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Aus: Ausgabe vom 28.06.2022, Seite 16 / Sport
Sportpolitik

Ein starkes Signal

Der »kleine Sport« erhält vom Bund 25 Millionen Euro Anschubhilfe
Von Andreas Müller
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Ohne Basis keine Spitze: Ballsitzen für Mädchen

Lobeshymnen werden der Bundespolitik gerade vom organisierten Sport dafür gesungen, dass sie 25 Millionen Euro zur Verfügung stellt, um nach dem tiefen Coronatal den Vereinssport wieder auf die Beine zu bringen. Die Summe gab der Haushaltsausschuss des Bundestages am vorigen Donnerstag in seiner traditionellen Bereinigungssitzung frei. Ein »Restposten« aus einem 50-Millionen-Paket, das ursprünglich dem Profisport als Pandemieunterstützung zur Verfügung stand, aber nicht vollständig abgerufen wurde. Zur Freude der sportlichen Basis, die nun im zweiten Zugriff von den übriggebliebenen 25 Millionen Euro ein Fünftel für ihre ehrenamtlichen Übungsleiter und deren Weiterbildung bekommen soll. Gut zwei Fünftel sollen den Vereinen helfen, über individuelle Maßnahmen Mitglieder zurückzugewinnen. Ein Fünftel ist für eine entsprechende Werbekampagne reserviert, der Rest für Sportangebote außerhalb von Sportvereinen im öffentlichen Raum.

Rein rechnerisch bedeutet diese Anschubhilfe für jeden der knapp 90.000 Sportvereine bundesweit nicht einmal je 250 Euro. Gemessen an den rund vier Milliarden Euro, die Bund, Länder und Kommunen jährlich fürs sportliche Treiben insgesamt ausgeben, ist das weit weniger als ein Prozent. Alles in allem also ein eher kleines Zubrot für den Hobby- und Freizeitsport.

Lobgesänge verdient daher nicht die Summe, sondern die damit verknüpfte Botschaft. Symbolträchtig öffnet das BMI seine Kasse für einen sportlichen Bereich, der im föderativen Koordinatensystem ausschließlich als Spielfeld von Ländern und Kommunen galt. Ihnen allein war es bislang vorbehalten, den »kleinen Sport« zu finanzieren, während der Bund für die Belange des Spitzensports verantwortlich zeichnete. Entsprechend lässig durfte die Bundespolitik bei grundsätzlichen Themen wie dem größtenteils maroden Zustand der mehr als 230.000 Sportstätten abwinken und sich, was Sanierung, Renovierung, Instandhaltung anbelangt, hinter der traditionellen Arbeitsteilung verstecken. Dieses Prinzip scheint mit der Freigabe der 25 Millionen Euro vom Bund erstmalig durchbrochen.

Zum Restart des Breitensports soll laut Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) außerdem ein großer Bewegungsgipfel in diesem Herbst gehören. Fast sieht es so aus, als hätte sich dank Corona die Erkenntnis verbreitet, dass für den Sport – als wichtiges gesellschaftliches Medium – die bisher gültige »Gütertrennung« nicht länger akzeptabel ist.

»Das Hilfspaket ist ein starkes Signal des Bundes, neben dem Spitzensport auch die Basis in den Blick zu nehmen. Denn ohne Breite keine Spitze und umgekehrt«, ordnete Kerstin Holze, Vizepräsidentin des Deutschen Olympischen Sportbundes, vergangene Woche beim »Parlamentarischen Abend« die bundespolitische Gabe ein. Sie könne freilich nur ein erster Schritt sein. »Zusätzlich ist nicht weniger als ein Paradigmenwechsel in der bundesweiten Sportpolitik notwendig, um den zahlreichen Zukunftsaufgaben grundsätzlich zu begegnen: Sport und Bewegung müssen auf politischer Ebene als Querschnittsaufgabe begriffen und ressortübergreifend begleitet werden.«

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