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Aus: Ausgabe vom 23.06.2022, Seite 15 / Medien
Tötungsdelikt

Erschossen und zerstückelt

Brasilien: Britischer Journalist Dom Phillips Opfer von Drogenbanden. Vorwürfe an Behörden werden laut
Von Norbert Suchanek, Rio de Janeiro
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Polizeibeamte mit den sterblichen Überresten des Journalisten Dom Phillips am Flughafen in Brasília (16.6.2022)

Dom Phillips und Bruno Araújo Pereira sind tot. Der seit dem 5. Juni im brasilianischen Amazonasgebiet bei Atalaia do Norte an der Grenze zu Peru und Kolumbien vermisste britische Journalist und der Indigenenexperte wurden mit einer Schrotflinte erschossen, anschließend zerstückelt, in einen Graben geworfen und angezündet. Der schon seit dem 7. Juni verdächtigte Fischer Amarildo da Costa de Oliveira einer Flussanwohnergemeinde (Ribeirinhos genannt) im Javari-Tal hat die Tat am vergangenen Donnerstag in der Untersuchungshaft gestanden und die Polizei zum Tatort geführt. Die Bundespolizei hat die Überreste der Leichen inzwischen zweifelsfrei als von Phillips und Pereira stammend identifiziert.

Neben dem 41jährigen Amarildo, auch bekannt als Pelado, hat die Polizei noch seinen Bruder, Oseney da Costa de Oliveira, bekannt als Dos Santos, und den Fischer Jeferson da Silva Lima unter Mordverdacht festgenommen. Weitere fünf, noch auf freiem Fuß befindliche Personen sollen laut den vorläufigen Untersuchungen bei der Beseitigung der Leichen geholfen haben.

Das Mordmotiv ist noch nicht zweifelsfrei ermittelt. Doch aller Wahrscheinlichkeit nach ging es nicht um kleine, sondern um große Fische und Kokain. Seit Jahren agieren, kaum gestört von den staatlichen Behörden, Drogenbanden in dem Dreiländereck und auf den Grenzflüssen. Auf der peruanischen Seite holzen sie den Regenwald für Kokaplantagen ab, während die Verarbeitung zu Kokainpaste vornehmlich in Kolumbien stattfindet. Brasilien ist sowohl der Abnehmer der Drogen als auch Lieferant der zur Verarbeitung der Kokablätter notwendigen Chemikalien.

Im Gegenzug finanzieren die Drogendealer den illegalen Fang von vornehmlich Pirarucu-Fischen im Indigenenreservat von Javari. Den bis zu drei Meter großen, nur in Amazonien vorkommenden und in Luxusrestaurants hohe Preise erzielenden Riesenfisch schmuggeln die Banden hauptsächlich nach Kolumbien und Peru und waschen damit ihre Drogengelder. Der Pirarucu, auch bekannt als Arapaima gigas, ist einer der größten Süßwasserfische der Erde und vom Aussterben bedroht. Seine Bestände sind bereits in weiten Teilen des Amazonas überfischt, weshalb sein Fang seit den 1990er Jahren in Brasilien nur noch in wenigen, nachhaltig gemanagten Schutzgebieten erlaubt ist.

Allen bisherigen Ermittlungen zufolge sind der ehemalige Koordinator der Indigenenbehörde Funai im Javari-Tal, Bruno Pereira und sein journalistischer Begleiter diesem länderübergreifenden organisierten Verbrechen in die Quere gekommen. Aussagen von Pereiras Freunden und der Vereinigung der Indigenen Völker des Javari-Tals (UNIVAJA) zufolge wollte Pereira noch am Tag seiner Ermordung der Bundespolizei Beweise gegen Fischer vorlegen, die illegal ins Indianerreservat eingedrungen waren.

»Der brutale Mord war eine Vergeltung für Anschuldigungen, dass Ribeirinhos in das Reservat Vale do Javari eindrangen, um illegal Pirarucu und Tracajás (Schildkröten) zu fischen«, ist sich die Journalistenagentur Amazonia Real in Manaus sicher. In ihrer Stellungnahme zum Mord an Phillips und Pereira wiederum prangert UNIVAJA an, dass die staatlichen Behörden ihre mehrfachen Warnungen ignorierten, dass das Reservat von Kriminellen überfallen werde und die Bewohner unter ständigen Bedrohungen leben müssten. »Wir haben mehrere Schreiben mit eindeutigen Informationen über die Zusammensetzung einer Bande von professionellen Fischern, die mit dem Drogenhandel in Verbindung stehen und unser Territorium illegal betreten, um unsere Ressourcen zu rauben, an die Bundesstaatsanwaltschaft, die Bundespolizei und die FUNAI geschickt. Aber es wurde nicht schnell genug gehandelt«, schreibt die UNIVAJA in einer Mitteilung.

Die Vereinigung ist zudem besorgt über das weitere Vorgehen der Polizei. »Pelado und Dos Santos sind Teil einer größeren Bande, das wissen wir. Was passiert, wenn die Streitkräfte und die Presse aus Atalaia do Norte abziehen. Was wird aus uns?«

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