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Aus: Ausgabe vom 25.06.2022, Seite 6 (Beilage) / Wochenendbeilage

Grüne Grütze

Unterzeile
Von Maxi Wunder

»Wie siehst du denn aus?« Roswitha erscheint hinter mir im Garderobenspiegel, in dem ich seit Minuten meine von roten Pusteln übersäte Oberlippe anstarre. »Ich hab’ dir doch gesagt, du sollst keine ›Tagesschau‹ mehr gucken!« – »Was?« – »Du reagierst mit masochistischem Ekel!«

»Ekel? Wo?!« Udos perverse Lust an Ano­malien treibt ihn zu uns in die Diele. »Nix. Nur Herpes.« Ich deute auf meine Lippe. »Wie siehst duuuu denn aus?« ruft er amüsiert. Jetzt fängt der auch noch an. »Udo, mal was anderes«, lenke ich ab. »Was macht eigentlich die Friedensbewegung?« – »Tja, die Militanten sind vom Staat fertiggemacht worden, und die Blöden hat die Grüne Partei gekapert. Die Folge: Sobald die Grünen an die Macht kommen, gibt es Krieg. Vielleicht merken die Wähler das ja mal!«

Im Moment sieht es nicht danach aus. »Wie wird die Welt regiert und in den Krieg geführt? Diplomaten belügen Journalisten und glauben es, wenn sie’s lesen«, notierte der Wiener Schriftsteller Karl Kraus (1874–1936). Ihm war klar, dass der Erste Weltkrieg aufgrund einer Falschmeldung begann. Ende Juli 1914 fingierte die deutsche und österreichische Presse einen französischen Bombenabwurf auf Nürnberg. Unmittelbar darauf erfolgte die Kriegserklärung an Frankreich. Diese Erfahrung brachte Kraus dazu, »den Journalismus und die intellektuelle Korruption, die von ihm ausgeht, mit ganzer Seelenkraft zu verabscheuen«.

Auch Arthur Ponsonby (1871–1946), britischer Staatsbeamter, Politiker und Schriftsteller, beschäftigte sich mit dem Thema Massenmanipulation. 1928 deckte er in seinem Buch »Falsehood in Wartime« die »Zehn Gebote« der Kriegspropaganda auf, an die sich unsere Medien bis heute halten: »1. Wir wollen den Krieg nicht. 2. Das gegnerische Lager trägt die Verantwortung. 3. Der Führer des Gegners ist ein Teufel. 4. Wir kämpfen für eine gute Sache. 5. Der Gegner kämpft mit unerlaubten Waffen. 6. Der Gegner begeht mit Absicht Grausamkeiten, wir nur versehentlich. 7. Unsere Verluste sind gering, die des Gegners enorm. 8. Künstler und Intellektuelle unterstützen unsere Sache. 9. Unsere Mission ist heilig. 10. Wer unsere Berichterstattung in Zweifel zieht, ist ein Verräter.«

1934 bis 1937 war Ponsonby Vorsitzender der »War Resisters International«. Von ihm ist das Diktum: »When war is declared, truth is the first casualty«. Das erste Opfer im Krieg ist die Wahrheit. Leider nicht der Herpes.

Grüne Grütze

500 g grüne Stachelbeeren waschen und putzen. 200 ml Wasser mit 200 g Zucker und einem Stückchen Ingwerwurzel zum Kochen bringen. Stachelbeeren hinzufügen und in dem Zuckerwasser kochen, bis sie zerplatzen. Ingwer herausnehmen. Die Stachelbeeren mit der Flüssigkeit pürieren und eventuell mit Wasser verlängern. Neun Blatt kalt eingeweichte Gelatine ausdrücken und sofort unter das heiße Fruchtpüree mischen, bis sie vollständig aufgelöst ist. Stachelbeerpüree in kalt ausgespülte Förmchen füllen und mehrere Stunden im Kühlschrank erstarren lassen. Vor dem Stürzen kurz in heißes Wasser stellen. Die Grütze mit Minzblättchen dekorieren. Dazu Vanillesauce reichen.

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Joachim S. aus Berlin (25. Juni 2022 um 18:16 Uhr)
    Die »10 Gebote« bitte noch einmal und ganz vorn auf die Titelseite! Sie treffen den Nagel sowas von auf den Kopf. Viel besser kann man nicht beschreiben, wie wir auch heute bewusst belogen werden, wenn es um Krieg und Frieden geht.

Mehr aus: Wochenendbeilage