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Aus: Ausgabe vom 02.07.2022, Seite 7 / Kapital & Arbeit
Arbeitskampf

Blockade für gleichen Lohn

Dänemark: Rund 500 Beschäftigte streiken für gleiche Bezahlung am Megaprojekt Fehmarnbelttunnel. Unternehmen nicht verhandlungsbereit
Von David Maiwald
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Mehrheitlich polnische Arbeiter wollen bei dem EU-Prestigeprojekt wie ihre dänischen Kollegen bezahlt werden

Migrantische Arbeiter strei­ken für mehr Lohn – entgegen dem bürgerlichen Recht. Der seit Dienstag laufende Streik für gleiche Bezahlung von Arbeitern am im Bau befindlichen Fehmarnbelttunnel in Dänemark ging am Freitag weiter. Ein Arbeitsgericht in Kopenhagen hatte ihn am Donnerstag für unrechtmäßig erklärt. Gespräche zwischen der Gewerkschaft 3F und dem Hauptauftragnehmer, dem internationale Baukonsortium Femern Link Contractors (FLC), gingen am Freitag ergebnislos zu Ende, wie der für die Baustelle zuständige Gruppenleiter von 3F, Rasmus Petersen, am Freitag im Gespräch mit junge Welt erklärte. Die rund 500 Streikenden seien »enttäuscht und wütend über die Blockadehaltung der FLC« und würden ihren Streik fortsetzen. Ein weiteres Gespräch zwischen Gewerkschaft und Konsortium sei für diesen Sonnabend angesetzt.

Prestigeprojekt der EU

Der Fehmarnbelttunnel ist die aktuell größte Baustelle Dänemarks und soll ab 2029 einen Straßen- und Schienenweg zwischen Puttgarden in Schleswig-Holstein und Rødbyhavn auf der dänischen Insel Lolland darstellen. Nach Angaben von FLC sind auf der dänischen Tunnelbaustelle rund 1.000 Arbeiter tätig, die zum Teil bei FLC und dem niederländischen Konsortium FBC angestellt sind. Die Arbeiten von FBC sind vom Streik nicht betroffen. Das Unternehmen ist beim EU-Prestigeprojekt Fehmarnbeltquerung für den Aushub des Tunnelgrabens, den Bau der Arbeitshäfen und die Landgewinnungsflächen auf beiden Seiten des Fehmarnbelts zuständig, während FLC sowohl für den Bau der Tunnelelementfabrik als auch für die Herstellung und das Absenken der 89 Elemente verantwortlich zeichnet.

»FLC will erst verhandeln, wenn der Streik beendet ist«, fasste Gewerkschafter Petersen die Gespräche mit dem Konsortium gegenüber dieser Zeitung zusammen. »Doch die Leute trauen ihnen nicht mehr, sie wollen eine Garantie, dass sich etwas ändert, wenn sie die Arbeit wieder aufnehmen.« Derzeit verdienen die ausländischen Kollegen mit 140 Kronen (etwa 18,82 Euro) bis zu 50 Kronen pro Arbeitsstunde weniger als die dänischen Kollegen. Die Lohnlücke hatte FLC gegenüber der Gewerkschaft mit Kosten für die Unterbringung begründet, die Arbeiter fordern jedoch gleiche Bezahlung für alle Kollegen.

Blockade baut Druck auf

Um Druck aufzubauen, hatten die Streikenden in den vergangenen Tagen Zufahrtswege zur Baustelle blockiert, verhinderten Anlieferungen und den Zugang für andere Arbeiter auf die Baustelle. Auch dänische Arbeiter haben sich dem Streik der polnischen, rumänischen und bulgarischen Kollegen mittlerweile angeschlossen, erklärte Gewerkschafter Petersen im jW-Gespräch. Als Zeichen der Verhandlungsbereitschaft hatten die Streikenden am Mittwoch Spritlieferungen für die Wasserpumpen, die nötig sind, um die unter dem Meeresspiegel liegende Baustelle trocken zu halten, durchgelassen. »Sollten die Pumpen nicht mehr laufen, bedeutet das Schäden in Milliardenhöhe«, so Petersen.

3F ruft Arbeiter zurück

Die Gewerkschaft sei ans Recht gebunden und habe die Arbeiter dazu aufgerufen, zur Arbeit zurückzukehren, sagte der Vizepräsident von 3F in Lolland, Bjarne Jensen, am Freitag zu jW. »Wir sagen ihnen, sie müssen weiterarbeiten, weil das hier in Dänemark so die Regel ist.« Weil das Arbeitsgericht den Ausstand für unrechtmäßig erklärt habe, drohe den Streikenden nun eine erhöhte Strafzahlung von etwa 80 Kronen pro Stunde, anstelle der sonst qua dänischem Arbeitsrecht für »wilde« Streiks üblichen 50 Kronen Strafzahlung pro Arbeitsstunde.

Wie die Arbeiter aus anderen Ländern sonst für ihre Belange kämpfen sollen, konnten auch die Beamteten von 3F nicht beantworten. Der Streik betreffe jedoch bereits das ganze Land, erklärte Gewerkschafter Petersen im jW-Gespräch. »Dieser Streik interessiert Arbeiter in ganz Dänemark, viele wollen den Streik nun solidarisch unterstützen.« Privatpersonen sammelten bereits Geld, um den Streikenden zu helfen. Da die Lieferungen von Sprit für die Pumpen wieder blockiert würden und sich FLC keinen Schritt bewege, »könnten wir hier am Montag die Hölle erleben«, fürchtete Petersen: »Wir wissen nicht, wie wir diesen Knoten zum Platzen bringen sollen.«

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