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Aus: Ausgabe vom 25.06.2022, Seite 2 / Ausland
Krieg in der Ukraine

Geländegewinne im Donbass

Kiew zieht Truppen aus Sewerodonezk ab. Einkesselung droht bei Lissitschansk
Von Reinhard Lauterbach
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Zerstörtes Gebäude in Sewerodonezk am 15. Juni 2022

Die Ukraine hat offenbar ihre Truppen aus dem Industriegebiet von Sewerodonezk zurückgezogen. Das berichtete für das ukrainische Portal censor.net dessen bei der Truppe eingebetteter Chefredakteur Jurij Butusow. Die Entscheidung zum Rückzug sei »schmerzlich, aber nötig« gewesen, um eine Einschließung der mehreren tausend Soldaten zu vermeiden. Der Regionalgouverneur von Lugansk, Sergij Gajdaj, bestätigte den Rückzugsbefehl. Es habe keinen Sinn gehabt, in Stellungen zu verharren, die vom Gegner regelmäßig »plattgemacht« würden. Gleichzeitig bestätigte er, dass in Sewerodonezk auf ukrainischer Seite ausländische Freiwillige gekämpft haben. Ein von ihm veröffentlichtes Video zeigt englischsprachige Kämpfer dabei, wie sie aus einem Bürogebäude heraus mit Handwaffen schießen.

Auch südlich der Nachbarstadt Lissitschansk kommt der russische Vormarsch offenbar inzwischen voran. Die ukrainische Seite gab zu, dass die ukrainische Gruppierung um Solotoje und Gorskoje von der Einkesselung bedroht sei und versuche, sich aus der Einschließung herauszukämpfen.

Im benachbarten Gebiet Donezk setzen russische Truppen offenbar ihren langsamen Vormarsch auf Slawjansk fort. Das Stadtzentrum von Donezk wird immer wieder von mutmaßlich ukrainischer Artillerie beschossen; am Freitag morgen traf eine Rakete einen Markt. Über Opfer wurde zunächst nichts bekannt. Die ukrainische Seite behauptet, der Beschuss ziviler Ziele gehe von russischer Seite aus und habe das Ziel, die Bevölkerung für den Kampf und insbesondere für den Eintritt in die Streitkräfte der »Volksrepublik« Donezk zu motivieren.

Moskau wirft unterdessen dem Westen die aktive Vorbereitung eines Krieges gegen Russland vor. Außenminister Sergej Lawrow sagte bei einem Besuch in Aserbaidschan, EU und NATO seien dabei, eine Koalition für einen solchen Krieg zu schmieden. Das erinnere an die Situation von 1941, als Nazideutschland ebenfalls andere europäische Staaten an seinem Angriff beteiligt habe. Lawrow warf den USA vor, Litauen zu seiner Blockade des Bahntransits in die Region Kaliningrad angestiftet zu haben. Russland werde dies aufmerksam beobachten und sich nicht wie 1941 überraschen lassen.

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  • Leserbrief von Istvan Hidy aus Stuttgart (25. Juni 2022 um 11:23 Uhr)
    Genau vier Monate ist es her, dass Russland in die Ukraine einmarschierte und gerade an diesem Tag muss sich die ukrainische Armee im Landesteil Lugansk in der Großstadt Sewerodonezk geschlagen geben. Der Donbass, zu dem das Gebiet gehört, war ohnehin schon seit Jahren in Teilen von Separatisten besetzt. Nun gibt Kiew sowohl Sewerodonezk als auch die auf der anderen Seite des Flusses gelegene Partnerstadt Lyssjansk auf. Doch bleibt fraglich, wohin ihr Rückzug führen soll, weil nur noch ein ca. 30 Kilometer breiter offener Korridor vorliegt, den das russische Militär mit ihrer Artillerie von beider Seite aus beherrscht. Somit ist Lugansk komplett gefallen und damit hatte der Kreml eines seiner wichtigsten Kriegsziele erreicht. Nächster Schritt Putins dürfte es nun sein, die unabhängige »Volksrepublik Lugansk« schnellstmöglich an Russland anzugliedern.

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