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Aus: Ausgabe vom 29.06.2022, Seite 3 / Schwerpunkt
Antisemitismusdebatte

Hintergrund: Meron Mendel soll Documenta retten

In der zweiten Woche der Documenta 15 hält die Antisemitismusdebatte um die Weltkunstausstellung in Kassel weiter an. Meron Mendel, Leiter der Bildungsstätte Anne Frank, hat nun davor gewarnt, die gesamte Schau unter Generalverdacht zu stellen. »Jetzt 1.500 Künstlerinnen und Künstler als Antisemiten darzustellen, das ist grob falsch«, sagte er der Frankfurter Rundschau (FR, Montagausgabe). Ein als antisemitisch eingestuftes Kunstwerk des indonesischen Kollektivs Taring Padi war nach wenigen Tagen auf der Documenta abgebaut worden. Mendel hatte als einer der ersten auf dessen judenfeindliche Bildsprache hingewiesen und die Entfernung gefordert.

Nun werden laut Documenta alle weiteren Werke mit Hilfe externer Experten, darunter auch Mendel, auf antisemitische Inhalte geprüft. Es gehe darum, Antisemitismuskritik zu vermitteln und eine Auseinandersetzung über die Grenze zwischen Kritik am Handeln des Staates Israel und israelbezogenem Antisemitismus fachlich zu begleiten, erklärte eine Sprecherin der Bildungsstätte Anne Frank am Montag. Auch das gemeinsam mit der Trägergesellschaft Documenta gGmbH organisierte Podium am Mittwoch solle einen Beitrag leisten für eine Auseinandersetzung mit Antisemitismus, speziell auch in bezug auf den Staat Israel, in Kunst und Kultur – und auf der Documenta 15. Mendel kritisierte derweil den Zeitpunkt der Begutachtung der Werke in der FR als »natürlich komplett falsch«. Dieser Prozess wäre in der Zeit der Vorbereitung notwendig gewesen, was offensichtlich nicht passiert sei. Er betonte aber zugleich: »Da kann man sich bockig stellen und sagen, jetzt müsst ihr halt alles schließen, oder, und das ist meine Haltung, konstruktiv sein und im Interesse von allen Beteiligten diese Documenta noch retten.«

Einen Abbruch der Schau hält Mendel nicht für sinnvoll, aber auch nicht für ausgeschlossen – »wer weiß, was noch geschieht«, sagte er. Die Situation sei sehr toxisch und explosiv. Bei den Mitgliedern von Ruangrupa sieht Mendel nach eigenen Angaben »die Bereitschaft, dass sie ihre eigene Position reflektieren möchten«. Das Kuratorenkollektiv hatte sich vergangene Woche für die antisemitischen Motive entschuldigt. Wenn Ruangrupa der Meinung sei, in Jakarta könne man so ein Werk weiter zeigen, dann bestehe eine fundamentale Differenz, die ausgehandelt werden müsse. Die Generaldirektorin der Documenta, Sabine Schormann, hatte zuvor erklärt, in Indonesien sei das Werk anscheinend ein unverfängliches Bild.

Eine Podiumsdiskussion zum Thema »Antisemitismus in der Kunst«, an der auch Mendel teilnimmt, soll nun den Auftakt einer Reihe zur Aufarbeitung der Vorwürfe bilden. Zu dem Austausch am Mittwoch lädt die Bildungsstätte Anne Frank gemeinsam mit der Documenta gGmbH nach Kassel ein. In der kommenden Woche wird das Thema dann auch den Deutschen Bundestag beschäftigen. (dpa/jW)

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