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Aus: Ausgabe vom 28.06.2022, Seite 6 / Ausland
Aufstrebende Volkswirtschaften

Für eine andere Weltordnung

Argentinien will BRICS-Bündnis beitreten. Indien signalisiert Unterstützung
Von Volker Hermsdorf
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Die fünf BRICS-Staats- und -Regierungschefs beim 14. Gipfel, der am 23. Juni online stattgefunden hat

Argentinien könnte demnächst als weiteres Mitglied dem bisher aus Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika bestehenden Staatenbund BRICS angehören. Bei einem Gespräch mit Präsident Alberto Fernández erklärte Indiens Premierminister Narendra Modi am Sonntag in München, sein Land unterstütze einen baldigen Beitritt von Buenos Aires. Die beiden Politiker halten sich derzeit wegen des G7-Treffens in der Bundesrepublik auf. Am Freitag hatte Fernández auf einem virtuellen BRICS-Gipfel angekündigt, Argentinien wolle dem Bündnis der aufstrebenden Volkswirtschaften »so schnell wie möglich« beitreten.

Wie die argentinische Tageszeitung Página 12 am Montag berichtete, war Fernández als Präsident der Gemeinschaft der Lateinamerikanischen und Karibischen Staaten (CELAC) zum G7-Gipfel eingeladen worden. Beim Treffen auf Schloss Elmau wolle er laut der Zeitung mehrere Themen ansprechen. Eines davon sei »ein Aufruf an die Weltmächte«, damit diese begreifen, dass der Krieg in der Ukraine schwächere Volkswirtschaften in Schwierigkeiten bringt.

Argentinien sehe seine Zukunft in der gegenwärtigen globalen Situation nicht bei Partnern im alten Europa oder am Nordatlantik, »sondern im neuen Süden, der durch die BRICS verkörpert wird«, schrieb der Forscher der Boston University, Jorge Heine, am Donnerstag in der chinesischen Zeitung Global Times. Die Analyse stützt sich auf Äußerungen des argentinischen Präsidenten auf dem virtuellen BRICS-Gipfel. Angesichts einer Weltordnung, »die nur zum Wohle einiger weniger gearbeitet« habe, stelle der Integrationsblock für sein Land »eine hervorragende Alternative zur Zusammenarbeit« dar, zitierte Página 12 Fernández am vergangenen Dienstag.

In einer Zeit hoher Rohstoffpreise, steigender Inflation und der Finanzkrise positioniere sich der Block »als mächtige globale Kraft, die das Potential hat, die derzeitige Weltordnung entscheidend zu verändern«, hatte bereits das Onlineportal Diálogo Chino die wachsende Attraktivität der BRICS-Staaten beschrieben. Der argentinische Botschafter in Beijing, Sabino Vaca Narvaja, bestätigte das: »Die Möglichkeit, dass Argentinien zusammen mit anderen Schwellenländern beitritt, wird diesem Block einzigartige Eigenschaften verleihen und sie zur wichtigsten geopolitischen Gruppe der Welt machen«, erklärte der Diplomat. Derzeit leben mehr als drei Milliarden Menschen und damit rund 40 Prozent der Weltbevölkerung in den BRICS-Staaten, während in den westlichen Ländern USA, BRD, Italien, Japan, Frankreich, Kanada und Großbritannien, die die »Gruppe der sieben« (G7) bilden, rund elf Prozent der Weltbevölkerung leben.

Präsident Fernández wirbt für den Beitritt seines Landes mit dem Argument, Argentinien sei ein sicherer und verantwortungsvoller Lebensmittellieferant, der auf dem Gebiet der Bio- und Logistiktechnologie anerkannt sei. »Damit sind wir nicht nur in der Lage, Lebensmittel zu produzieren und zu exportieren. Wir wissen auch, wie man Dienstleistungen erbringt und Fachkräfte ausbildet, damit andere Länder ihre Produktionseffizienz steigern und die Lebensqualität ihrer Einwohner verbessern können.« Das Land verfüge außerdem über große Energieressourcen, erklärte der Staats- und Regierungschef.

Gemessen am Handelsvolumen ist derzeit der wichtigste Partner Argentiniens China, gefolgt von Brasilien, den Vereinigten Staaten und Indien. Auf eine Frage der Global Times, ob Argentinien »im Kontext des immer schärferen Wettbewerbs zwischen China und den USA« und aufgrund seiner Kontakte »zu China, Russland und anderen nicht mit den USA verbündeten Ländern unter diplomatischen Druck« geraten könne, entgegnete Botschafter Vaca Narvaja in einem Bericht vom 22. Juni selbstbewusst, sein Land verfolge eine unabhängige Außenpolitik und pflege seit Jahren eine umfassende strategische Partnerschaft mit den BRICS-Ländern.

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