufbahn hätte die Generalintendanz in Dresden werden können, aber hier erntete er viel Kritik aus der Politik, weil er angeblich die Entwicklung der sozialistischen Dramatik nicht ausreichend förderte.

In Film und Fernsehen sah man Henneberg seit Mitte der fünfziger Jahre. Als Gegenspieler des Titelhelden übernahm er in der Defa-Produktion »Tilman Riemenschneider« 1958 als Fürstbischof von Thüngen eine Hauptrolle. Oft spielte er geheimnisvolle oder skurrile Professoren, Minister und Offiziere, Juristen und Ärzte in Krimis und Komödien. Internationale Aufmerksamkeit gewann der am Neujahrstag 2011 verstorbene Schauspieler, als er – beginnend mit »Befreiung« (1969–72) – in mehreren sowjetischen Kriegsfilmen den 1946 als Hauptkriegsverbrecher in Nürnberg hingerichteten Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel in seiner ganzen Gefährlichkeit und Erbärmlichkeit verkörperte.

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