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Aus: Ausgabe vom 27.06.2022, Seite 15 / Politisches Buch
Antimilitarismus

Krieg im Weltraum

Neues Bulletin der Informationsstelle Militarisierung
Von Gerd Bedszent
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Die neue Ausgabe des Bulletins der Informationsstelle Militarisierung in Tübingen beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der Militarisierung des Weltraums. Im einleitenden Beitrag unternimmt Ben Müller einen historischen Streifzug über die Zusammenhänge von Weltraumforschung und der Entwicklung von Raketenwaffen. Bekanntlich diente bereits die von den Nazis entwickelte V2-Rakete, die im Jahre 1944 erstmals den Weltraum erreichte, ausschließlich militärischen Zwecken. Zudem starben bei der Produktion der V2 Zehntausende KZ-Häftlinge. Der unter Federführung der UNO im Jahre 1967 verabschiedete »Weltraumvertrag« ging dann zwar von einer ausschließlich friedlichen Nutzung aus und bezeichnete das Weltall als Eigentum der gesamten Menschheit. Tatsächlich wurden und werden aber immer wieder Satelliten gestartet, die entweder primär Spionagezwecken oder aber militärischer Kommunikation dienen.

Christoph Marischka definiert in seinem Betrag die Weltraumforschung als ein staatliches Technologieprogramm, welches zwar zahlreiche Innovationen für zivile Nutzung hervorgebracht hat, primär aber der Rüstungsindustrie dient. Andreas Seifert schildert Möglichkeiten von Industrieunternehmen, sich an staatlich geförderten Weltraumprojekten eine goldene Nase zu verdienen. Und natürlich werden, wie Matthias Monroy beschreibt, von Satelliten erfasste Daten von der Agentur Frontex zur Migrationsbekämpfung eingesetzt.

Selten thematisiert wird in den Medien die Umweltbelastung durch Weltraumindustrie. Wie Jacqueline Andres schildert, werden jährlich infolge von Raketenstarts 22.000 Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre gepustet. Derzeit umkreisen 36.500 größere Weltraumschrottobjekte die Erde, nicht gerechnet mehrere Millionen kleine und kleinste Müllobjekte. Ein abgelegenes Meeresgebiet im Südpazifik ist derzeit dabei, sich in einen Friedhof für ausgediente Satelliten- und Raketentechnik zu verwandeln.

Ein weiterer wichtiger Beitrag von Jacqueline Andres beschäftigt sich mit dem mittlerweile fast völlig aus den Nachrichten verschwundenen, ungeachtet dessen aber immer noch andauernden Krieg im Jemen. Während der letzten sieben Jahre verübte die vom Königreich Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition 24.876 Luftangriffe auf das Nachbarland. Die bombardierten Milizen konterten mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Saudi-Arabien und die Golfemirate. Der Krieg verursachte eine der derzeit weltweit größten humanitären Katastrophen – allein im Jahre 2021 starben auf beiden Seiten 17.800 Menschen.

Mehrere Beiträge des Heftes beschäftigen sich ausführlich mit dem Krieg in der Ukraine. Jürgen Wagner setzt sich kritisch mit der von westlicher Seite betriebenen Eskalationspolitik auseinander, welche ausschließlich auf Lieferung von immer mehr Waffen in die Ukraine setzt, Möglichkeiten zu einer Verhandlungslösung jedoch torpediert. Der »siegestaumelnde Westen« könne dadurch jedoch, wie Martin Kirsch in seinem Beitrag zutreffend meint, »dort landen, wo es keine Sieger*innen mehr gibt«.

Jan Hansen listet im Artikel »Blockaden in Ost und West« aktuelle Aktionen von Antimilitaristinnen und Antimilitaristen gegen die Logistik des Krieges auf: Unter anderem in Griechenland und in Italien behinderten Streiks, Blockaden und Sabotageakte massiv den Transport von Waffen in Kriegsgebiete. Wie der Autor meint, sei die deutsche Friedensbewegung demgegenüber deutlich im Verzug – hierzulande fand die letzte vergleichbare Aktion im Jahre 2008 statt.

Ausdruck, Nr. 109 (Juni 2022), Magazin der Informationsstelle Militarisierung (IMI), 4,50 Euro, Bezug: Hechinger Str. 203, 72072 Tübingen, www.imi-online.de

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