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Aus: Ausgabe vom 09.07.2022, Seite 6 (Beilage) / Wochenendbeilage

Serbische Bohnensuppe

Unterzeile
Von Maxi Wunder

Die Ernennung des ukrainischen Borschtsch, einer Rote-Beete-Suppe, zum »immateriellen« Weltkulturerbe kann die Coole Wampe nur begrüßen. Die Begründung des Welterbekomitees, warum diese Suppe so schützenswert ist, leuchtet indes wenig ein: Die sich auf der Flucht befindlichen Menschen könnten nicht mehr die notwendigen Zutaten anbauen, den Borschtsch nicht kochen und sich nicht zum Borschtschessen versammeln. Was die UNESCO vielleicht nicht weiß, ist, dass es etwa im Flüchtlingsaufnahmeland Deutschland auch rote Rüben, Kartoffeln und Schweinefleisch in ausreichender Menge gibt sowie Kochherde, Töpfe und Tische, an denen man sich auf Stühlen sitzend zu einer Mahlzeit versammeln kann. Dass in allen westlichen Großstädten osteuropäische Geschäfte landestypische Lebensmittel vorhalten und Millionen über den Erdball verteilter Exilukrainer mit Hingabe ihre Borschtschtradition pflegen. Dass außer den Ukrainern auch Russen Borschtsch kochen können, und auch all jene Suppenfans, die es nicht können, in Kochbüchern und auf Gourmetseiten im Internet unzählige Borschtschrezepte finden. Es ist also mal wieder Ausdruck antirussischer Symbolpolitik, den Borschtsch für exklusiv ukrainisch und deshalb für gefährdet zu erklären – Russendissen auf Hausfrauenniveau.

Nimmt man die Sache trotzdem ernst, ergibt sich automatisch Nachholbedarf, was die Erhebung von Suppen zum Weltkulturerbe betrifft. Hier ein paar Vorschläge an die UNESCO für traditionsreiche Suppen, die infolge von völkerrechtswidrigen NATO-Angriffskriegen und den damit einhergehenden Fluchtbewegungen dringend geschützt werden müssen: Da hätten wir die Pho Ga, eine vietnamesische Hühnernudelsuppe, alternativ die legendäre Bun Bo Hue – eine Rindernudelsuppe. Ferner den irakischen Kichererbseneintopf sowie die Muschawa – ein afghanischer Bohneneintopf mit Rindfleisch und Dill. Nicht zu vergessen die syrische Linsensuppe mit Minze und Zitrone. Auch die Schorba, eine mit vielen Kräutern gewürzte libysche Suppe mit Lamm, sollte berücksichtigt werden, und natürlich die antikroatische, antimontenegrinsche, antialbanische usw.

Serbische Bohnensuppe

250 g getrocknete weiße Bohnen über Nacht in reichlich kaltem Wasser einweichen. Bohnen abgießen, ein Liter Einweichwasser abmessen. Bohnen darin aufkochen und ca. eine Stunde bei mittlerer Hitze garen. Zwei Zwiebeln und zwei Knoblauchzehen schälen und fein würfeln. Eine rote Chilischote waschen, längs halbieren, entkernen und fein würfeln. Eine gelbe Paprika putzen, waschen und in kleine Streifen schneiden. Zwei EL Öl in einem Topf erhitzen. Zwiebeln, Knoblauch und Chili darin andünsten. Zwei EL Tomatenmark und zwei EL Paprikapulver zufügen. Mit 1/4 Liter Wasser ablöschen. Bohnen mit dem Kochwasser zugeben. Alles aufkochen. Mit Salz und Pfeffer würzen. Gelbe Paprikastreifen, ein Lorbeerblatt und etwas getrockneten Thymian zugeben und weitere 15 Minuten garen. 200 g Debrecziner Würstchen in Scheiben schneiden und fünf Minuten vor Ende der Garzeit zu den Bohnen geben. Suppe mit Salz, Pfeffer und Ketchup abschmecken. Gibt’s auch in Dosen.

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