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Aus: Ausgabe vom 09.07.2022, Seite 4 / Inland
Kampf dem Atomtod

Nukleare Geiselhaft

Friedensbewegte protestieren in Aktionswoche gegen Atomwaffen und ihre Stationierung. Mehr Teilnehmer am Wochenende erwartet
Von David Maiwald
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Friedensbewegte blockierten am Freitag die Zufahrtsstraße zum Atomwaffenstützpunkt Büchel

Aufgestanden – hingesetzt – blockiert. In Büchel hat am Freitag der vorletzte Tag der Aktionswoche mit Protestcamp gegen Atomwaffengefahr mit einer Aktion zivilen Ungehorsams begonnen. Rund 20 Aktivistinnen und Aktivisten blockierten morgens die Zufahrtsstraße zum Tor eins des Luftwaffenstützpunktes Büchel in Rheinland-Pfalz, wo etwa 20 US-Atombomben lagern sollen. Die Friedensbewegten waren gegen zehn Uhr von der Polizei an der Weiterfahrt gehindert worden und besetzten kurzerhand die Straße, um gegen das Treiben auf dem Gelände des Fliegerhorsts zu protestieren. Die Aktion wurde am Nachmittag von den Aktivisten ohne Zwischenfälle beendet, eine beteiligte Person wurde von anwesenden Polizeikräften zur Identitätsfeststellung mitgenommen.

Das Protestcamp mit Aktionswoche wurde von ICAN Deutschland gemeinsam mit der Internationalen Organisation von Ärztinnen und Ärzten für die Verhütung des Atomkriegs (IPPNW) organisiert. Seit Anfang der Woche bringen Friedensbewegte dort noch bis Sonntag ihren Protest gegen die Atomwaffengefahr zum Ausdruck. Die Organisatoren rechnen zum Wochenende mit einem Zustrom von Friedensbewegten in das Camp. Im vorhinein habe es 60 Anmeldungen gegeben, wie sie am Freitag gegenüber junge Welt mitteilten. In den vergangenen Tagen hatten die Campbewohner ihre Aktionskompetenzen trainiert und mit Vorträgen über die Gefahr durch Atomwaffen und ihre Lagerung informiert. Am Mittwoch wurde gemeinsam das fünfjährige Bestehen des Atomwaffenverbotsvertrags gefeiert.

An diesem Sonnabend soll eine Protestwanderung um das Gelände des Stützpunktes führen. Sogenannte Go-Ins planen die Organisatoren ausdrücklich nicht, erklärte Lisann Drews von IPPNW am Freitag im jW-Gespräch: »Wir haben aber Sympathie für Leute, die auch mit solchen Aktionen gewaltfrei ihren Protest äußern.« Erst am Montag hatte der niederländische Atomwaffengegner Frits ter Kuile in der JVA Wittlich eine 30tägige Haftstrafe angetreten. Er hatte im Sommer 2018 gemeinsam mit anderen auf einem Atombombenbunker auf dem Luftwaffenstützpunkt in der Eifel gebetet und demonstriert. Beim Demospaziergang wollen IPPNW und ICAN anstelle von »Go-Ins« nun mit einem Rückblick über 20 Jahre des Protestes gegen Büchel als Atomwaffenstützpunkt informieren.

Dort finden derzeit »Modernisierungsarbeiten« an stationierten Atomwaffen statt. Außerdem sollen künftig atomwaffenfähige »F-35«-Kampfjets des US-Herstellers Lockheed Martin stationiert werden, deren Anschaffung die Ampelregierung im Rahmen des 100 Milliarden Euro teuren Aufrüstungsprogramms bereits beschlossen hat. Vor dem Haupttor des Atomwaffenstützpunktes wurden Berichte und Erzählungen Überlebender von Atomwaffeneinsätzen verlesen, erzählte Drews im Gespräch mit jW, das immer wieder vom Dröhnen vorbeifliegender »Tornado«-Jagdbomber unterbrochen wird. Die Aktivistinnen und Aktivisten wollten dabei die von den in Büchel stationierten Atomwaffen ausgehende Gefahr ins Zentrum ihrer Proteste rücken.

Denn die Bedrohung durch Atomwaffen sei durch den Krieg in der ­Ukraine wieder aktuell, »nicht erst seit Wladimir Putin offen mit ihnen gedroht hat«, erklärte die IPPNW-Kovorsitzende Angelika Claußen am Freitag im Gespräch mit dieser Zeitung. Das atomare Wettrüsten durch Modernisierung der Atomwaffenbestände wie am US-Arsenal in Büchel habe es »schon vor dem Krieg gegeben«. »Wir erleben gerade eine erneute Zuspitzung.« In Großbritannien und Belarus würden nun weitere Atomwaffen stationiert. Gegen die sogenannte nukleare Teilhabe der NATO wolle das Camp der Friedensbewegten »ein starkes Zeichen an die Bevölkerung« ausgeben, so Claußen. Das Atomwaffenthema müsse wieder als Hauptpunkt in die Antikriegsproteste einfließen: »Einen Atomkrieg zu verhindern, ist Teil unserer Friedensarbeit.«

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