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Aus: Ausgabe vom 23.06.2022, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Katastrophe oder Chance

Zu jW vom 20.6.: »Spezielle ›Spezialoperation‹«

Und die Moral von der Geschichte? Wo bleiben praktische Schlussfolgerungen und Entscheidungen? Zu mehr als einer dürftigen »Einerseits-­andrerseits«-Analyse ist offenbar die »linke Bewegung« nicht mehr in der Lage. Schon mal was von Haupt- und Nebenwidersprüchen gehört? Es gibt letztlich zwei Szenarien, je nach Ausgang dieser im Grunde globalen Auseinandersetzung. Die Durchsetzung des unipolaren Lagers wäre eine Katastrophe für die Bevölkerung des Donbass und Russlands und würde geopolitisch die verstärkte Ausplünderung der übrigen Welt bedeuten, ein Weltkrieg würde in greifbare Nähe rücken. Sollte sich Imperialist Russland entscheidend durchsetzen, würde sich im Verbund mit Chinas »Belt and Road Initiative« eine große Chance auch für viele Länder Afrikas und Lateinamerikas bieten, sich aus der westlichen Ausbeutungsklammer zu befreien. Ob Putin nationalistische Motive hat, oder diese nur aus innerpolitischen Gründen einsetzt, ist nebensächlich. Warum ist es angesichts dieser dramatischen weltpolitischen Weichenstellung für »Marxisten« so schwer, sich eindeutig festzulegen?

Dieter Reindl, Nürnberg

Russlands antikolonialer Kampf

Zu jW vom 20.6.: »Spezielle ›Spezialoperation‹«

Vermutlich gehöre ich zu einer zum Aussterben verurteilten Gruppe von Menschen, wenn ich versuche, geschichtliche Ereignisse in theoretische Konzepte einzuordnen. Aber wenn ich lese, dass unter Linken die Meinung verbreitet ist, beim Krieg zwischen Russland und der NATO gehe es um die Auseinandersetzung zwischen zwei imperialistischen Mächten, fällt es doch schwer, den Mund zu halten. Vor gut einem Jahr machte Jürgen Pelzer (»Enttäuschte Erwartungen«) in der jungen Welt vom 3. Mai 2021 auf ein Spätwerk des marxistischen Philosophen Domenico Losurdo aufmerksam: »Der westliche Marxismus«. Das war eine Anregung, das Buch mit großem Interesse und Gewinn zu lesen. Wenn man Losurdos Theorie über Imperialismus und den im westlichen Marxismus vernachlässigten Kolonialismus auf den Krieg Russlands anwendet, kann man diesen widerspruchslos als einen Kampf gegen den Kolonialismus des »Westens« interpretieren. Für mich ist interessant, dass Präsident Putin und sein Außenminister Lawrow in jüngsten Erklärungen immer mal wieder von Kolonialismus sprechen, obwohl beide schwerlich Losurdos Buch kennen werden. Als alter Ossi habe ich immer Sympathien und Solidarität für den antikolonialen Kampf empfunden, ohne danach zu fragen, ob die Kämpfer sich außenpolitisch an die Buchstaben des vom »Westen« geschriebenen Völkerrechts und innenpolitisch an die Worte des orthodoxen Marxismus-Leninismus gehalten haben. Mit diesem Mangel an moderner politischer Bildung werde ich wohl auch die letzten Jahre des Lebens verbringen müssen.

Ernst Herbst, Staßfurt

Engagierte Humanistin

Zu jW vom 15.6.: »Verrat, Tragödie, Scheitern«

Danke an Gerhard Hanloser für diesen Artikel über die »Maikampagne« der RAF und Ulrike Marie Meinhoff, den ich mit großem Interesse gelesen habe. Einige Details hatte ich mittlerweile vergessen und andere, die mir im Gedächtnis geblieben sind, fehlen mir jedoch: z. B. die Hervorhebung der Wechselwirkungen zwischen unserem damaligen Staat, der sich noch weigerte, die Nazizeit aufzuarbeiten, in dem die Seilschaften der alten Nazis wie die eines Reinhard Gehlen im Dienste des US-Geheimdienstes tätig sein durften, und die Rolle der Springer-Presse bei der Eskalation, die die westdeutsche Bevölkerung gegen die zu Recht beunruhigten Studenten aufhetzte – so, dass sich ein junger Mann genötigt fühlte, einem Rudi Dutschke den Kopfschuss zu verpassen …

Mich erreichte die Nachricht von der Ermordung Benno Ohnesorgs durch den Polizisten Kurras in Berlin am 2. Juni 1967 in Freiburg, als ich mit meinem zweiten Kind schwanger war, so stand ich damals mit einem Kind an der Hand und einem im Bauch am Rand des Fackelzugs, den die Freiburger Studenten für Benno Ohnesorg veranstalteten … Ich bewunderte die Journalistin Meinhoff, deren Beiträge ich im Radio gehört hatte und deren Kolumnen in der Konkret ich gerne danach noch gelesen habe. Ich hielt sie für eine engagierte Humanistin, eigentlich hielt ich sie nach allem, was ich von ihr kannte, für eine Pazifistin, und konnte es nicht fassen, als sie durch ihre Teilnahme an der Befreiungsaktion von Andreas Baader in die Illegalität getrieben wurde. So wie die »Selbstmorde« von Gudrun Ensslin und ihr in Stammheim bis heute umstritten sind. (…)

Josie Michel-Brüning, Wolfsburg

Der vergessene Film

Zu jW vom 15.6.: »Verrat, Tragödie, Scheitern«

1970 erschien von Ulrike Meinhof das Drehbuch für »Bambule, Fürsorge – Sorge für wen?«, eine kritische Untersuchung der Heimerziehung in der BRD, am Beispiel eines Berliner Kinderheimes, mit einem Nachwort von Klaus Wagenbach. Der Film lag 24 Jahre lang im »Giftschrank« des Südwestfunks und wurde nicht veröffentlicht. Erst 1994 war man bereit, Licht in das Dunkel der oft autoritären, menschenverachtenden Heimerziehung zu bringen. Aber Ulrike Meinhofs Anklage rüttelte schon in den 70er und 80er Jahren Heimmitarbeiterinnen und Heimmitarbeiter auf. Bereits 1983 mit einer dreitägigen Marktveranstaltung in Hamburg prangerten Jugendliche die Missstände in den Heimen an. Die beiden Senatoren Grolle (für Schule) und Ehlers (für Soziales) beendeten diese Misere und schlossen betreffende Kinderheime und Heimschulen in Hamburg endgültig! (…)

Gerd Weißmann, per E-Mail

Lest junge Welt!

Zu jW vom 2.6.: »›Eine Schutzzone für Islamisten‹«

Die Tatsache, dass die vom türkischen Präsidenten geplante Invasion in Nordsyrien im Mainstream verschwiegen, in der jW aber ausführlich beschrieben werden kann, verrät außerordentlich viel über die »Qualität« der prägenden Medien in Deutschland. Es ist zum Heulen, welche geistige Schmalspurkost Otto Normalverbraucher normalerweise geboten bekommt. Eigentlich sollte die Losung des Tages lauten: »Bildet euch! Lest endlich junge Welt

Joachim Seider Berlin

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