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Gegründet 1947 Donnerstag, 11. August 2022, Nr. 185
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Geld in ökologische Richtung

Zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs
Von Lucas Zeise
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Verehrte Leserin, verehrter Leser, Sie haben sich sicher schon Gedanken gemacht, wie Sie Ihre überschüssigen 100.000 Euro sicher, profitabel und zugleich guten Gewissens anlegen sollen. Ich sage Ihnen auch nichts Neues, wenn ich darauf hinweise, dass Ihr fortschrittlicher Arbeitgeber (hinter dem sich vielleicht Ihre Gattin oder auch Ihr Schwager versteckt) Ihnen selbstverständlich schon ein E-Auto (voll batteriegetrieben, nicht etwa Plug-in-Hybrid) als Dienstfahrzeug zur Verfügung stellt. Da er/sie/divers ein sozial denkender Arbeitgeber ist, hat er Ihnen einen Mercedes EQS nicht in karger Standardversion (107.327 Euro), sondern in der gehobenen und etwas bequemeren Version von netto 152.547 Euro hingestellt.

Als treue Leserin oder treuer Leser wissen Sie auch, dass diese Kolumne sich im Regelfall nicht mit den Details des Autokaufs befasst. Auch heute will ich die Weitsicht unserer Regierung (hier ihrer Vorgängerin) preisen, die die Coronakrise zum Aufbau einer neuartigen Autoindustrie klug genutzt und zugleich – das muss betont werden – durch 1.500 Euro Extrabonus beim Kauf eines E-Autos unterhalb eines Preises von 40.000 Euro für den sozialen Ausgleich für die weniger Begüterten gesorgt hat. Sie wissen auch, dass Sie und Ihr Arbeitgeber auf 1.500 Euro Innovationsprämie verzichten und statt 9.000 Euro nur 7.500 Euro an Zuschuss erhalten haben. (Die höhere Prämie kam für Ihr Dienstfahrzeug ohnehin nicht in Frage.)

Darüber hinaus ein Hinweis: Seit Anfang des Jahres können die Halter von Elektrofahrzeugen einen jährlichen Bonus von mehreren hundert Euro einstreichen. Auch diese schöne Sache verdanken wir dem kombinierten, geradezu unglaublichen Geschick von EU-Kommission und Regierung, die Marktwirtschaft in den Dienst der Ökologie zu spannen: Mineralölunternehmen, die den Treibhausgehalt der von ihnen vertriebenen Kraftstoffe nicht im vorgeschriebenen Maße zu senken in der Lage sind, müssen zum Ausgleich Zertifikate erwerben, welche die Halter batterieelektrischer Fahrzeuge bei deren Anmeldung erhalten und ihrerseits an die Mineralölfirmen verkaufen können. Der ADAC, dem ich diesen Hinweis verdanke, bietet sich als Vermittler bei dem Geschäft an und stellt auch Ihnen und Ihrem Arbeitgeber 350 Euro pro Jahr in Aussicht. Auch die soziale Komponente kommt dabei nicht zu kurz. Denn die Anmeldung eines kleinen Elektrorollers berechtigt ebenso wie die Ihres Dienstfahrzeugs zu dieser Jahresrente von gut 300 Euro.

Lassen Sie mich zum Schluss noch zum eigentlichen Anliegen kommen. »Geben Sie Ihrem Geld eine nachhaltige, ethische und soziale Richtung!« Der Spruch mag Ihnen bekannt vorkommen, weil er im täglichen Werbeblock des »Ersten« der ARD erklingt. Die Ökoworld AG, Hilden, bietet da überzeugend über die in Luxemburg ansässige hauseigene Kapitalverwaltungsgesellschaft Ökoworld Lux S. A. fünf verschiedene Fonds an. Das Portfolio dieser Fonds wird völlig unabhängig von hauseigenen Fachleuten auf seine nachhaltigen, ethischen, und sozialen Standards überprüft. Wir, Sie und ich, können zuversichtlich sein, dass der Planet von der kreativen Fondsindustrie und Ihrem Geld gerettet werden.

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